ZAZ-Konto

11.09.2018 | Importabwicklung | Elin Meier | 8 Kommentare

Viele Unternehmen erhalten Waren aus aller Welt. Die beim Import anfallenden Zollabgaben werden von verschiedensten Spediteuren in Rechnung gestellt. Dabei den Überblick über die verrechneten Abgabenbeträge zu behalten, ist schwierig. Für Firmen, welche regelmässig Sendungen importieren – sei dies über Kurierfirmen oder Grossspediteure – wird die Eröffnung eines eigenen «Zollkontos» empfohlen.

Icon Tipp Glühbirne
ZAZ-Konto

ZAZ ⇒ steht für «zentralisiertes Abrechnungsverfahren der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV)»

ZAZ-Konto ⇒ dient der Abwicklung von Abgaben von der EZV

Welche Abgaben werden über das ZAZ-Konto abgerechnet?

Ein ZAZ-Konto dient dem Inhaber dazu, sämtliche von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) erhobenen Abgaben wie Zollabgaben, Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, VOC, Monopolgebühren usw. bequem über ein eigenes Konto (anstelle in bar oder gegen Vorlageprovision mit dem Spediteur) abzuwickeln. Voraussetzung dafür ist eine Sicherheit, welche in Form einer Generalbürgschaft, einer Hinterlegung von Wertpapieren wie auch eines zinslosen Depots gegenüber der Zollverwaltung zu leisten ist.

Welche Vorteile bietet die Einrich­tung eines ZAZ-Kontos?

  • Firmen mit ZAZ-Konto müssen den verzollenden Spediteuren keine Vorlageprovisionen mehr bezahlen. Die Spediteure stellen den Importeuren ohne ZAZ-Konto nämlich bei jeder Verzollung bis zu 2 % auf den Abgabenbetrag in Rechnung. Dies deshalb, weil die Spediteure diese Abgaben gegenüber der Zollverwaltung ihren Kunden vorschiessen. Beträgt der Abgabenbetrag (Zoll und Mehrwertsteuer) bei einer Importsendung beispielsweise 500 CHF, so fallen zusätzlich 10 CHF an. Bei mehreren Sendungen täglich kann sich dies rasch summieren.
  • Importeure, welche über ein ZAZ-Konto verfügen, erhalten täglich eine Auflistung mit den Importvorgängen des Vortags (Tagesabschluss) in Form eines Borderaus. Übermittelt ein beliebiger Spediteur eine Zollanmeldung mit der ZAZ-Nummer des Importeurs, so taucht diese danach einzeln auf dem Bordereau auf. Damit behält das importierende Unternehmen den Überblick über die Importe – ganz egal von welchem Spediteur diese verzollt werden.
  • Gegenüber dem Spediteur gelten die üblichen Zahlungsfristen für die Begleichung der Mehrwertsteuer von 30 Tagen. Als Inhaber eines Zollkontos profitieren Firmen von einer erweiterten Zahlungsfrist von 60 Tagen.

Als Nachteil eines ZAZ-Kontos ist zu erwähnen, dass die Kontonummer ohne Weiteres auch für Verzollungen für andere Importeure verwendet werden kann. Es besteht kein Schutz mittels Zertifikate oder dergleichen. Vertippt sich beispielsweise ein Spediteur bei Eingabe der Kontonummer während der Erstellung einer Zollanmeldung, werden die Abgaben auf ein falsches Konto verrechnet. Das früher oftmals vorgetragene Argument, dass der hinterlegte Betrag für die Sicherheit «totes Kapital» wäre für eine Firma, hat im heutigen Zinsumfeld (Null- oder sogar Negativzinsen) keine Bedeutung mehr.

Icon Tipp Glühbirne
finesolutions-Hinweis

Um Falschverbuchungen zu verhindern, ist eine tägliche Prüfung der elektronisch zugestellten Veranlagungsverfügungen (eVV) Import sinnvoll. Damit können Sie nicht nur für eine fristgerechte Berichtigung (30 Tage ab Übermittlung Zollanmeldung) von falsch verbuchten eVVs sorgen, sondern behalten auch andere Indikatoren wie korrekt abgerechnete Zollabgaben (abhängig von der angemeldeten Zolltarifnummer) im Auge. Für mehr Details zu den Fristen lesen Sie unseren Blogbeitrag Frist für Korrektur einer Verfügung.

Wie eröffnet eine Firma ein ZAZ-Konto?

Sie füllt das Formular «Beitrittserklärung» aus. Darin muss insbesondere folgende Schätzung gegenüber der Zollverwaltung abgegeben werden, um eine genügend hohe Sicherheit (mindestens 1’000 CHF) zu gewährleisten:

  • Mindestens 50% der durchschnittlichen Zollabgaben über zwei Wochen müssen gedeckt sein.
  • Ist die Firma gegenüber der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) mehrwertsteuerpflichtig (Jahresumsatz von über 100’000 CHF), so sind mindestens 20% an innerhalb 60 Tagen anfallenden MWST-Abgaben zu decken.
  • Bei einigen speziellen Zollverfahren wie dasjenige der «vorübergehenden Verwendung» entstehen bedingte Zollforderungen, die ebenso gedeckt sein müssen. Ein Teil der Sicherheitsleistung ist zu reservieren.

Wie eine Sicherheitsleistung im Detail aussieht und was Sie dafür tun müssen, lesen Sie auf der Webseite der Zollverwaltung zum Thema «ZAZ-Konto».

Sobald die Beitrittserklärung sowie die Sicherheitsleistung bei der Oberzolldirektion, Abteilung Finanzen eingetroffen sind, wird das Konto eröffnet. Die Firma erhält im Anschluss eine Kontonummer (meist im Format «xxxx-x»), welche sie gegenüber dem mit dem Import betrauten Spediteur immer bekannt geben muss, damit dieser die Zollanmeldungen auf das korrekte Zollkonto verbucht.

Beratung Icon weiss
Wie wir Sie bei diesem Thema unterstützen können

Die Vorbereitungen und das Eröffnen eines ZAZ-Kontos sind in der Regel einmalige Tätigkeiten in einer Firma, die niemand kennt. Im Rahmen unserer Zollberatung unterstützen wir Sie dabei und geben Ihnen Tipps und Empfehlungen, damit Sie den maximalen Nutzen aus dem ZAZ-Konto erzielen und die Nachteile minimieren können.

Kommentare / Fragen?

Haben Sie Kommentare oder Fragen zu diesem Artikel?
Falls diese den geschäftlichen Warenverkehr betreffen, nehmen wir Ihre Anregungen gerne auf!

Wir prüfen Ihre Eingabe zuerst, bevor wir sie freischalten. Eine Freischaltung erfolgt nur, sofern Ihr Kommentar oder Ihre Frage einen geschäftlichen Hintergrund hat. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht

8 Kommentare zu «ZAZ-Konto»

  • Michael Widtmann

    Hallo Frau Meier
    Wickelt ein Spediteur der Import nicht über das ZAZ-Konto ab, welcher Frist besteht für die Umbuchung?
    Mfg

    • Elin Meier

      Sehr geehrter Herr Widtmann

      Besten Dank für Ihre Anfrage.

      Sofern ein Unternehmen ein eigenes ZAZ-Konto besitzt, sollte der Spediteur die Importverzollung grundsätzlich auf dieses ZAZ-Konto erstellen. Ansonsten stellt der Spediteur (gegen Gebühr) sein eigenes ZAZ-Konto zur Verfügung. Eine Umbuchung auf ein andere ZAZ-Konto kann i.d.R. innerhalb von 30 Tage nach Annahme der eVV Import mit einem Gesuch beantragt werden. Wir empfehlen Ihnen dazu unseren Blog-Beitrag Frist Korrektur Veranlagungsverfügung Zoll: Das sollten Sie wissen

      Sollten Sie weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

      Freundliche Grüsse
      Elin Meier

  • Mari Frei

    Guten Tag Frau Meier
    Wir erhalten Waren von verschiedenen Exporteuren und Spediteuren. Meistens werden die Spediteure auch direkt von den Exporteur ausgewählt. Wie erkennt dann der Spediteur dass wir ein ZAZ Konto haben? Muss man dieses dann in der jeweiligen Bestellung explizit erwähnen, und vermerken dass dieses dem Spediteur mitgeteilt wird? Wie halten Sich die Spediteure der Kleinsendungen daran (UPS, TNT, DPD etc?)
    Besten Dank für Ihre Antwort.Mfg

    • Lea Derendinger

      Guten Tag Frau Frei

      Vielen Dank für Ihren Kommentar zu unserem Fachbegriff ZAZ-Konto. Da Sie ein eigenes ZAZ-Konto besitzen ist es notwendig, dass Sie die Spediteure und Kurierdienstleister darüber informieren. Optimalerweise erstellen Sie Verzollungsinstruktionen mit wichtigen Details, welche für Ihre Importverzollung notwendig sind. Zudem ist es jeweils von Vorteil, wenn Sie sicherstellen, dass Ihre Lieferanten das ZAZ-Konto von Ihnen in der Rechnung erwähnen, welche für die Verzollung verwendet wird. Mit diesen Massnahmen sollten die Verzollungen jeweils auf Ihr ZAZ-Konto verbucht werden und Sie müssen keine Vorlageprovision mehr bezahlen.

      Bei weiteren Fragen zur Optimierung der Importe stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

      Vielen Dank und freundliche Grüsse
      Lea Derendinger

  • Dominique Bickel

    Guten Tag Frau Meier
    Trotz eigenem ZAZ-Konto, stellt mir der Spediteur beim Incoterms DDU & DAP die Importzollabwicklung in Rechnung.
    Ist dies korrekt? In welcher Höhe sollte sich dieser Betrag befinden?

    Danke für Ihre Rückmeldung und freundliche Grüsse

    • Lea Derendinger

      Guten Tag Frau Bickel

      Vielen Dank für Ihre Anfrage via unsere Kommentarfunktion. Die Incoterms® DDU und DAP definieren, dass der Importeur für die Importverzollung verantwortlich ist und die Kosten dafür zu tragen hat. Es ist also korrekt, dass die Verzollungsgebühren für die Durchführung der Importverzollung (bei diesen beiden Incoterms®) an Sie verrechnet werden. Es ist egal, ob Sie ein ZAZ-Konto besitzen oder nicht, weil die Kostenregelung über die Incoterms definiert ist.
      Wie hoch diese Gebühren für die Verzollung ausfallen, ist je nach Kostenregelung der Spediteure und Zolldienstleister unterschiedlich. Normalerweise liegt dieser Betrag zwischen CHF 50.00 bis zu CHF 150.00 und es werden für weitere Zollpositionen zusätzliche Beträge erhoben, je Zollposition.
      Bei weiteren Fragen steht Ihnen unser Zollberater-Team gerne zur Verfügung.
      Herzliche Grüsse
      Lea Derendinger

  • Barbara Küng

    Guten Tag Frau Meier

    Ich bekomme oft Warenlieferungen aus dem Ausland von DHL. Woher weiss DHL denn, dass ich ein ZAZ Konto habe, wenn ich eines erstellt habe? Muss ich das meinem Lieferanten mitteilen, damit er das in den Lieferpapieren erwähnt?

    Für den Versand von Produkten nach Deutschland und Österreich, spiele ich mit dem Gedanken, mit GLS zu arbeiten. Was muss ich beim Export besonders beachten und was hat es mit dieser ROI Nummer auf sich, die der Empfänger der Ware scheinbar beantragen muss?

    MfG Barbara Küng

    • Elin Meier

      Sehr geehrte Frau Küng

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Wir empfehlen, dass der Lieferant Ihre ZAZ-Konto Nummer auf der Lieferantenrechnung erwähnt. Weiter empfehlen wir, DHL das ZAZ-Konto mitzuteilen.

      Beim Export muss Diverses beachtet werden (Exportkontrolle usw.). Achten Sie darauf, dass alle Aussenhandelsdaten in der Exportrechnung enthalten sind. Nur so kann die Exportverzollung als auch die Importverzollung im Bestimmungsland korrekt vorgenommen werden. Bitte beachten Sie auch die Importvorschriften im Bestimmungsland.

      Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification number) ist eine in der EU von den zuständigen Behörden vergebene einzige Nummer, die zur Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten gegenüber den Zollbehörden dient. Die Angabe der EORI-Nummer des Empfängers in der EU ist seit 1. Januar 2010 zwingend erforderlich. Geben Sie die EORI-Nr. des Warenempfängers in der Exportrechnung an, damit die Importverzollung im Bestimmungsland vorgenommen werden kann.

      Sollten Sie dazu weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen im Rahmen unserer kostenpflichtigen Beratungsdienstleistung gerne zur Verfügung.

      Freundliche Grüsse
      Elin Meier