Strafzölle USA: 8 Antworten für Schweizer Firmen

05.06.2018 | Tarifierung | Thomas Woodtli
Strafzölle USA auf Aluminiumfolien

Viele Drohungen hat US-Präsident Donald Trump schon in Richtung Europa «getwittert». Die Worte «Strafzölle» sowie «Handelskrieg» sind in Zeiten des liberalen Welthandels ja fast in Vergessenheit geraten.

Nun müssen Unternehmen in der Europäischen Union (EU) seit 1. Juni 2018 mit zusätzlichen Strafzöllen auf Waren aus Aluminium (maximal 10 %) und Stahl (bis zu 25 %) beim Import in die USA rechnen.

Doch: Inwiefern sind Schweizer Firmen beim Export von Waren aus der Schweiz von Trumps Strafzöllen betroffen?

Wir geben Antworten auf folgende Fragen – und relativieren dabei pragmatisch.

1.  Sind Schweizer Unternehmen ebenso von US-Strafzöllen betroffen?

  • Ja, sogar seit 23. März 2018, aber nicht alle Produkte aus Stahl oder Aluminium sind betroffen. Die Schweiz ist kein Rohstofflieferant für Stahl und Aluminium. Somit halten sich die von den Strafzöllen betroffenen Produkte in engen Grenzen.

2. Auf welche Stahl- und Aluminiumprodukte werden die Strafzölle erhoben?

  • Von den Strafzöllen betroffen sind gemäss Medienmitteilungen des Weissen Hauses vom 8. März 2018 folgende Stahlprodukte und Aluminiumprodukte:
Strafzölle auf Stahl bei folgenden HS-Codes Strafzölle auf Aluminium bei folgenden HS-Codes
7206 bis 7216.50 7601
7216.99 bis 7301.10 7604 bis 7609
7302.10 7616.99
7302.40 bis 7302.90
7304 bis 7306

3. Welche Waren könnten im Portfolio von Schweizer Unternehmen relevant sein?

  • Betroffen von Strafzöllen sind gewisse Ersatzteile von Maschinenbauherstellern, zum Beispiel:
HS-Codes Warenbezeichnung
7304 bis 7306 und 7608 Rohre aus Stahl oder Aluminium
7607 Aluminiumfolien
7609 Rohrverbindungsstücke aus Aluminium (siehe Punkt 4)
7616.99 ausgewählte Produkte aus Aluminium (siehe Punkt 5)

4. Welche Waren gehören zu den Rohrverbindungsstücken aus Aluminium (HS-Code 7609)?

  • Flache Flanschen oder Flanschen mit geschmiedetem Hals, Kniestücke und Bogen, Reduktionsstücke, T-Stücke, Kreuzstücke und Stopfen, Stumpfschweissmanschetten, Überspringbogen, Abzweigstücke mit mehreren Armen, Verbindungsstücke für Geländer aus Rohren, Stellschrauben (Holländer-Schrauben), Muffen und Nippel, Siphons, Unterlegscheiben für Rohre, Klemmringe, Schraubkupplungen und Rohrschellen.

5. Welche Waren fallen unter den HS-Code 7616.99?

  • Alle Fertigwaren aus Aluminium ausgenommen Stäbe, Folien, Rohre und ihr Zubehör, Kabel, Haushaltsartikel, Schrauben, Bolzen, Muttern sowie Unterlegscheiben.

6. Was ist eine Zolltarifnummer / HS-Code?

  • Die Zolltarifnummer / HS-Code ist für den Import und Export in und aus jedem Land zentral. Hinter jeder Zolltarifnummer steckt nämlich ein Zollansatz, der die Höhe der zu bezahlenden Zollabgaben bestimmt. Wird also eine Ware einer falschen Zolltarifnummer zugeordnet, so bezahlen Firmen eventuell auch nicht die korrekten Zollabgaben. Die ersten 6 Stellen einer Zolltarifnummer sind international gleich, so wird ein Fahrrad der Tarifnummer 8712.00 oder Stahlschrauben der Tarifnummer 7318.15 zugeordnet.

7. Werden Stanzteile aus Aluminium als Teile einer bestimmten Maschine der Zolltarifnummer 7616.99 zugeordnet?

  • In den meisten Fällen nicht. Gemäss den international gültigen Regeln des Zolltarifs werden ausschliesslich erkennbar für Maschinen hergestellte Teile der Zolltarifnummer der betroffenen Maschine zugeordnet. Beispiel: Ausschliesslich erkennbare Teile von Pumpen werden der Zolltarifnummer 8413.81 oder Teile von Metallbearbeitungsmaschinen der Zolltarifnummer 8466 zugeordnet. Handelt es sich bei gewissen Stanzteilen lediglich um rechteckige Platten, so gelten diese nicht mehr als «ausschliesslich erkennbar».

8. Was ist bei den Exportpapieren in die USA zu beachten?

  • Machen Sie auf einer Handelsrechnung je Artikelposition Angaben wie Incoterms, Warenbezeichnung, Ursprungsland, Zolltarifnummer und Warenwerte. Anhand dieser Angaben werden die Sendungen beim Import in die USA verzollt. Je mehr Angaben eine solche Handelsrechnung hat, desto reibungsloser verläuft der Verzollungsprozess.

finesolutions-Tipp

Im Hinblick darauf, dass die Strafzölle nicht auf alle Zolltarifnummern des Kapitels 72 und 73 (Stahl und Waren daraus) sowie Kapitel 76 (Aluminium) erhoben werden, lohnt es sich, die bisher verwendeten Zolltarifnummern genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vor allem Maschinenteile aus Aluminium werden in den meisten Fällen nicht als «Aluminiumwaren» in den Zolltarif eingereiht, sondern als «Maschinenteile» in die Kapitel 84 und 85. Mit unserer Tarifierungsunterstützung helfen wir Ihnen gerne weiter!

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