Markus Eberhard Markus Eberhard 11.04.2020 | Allgemein

    Eidgenössische Zollverwaltung und vormalige Alkoholverwaltung im Streit um die Ethanol-Pandemiereserve

    In diesen Zeiten wäre die Verfügbarkeit von Ethanol, dem Grundstoff für viele Desinfektionsmittel, äusserst wichtig. Umso prekärer, dass seit Ende Februar in der Schweiz ein ausgeprägter Mangel an Ethanol herrscht. Die Knappheit ist darauf zurückzuführen, dass der Bund Ende 2018 seine Notreserve aufgelöst hat und nun ein Streit zwischen der Eidgenössischen Zollverwaltung und der Alkoholverwaltung ausgebrochen ist wegen der Frage, wer daran schuld ist.
    Fast 80 Jahre lang hat die Schweiz einen Ethanolvorrat gehalten, der sich zuletzt auf 8’000 bis 10’000 Tonnen belief. Das Lager befand sich in riesigen Silos in Schachen (LU) unter Verantwortung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung, die zum Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) gehörte. Zweck der Reserve war unter anderem die Landesversorgung im Fall einer Pandemie. Als im Zuge der Privatisierung der Alkoholverwaltung 2018 der Vertrag über die Ethanolreserve auszulaufen drohte, unterliess es das BWL, eine Anschlusslösung zu suchen. Doch dieses sieht es anders: Die Verantwortung für die Ethanolreserve liege eher beim Finanzdepartement mit der Eidgenössischen Zollverwaltung, heisst es aus dem BWL.
    Diese wiederum weist jedoch jede Verantwortung für den Ethanol-Mangel weit von sich, da der Handel mit dem alkoholischen Rohstoff privatisiert worden sei. Die Zollverwaltung habe 2018 von der vormaligen Alkoholverwaltung lediglich die Eintreibung der Alkoholsteuern übernommen. Somit bleibt vorerst unklar, wer es seitens des Bundes versäumt hat, die Pandemiereserve zu retten.