AEO

Erfahren Sie, was hinter dem AEO bzw. ZWB steckt und wie Sie diesen freiwilligen Zollstatus beantragen können. Lohnt sich der AEO für Ihr Unternehmen und was sind die Vorteile? Wir geben Ihnen aktuelle Zahlen bekannt sowie einige Tipps aus der Praxis.

Der AEO (Authorised economic operator) ist ein freiwilliger Zollstatus, den Schweizer Unternehmen bei der Eidgenössischen Zollverwaltung beantragen können. Der Antragsteller hat dazu eine Selbstbewertung auszufüllen und sie der Oberzolldirektion einzureichen. Die Voraussetzungen gemäss Zollrecht zur Erreichung des AEO-Status sind auf der AEO-Sektion der Webseite der Zollverwaltung inklusive des für die Selbstbewertung notwendigen Fragebogens abrufbar. In Deutschland ist dieser Status auch unter dem Kürzel «ZWB» (Zugelassener Wirtschaftsbeteiligter) bekannt, meint aber das Gleiche.

Aus Behördensicht soll dieser Status ein modernes und effektives Risikomanagement ermöglichen. Unternehmen mit AEO-Status sollen dafür mit Vergünstigungen bei sicherheitsrelevanten Zollkontrollen und/oder Vereinfachungen gemäss den Zollvorschriften profitieren.

In der Schweiz ist es seit 2011 möglich, den AEO-Status zu beantragen und bisher haben (Stand: September 2017) etwas mehr als 100 Firmen diesen Status mittels eines AEO-Zertifikats erhalten.

Die Liste der AEO-Unternehmen ist in der Schweiz in Form einer PDF-Datei auf der Webseite der EZV abrufbar. Beim Betrachten der Schweizer Liste fällt auf, dass mehr als Dreiviertel der AEO-Firmen Dienstleister sind, also Spediteure, Lagerhäuser, Verzollungsagenturen, etc. Industrie- und Handelsunternehmen sind in der Minderheit. Die Europäische Union bietet für die Abfrage eine Datenbanklösung an, was die Suche nach zertifizierten Geschäftspartnern vereinfacht.

 

Hintergrund des Status AEO / ZWB

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 (Nine-Eleven oder 9/11) haben die USA verschärfte Massnahmen zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus eingeleitet. Diese führten unter anderem dazu, dass die Weltzollorganisation (WZO) das «SAFE-Framework» erliess. Dieses Werk beinhaltete folgende vier Kernelemente:

  • Harmonisierung der Anforderungen für elektronische Frachtinformationen
    — > papierloses Zollportal
  • Konsistenter Ansatz eines Risikomanagements der angeschlossenen Länder
  • Vergleichbare Risikoerkennungs-Methodologie
  • Vorteile für jene Unternehmen, die SCM-Sicherheitsstandards anwenden

Damit sollen folgende Hauptziele erreicht werden:

  • Verhinderung des Missbrauchs logistischer Strukturen zu terroristischen Zwecken
  • Verifizierung von Absendern, Empfängern, Spediteuren, Agenten, Frachtführern etc.
  • Verifizierung der transportierten Güter, Verhinderung von nicht autorisierten Beipacks

Um diese Ziele zu erreichen wurde der besondere Status geschaffen, welcher in der Schweiz AEO heisst: An der internationalen Lieferkette sollen nur noch sichere und zuverlässige Unternehmen teilnehmen:

AEO Status internationale Lieferkette

Das heisst, dass ein AEO nach erfolgreicher Prüfung als besonders zuverlässig und vertrauenswürdig gilt. Die vollständige Umsetzung dieses Unterfangens ist natürlich sehr ambitiös in Anbetracht der Millionen von Unternehmen, die an diesen ganzen Prozessen weltweit beteiligt sind. Da es in der Praxis immer wieder vorkommt, dass ein oder mehrere Teilnehmer keinen AEO-Status haben, wurde begonnen mit «Sicherheitserklärungen» zu arbeiten. Das heisst, dass ein Beteiligter ohne AEO-Status von einem anderen mit AEO-Zertifizierung aufgefordert wird, eine Sicherheitserklärung abzugeben. Diese soll belegen, dass der Nicht-AEO Abläufe und Sicherheitsvorschriften wie ein AEO-Unternehmen hat.

Tipp

Auch wenn es für Schweizer Unternehmen sehr verlockend ist, die erhaltene Sicherheitserklärung einfach zu unterzeichnen und zurückzuschicken, raten wir zur Vorsicht. Bestätigen Sie wirklich nur Sachverhalte, die wahr und die nachprüfbar richtig sind. Ansonsten könnte es in einem Schadensfall oder einer Untersuchung zu Anzeigen und hohen Bussen kommen.

Internationale Abkommen

Da nicht alle Länder bzw. Ländergruppen alle 1’600 Seiten des SAFE-Frameworks der WZO umsetzen, überprüfen die an einem Abkommen interessierten Länder sich gegenseitig. Das heisst, es finden Verhandlungen zwischen den Parteien statt, um sicherzustellen, dass der jeweilige Partner den eigenen Kriterien genügt. Auch heisst die (teilweise) Umsetzung des SAFE-Frameworks nicht überall «AEO» bzw. «ZWB»: In USA ist dies der «C-TPAT» bzw. die «Partnership against terrorism», in Kanada das sogenannte «PIP-Programm» (Partner in Protection).

Die Schweiz unterhält zurzeit (Stand: November 2017) folgende Abkommen:

  • Europäische Union – Schweiz
  • Norwegen – Schweiz
  • China – Schweiz

In Verhandlung bzw. Vorbereitung dazu (Stand: März 2018) ist die Schweiz mit folgenden Ländern:

  • Japan
  • USA

Diese Verhandlungen dauern allerdings zum Teil schon recht lange. Es fragt sich, welche Partei noch wieviel Interesse an einem erfolgreichen Abschluss hat, denn z.B. das Japan-Abkommen hätte schon vor Jahren besiegelt werden sollen. Auch das USA-Abkommen sieht nicht gut aus: Das Vernehmlassungsverfahren im Herbst 2017 zu einem möglichen Vorprojekt mit Amerika hat grösstenteils negative Reaktionen von Verbänden, wie z.B. von SwissTextiles,  und Kammern hervorgebracht. Unter den US-Bedingungen scheint die Schweizer Wirtschaft wenig Lust zu haben auf ein gegenseitiges Abkommen.

Tipp

Wenn Sie von einem ausländischen Geschäftspartner bezüglich eines AEO-Zertifikats angefragt werden, so klären Sie zuerst ab, ob die Schweiz überhaupt ein Abkommen mit dem Land hat, in dem der anfragende Geschäftspartner seinen Sitz hat. Ohne ein solches Abkommen können Sie als Unternehmen gar nichts unternehmen.

Eigenheiten und Voraussetzungen des Schweizer AEO-Status

Als sich die Oberzolldirektion im Jahre 2010 entschied, der Schweizer Wirtschaft ebenfalls einen Status anzubieten, stellte sich die Frage, welche Elemente des «SAFE-Frameworks» übernommen werden sollen. Sie entschied sich, als Grundlage für den Schweizer AEO die EU-Richtlinien zu übernehmen. Aber wie man sich das von der Schweiz gewöhnt ist, nicht in allen Bereichen: Das beginnt schon damit, dass die Schweizer Behörden nur von einer «AEO-Verfügung» (und keiner Zertifizierung) sprechen. Zudem gibt es weitere substantielle Unterschiede: So gibt es in der EU drei AEO-Varianten:

  • AEO C (AEO-Customs -zollrechtliche Vereinfachungen)
  • AEO S (AEO-Security – sicherheitstechnische Vereinfachungen)
  • AEO C/S (AEO- Zoll- / Sicherheitsrechtliche Vereinfachungen, auch AEO F (full) genannt)

In der Schweiz kennen wir nur einen AEO-Status, was Vor- und Nachteile für Schweizer Unternehmen hat, je nachdem, wie sie aufgestellt sind. Auch hat die EU mit rund 15’000 zertifizierten AEOs wesentlich mehr Firmen mit diesen Status.

Folgende Hauptvoraussetzungen und -kriterien müssen interessierte Firmen erfüllen, um einen Antrag einreichen zu können:

  • Eintrag im Handelsregister der Schweiz oder im Öffentlichkeitsregister des Fürstentums Liechtensteins und damit verbundener Ansässigkeit in der Schweiz/FL (Art. 112b ZV)
  • Ausübung einer zollrelevanten Tätigkeit (nicht für Unternehmen mit reiner Binnenmarktorientierung)
  • Einhaltung der Zollvorschriften in der Vergangenheit (Art. 112d ZV, Art. 2 von Anhang II – AZZ)
  • System zur Führung der Geschäftsbücher (Art. 662-670, 957-963 OR) und der Beförderungsunterlagen für sicherheitsrelevante Zollkontrollen (Art. 112e ZV, Art. 3 von Anhang II – AZZ)
  • Nachweisliche Zahlungsfähigkeit (Art. 112f ZV, Art. 4 von Anhang II – AZZ)
  • Geeignete Sicherheitsstandards (Art. 112g ZV, Art. 5 von Anhang II – AZZ)

Wir haben immer wieder interessierte Firmen erlebt, die den zu erbringenden Aufwand für die Erlangung des AEO-Status unterschätzt haben. Vermutlich rührt es auch daher, weil die Prüfung durch die Oberzolldirektion kostenlos ist. Die internen Aufwände zum Ausfüllen des umfangreichen Fragebogens hängen von verschiedensten Faktoren ab, betragen aber nach unseren Erfahrungen zwischen 80 – 400 Stunden.

Dabei müssen auch verschiedenste Ansprechpartner im Unternehmen beigezogen werden, damit alle Kapitel des Fragebogens richtig ausgefüllt werden können. Diese sind:

  • Allgemeine Angaben über das Unternehmen
  • Bisherige Einhaltung der Zollvorschriften
  • Das Buchführungs- und Logistiksystem des Antragstellers
  • Zahlungsfähigkeit
  • Sicherheitsanforderungen
  • Ansprechpartner

Insbesondere beim Kapitel «Sicherheitsanforderungen» geben viele interessierte Schweizer Produktionsunternehmen auf, weil sie die Anforderungen aufgrund der Gebäudesituation nicht erfüllen können.

Fazit

Sofern Sie den AEO nicht aus Zwang in Betracht ziehen, lohnt sich eine eingehende Analyse des Aufwands für Ihr Unternehmen. Eine Entscheidung, ob sich der AEO für Ihre Firma lohnt, kann Ihre Geschäftsleitung erst nach Vorliegen der Analyseergebnisse entscheiden. Auch haben Sie zu berücksichtigen, dass die Oberzolldirektion keine Pflicht hat, bereits existierende Zertifikate (z.B. ISO 28001) anzuerkennen und Sie eventuell alle relevanten Fragen beantworten müssen. Die von den Behörden stets genannten Vorteile einer AEO-Zertifizierung konnten wir in der Praxis noch nirgends begutachten. Zudem sollte bedacht werden, dass es regelmässige Re-Audits durch die EZV gibt, es also mehr als ein einmaliger Aufwand ist, den Sie betreiben müssen.

Wie wir Ihnen bei diesem Thema helfen können

Wir führen 1 – 2 x pro Jahr das Seminar zum Thema AEO öffentlich durch oder auf Wunsch individuell in Ihrem Hause. Zudem können wir bei einem Besichtigungstermin mit Rundgang durch Ihre Gebäude auch eine erste Einschätzung abgeben, ob Sie aus Sicherheitssicht eine Chance haben, sich für den AEO zu qualifizieren.

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