Wirtschafts­his­to­riker Tobias Straumann: Der Export funktio­niert auch ohne ausgefeilte Verträge

Export
02.06.2019 von Markus Eberhard

In der Aargauer Zeitung ist ein interessantes Interview mit dem Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann veröffentlicht worden, das für einmal eine andere Sichtweise zum EU-Rahmenabkommen beinhaltet wie die, die wir vom Bundesrat und den Wirtschaftsverbänden dauernd zu hören bekommen. Seine Thesen im Zusammenhang mit dem Exportgeschäft sind wie folgt:

  • Das EU-Rahmenabkommen ist für die Schweizer Wirtschaft gar nicht so wichtig.
  • Der Export funktioniert auch ohne ausgefeilte Verträge gut, wie der Aussenhandel mit den USA und China beweist, der viel stärker zugenommen hat als jener mit der EU.
  • Der Handel mit China floriert, weil unsere Güter in China sehr gefragt sind, nicht wegen des Freihandelsabkommens.
  • Und ganz Ostasien erlebt trotz grosser politischer Gegensätze einen enormen Wachstumsschub, ohne dass es dort eine derart enge Harmonisierung und Zentralisierung wie in Europa gäbe.
  • Viele Leute haben das Gefühl, dass Europa nur wegen der EU ein wohlhabender Kontinent sei. Das ist vollkommen falsch. Europa ist seit langem ein reicher Kontinent und es würde reichen, wenn wir wie in Ostasien Freihandel hätten und die technischen Vorschriften gegenseitig anerkennen würden.
  • Immer ist im Zusammenhang mit dem Rahmenabkommen die Rede davon, dass es den Zugang zum EU-Binnenmarkt sichere. Doch das ist falsch. Verzichten wir auf ein Rahmenabkommen, dann kommt einfach etwas mehr Sand ins Getriebe.
  • Entscheidend ist, ob unsere Wirtschaft Güter produziert, die gefragt sind. Bei den technischen Handelshemmnissen wird es etwas teurer, aber man hat immer einen Weg gefunden. Er versteht nicht, wie man auf die Idee kommen kann, dass die Schweiz nur dann mit der EU Handel treiben könne, wenn sie sich ganz eng an die EU anbinde. Die wichtigsten Handelspartner der EU sind die USA und China, beides Länder, die weder EU-Mitglieder sind noch das EU-Recht automatisch übernehmen.

Quellenangaben

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