Markus Eberhard Markus Eberhard 28.06.2020 | Allgemein

    Die unrühmliche Vergangenheit der Schweizer Textilindustrie als eines der wichtigsten Handelszentren für Rohstoffe im 19. Jahrhundert

    Auf Swissinfo.ch ist ein interessanter Bericht erschienen zur früheren Rolle der Schweizer Textilindustrie, der ein weniger gutes Licht auf die damaligen Verhältnisse wirft. Wohl hatte unser Land keine Kolonien, profitierte aber dennoch vom Kolonialismus. Das zeigt der Autor an der Geschichte der Indiennes – bunten Baumwolltüchlein.
    Der lukrative Handel (Import / Export) mit ihnen war verbunden mit kolonialer Ausbeutung, religiöser Bekehrung und Sklavenhandel. Die Ursprünge reichen zurück, als der französische „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. sie aufgrund des Drucks einheimischer Woll-, Seiden- und Leinenhersteller verbieten musste. Für die Schweiz wurde Frankreichs Verbot der Herstellung und Einfuhr von diesen Tüchern im 17. Jahrhundert zum Glücksfall. Französische Protestanten, die vor religiöser Verfolgung in die Schweiz flüchteten, gründeten in Genf und Neuenburg Textilfabriken, von wo die Indiennes über die Grenze nach Frankreich geschmuggelt wurden. Die Nachfrage erreichte damals ihren Höhepunkt: 1785 wurde das Werk Fabrique-Neuve in Cortaillod, Neuchâtel, der grösste Hersteller von Indiennes in Europa.
    Der Handel brachte unserem Land enormen Wohlstand, aber auf Kosten von anderen: Diese Stoffe wurden damals als eine Art Währung verwendet, um in Afrika gegen Sklaven eingetauscht zu werden. Diese schickte man dann z.T. nach Amerika. Auf dem Schiff „Necker“ beispielsweise, das 1789 nach Angola segelte, machten Schweizer Stoffe drei Viertel des Warenwerts aus, den man gegen Sklaven tauschte.
    Die Schweiz entwickelte sich bis Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zu einem der wichtigsten Handelszentren für Rohstoffe. Hiesige Kaufleute kauften und verkauften weltweit Waren wie indische Baumwolle, japanische Seide und westafrikanischen Kakao. Wenn auch diese Waren sich nie auf Schweizer Boden befanden, flossen die Gewinne doch ins Land. Oftmals auf Kosten von anderen.