Markus Eberhard Markus Eberhard 29.05.2020 | Import

    Kommentar des NZZ-Wirtschaftschefredaktors zur Abschaffung der Zölle auf Industrieprodukte

    Nachdem wir im Februar berichtet haben Knappe Mehrheit in der nationalrätlichen Kommission gegen Abschaffung der Industriezölle, will sich eine Mehrheit der Parlamentarier im Nationalrat gar nicht mehr mit der Vorlage befassen. Das bringt den NZZ-Chefredaktor Peter A. Fischer auf den Plan, der das gar nicht glauben kann und seine Meinung dazu unverholen in einem Kommentar veröffentlicht.
    Er führt auf, dass die Schweiz mit dieser Vorlage die Chance hat, aus eigener Kraft ein Zeichen zu setzen

    • für mehr Wettbewerbsfähigkeit
    • für günstigere Preise
    • gegen Protektionismus

    Aber dadurch, dass sich eine Mehrheit der Parlamentarier nach der Abstimmung in der nationalrätlichen Kommission gegen die Abschaffung der Zölle auf Industrieprodukte nicht einmal mehr mit der Vorlage befassen will, diese Chance vertan wird. Allerdings führt Herr Fischer auf, dass dies in der Schweiz System zu haben scheint: Fassen Bundesrat und Verwaltung nach jahrelangen Diskussionen endlich den Mut, etwas vorzuschlagen, was die Schweiz stärken und unnötige Bürokratie abbauen würde, so sorgen Partikulärinteressen und Lobbyisten im Parlament gleich wieder dafür, dass dieses den Mut verlässt. Er führt dafür als Beispiele den Vorschlag zur Einführung eines Einheitssatzes in der Mehrwertsteuer und bei der Aufhebung der Stempelsteuern auf. Nun droht das Gleiche bei der Abschaffung der Industriezölle.
    Peter Fischer macht darauf aufmerksam, dass die Industriezölle, welche die Schweiz noch erhebt, im Durchschnitt nur knapp zwei Prozent des Importwertes ausmachen. Weil das Zollwesen kompliziert ist, entsteht jedoch ein hoher bürokratischer Aufwand. Würde man alle Industriezölle abschaffen, liesse sich ein Grossteil davon sparen, ohne dass jemand wirklich schlechter dastünde. Denn nach im braucht die Schweizer Industrie längst keinen Schutz mehr vor fremden Importen. Sie ist Teil von grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten, in deren Rahmen Vorleistungen importiert und Komponenten exportiert werden. Entfällt die Zollgrenze, macht das den Standort Schweiz attraktiver und hilft der unter dem starken Franken leidenden Wirtschaft.
    Es bleibt spannend in dieser umstrittenen Vorlage, die von allen Wirtschaftsverbänden unterstützt wird. Falls Sie jetzt schon wissen wollen, ob Sie die korrekten Zölle entrichten, empfehlen wir Ihnen unser Angebot der Zollkosten-Analyse. Oder nehmen Sie die Dienste unserer Zollberatung in Anspruch für eine individuelle Beratung.