Sind Zölle schuld, dass Amazon in der Schweiz nicht die Nummer eins ist?

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07.02.2021 von Markus Eberhard

Während dem der nach Umsatz weltweit grösste Online-Shop Amazon in den Nachbarländern auf Platz 1 ist, reicht es in der Schweiz nicht einmal auf einen Podestplatz. Marktbeobachter wundert dies und haben versucht, die Gründe dafür ausfindig zu machen. Einer der Hauptpunkte dürfte gemäss ihnen sein, dass die Eidgenössische Zollverwaltung in der Schweiz Zölle / Zollabgaben auf Basis der Gewichte erhebt.
Die Beobachter kommen zum Schluss, dass die Gründe für dieses atypische Ranking von Amazon aber über das Zollthema hinausgehen und vielfältig sind und sich auch ein Blick zurück lohnt. Beim Nachbarn Deutschland, wo Amazon den Markt beherrscht, startete der Versandhändler sein Geschäft im Jahre 1998 auf einen Schlag. Anno dazumal war die Konkurrenz überschaubar, was erlaubte, die Position schnell zu festigen. Dieser Pioniervorteil war auf dem Schweizer Markt nicht gegeben. Denn unser Markt wurde von den Amazon-Verantwortlichen zunächst als zu klein und damit als uninteressant betrachtet. Bis heute scheint diese Einstellung zu existieren, da es nach wie vor keine Schweizer Version (amazon.ch) des Online-Händlers gibt. Stattdessen beherrschen hierzulande lokale Namen den Markt: Digitec, Microspot und Brack.ch.
Und ein aus dem späten 19. Jahrhundert stammendes steuerliches Relikt soll ebenfalls hauptsächlich für die Dominanz der lokalen Händler verantwortlich sein: Die Tatsache, dass die Schweiz als einziges Land die Gewichte (Brutto) für die Bemessungsgrundlage verwendet. So steht es noch heute in Artikel 2 des Zolltarifgesetzes, der allerdings revidiert werden soll. Damit muss jeder Artikel, der in die Schweiz importiert wird, gewogen werden. Und dies unabhängig davon, ob es sich um Turnschuhe, Gürtelschnallen, Hometrainer oder was auch immer das Herz der Schweizer Konsumenten wünscht, handelt. In der schnelllebigen Zeit, in der die Kollektionen zum Teil vierteljährlich wechseln, würde das zu viel Aufwand und Kosten bei vielen Händlern verursachen, weshalb sie davon absähen.
Doch leiden müssen die hiesigen Konsumenten trotzdem nicht: Denn die “Local Players”, vor allem die “Big 3”, haben viel investiert in ihre Auftritte und sich entsprechend weiterentwickelt.

Quellenangaben

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