Verlagerungsverfahren

Importieren Unternehmen Waren aus dem Ausland, sind auch bei der Einfuhr in die Schweiz Mehrwertsteuerabgaben zu entrichten. Vor allem bei Waren mit hohem Wert kann die finanzielle Belastung für Firmen sehr hoch sein. Kurzfristig wird viel Kapital an den einzelnen Geschäftsvorgang gebunden. Unternehmen haben deshalb die Möglichkeit, die Mehrwertsteuerabgaben «gebündelt» monatlich oder quartalsweise direkt der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) zu bezahlen. Was eine interessierte Firma dafür tun muss, lesen Sie in dieser Fachbegriffserklärung.

Normalerweise wird die Mehrwertsteuer auf Einfuhren (Einfuhrsteuer) dem importierenden Unternehmen bei jeder Zollanmeldung in Form der «Veranlagungsverfügung MWST» einzeln abgerechnet. Die Abgaben werden direkt vom ZAZ-Konto abgezogen oder werden durch den Spediteur mit «üblichen» Zahlungsfristen in Rechnung gestellt. Dies bindet kurzfristig Kapital für diese Importvorgänge.

Das Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) räumt deshalb Unternehmen im Artikel 63 mit der «Verlagerung der Entrichtung der Einfuhrsteuer» die Möglichkeit ein, die Zahlungspflicht der MWST-Abgaben aufzuschieben. Die Einfuhrsteuerabgaben können demnach in der periodischen Steuerabrechnung direkt gegenüber der ESTV deklariert werden, und nicht wie normalerweise bei jedem Importvorgang gegenüber der Zollverwaltung.

Das Verlagerungsverfahren ist auf einem Zeitstrahl dargestellt. Mit und ohne Verlagerung der Mehrwertsteuer MWST

Das Verlagerungsverfahren bedarf einer vorgängigen Bewilligung der ESTV. Folgende Voraussetzungen muss ein Importeur gemäss Artikel 118 der Mehrwertsteuerverordnung erfüllen:

  • Er muss nach der «üblichen», effektiven Methode (nicht mit der Saldo- oder Pauschalsteuersatzmethode) abrechnen
  • Er muss in eigenem Namen (keine Vermittlung) regelmässig Waren ein- und ausführen
  • Er muss eine lückenlose Kontrolle über die Einfuhr-, Ausfuhr- und Lagervorgänge führen
  • Die Vorsteuerüberschüsse müssen im Jahr mehr als 10’000 CHF betragen
  • Je nach Ermessen der ESTV muss er eine Sicherheit leisten

Wird einem Importeur die Bewilligung für die Verlagerung der Einfuhrsteuer erteilt, so muss er bei jedem Importvorgang dafür sorgen, dass:

  • der Spediteur in der Zollanmeldung die Verlagerung der MWST mittels speziellem MWST-Code 90 und unter Angabe der Bewilligungsnummer bewusst beantragt. Ansonsten wird die Einfuhrsteuer normal erhoben und kann nicht rückerstattet werden.
  • bei der Einfuhr eine auf ihn lautende Rechnung
  • in der Zollanmeldung die korrekte UID-Nummer sowie MWST-Nummer deklariert wird.

Wie wir Ihnen bei diesem Thema helfen können

Da das Verlagerungsverfahren bei jeder Einfuhr mit speziellen Zusatzfeldern in der Zollanmeldung beantragt werden muss, ist eine lückenlose Kontrolle der eingehenden Veranlagungsverfügungen unabdingbar. Ebenso muss sichergestellt sein, dass auf diesen die MWST-Werte korrekt veranlagt werden, da diese Werte in der periodischen Steuerabrechnung mit der ESTV genau übereinstimmen müssen. Eine speziell auf den Bezug von Veranlagungsverfügungen spezialisierte Software (zum Beispiel «ImpoWin») kann Ihnen dabei helfen, fehlerhafte Veranlagungsverfügungen rasch ausfindig zu machen.

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