Incoterms® 2020 /​ Lie­fer­klau­seln

15.10.2019 | Zollwesen | Lea Derendinger |

Die Incoterms® 2020 sind die 9. Auflage des Regelwerks der Incoterms® (International Commercial Terms). Es handelt sich um standardisierte Lieferklauseln, die von der Internationalen Handelskammer in Paris (ICC Paris) erarbeitet und publiziert werden. Die Anwendung dieser Klauseln für internationale Ein- oder Verkaufsgeschäfte ist keine Pflicht, jedoch erleichtern sie den Handel zwischen Käufer und Verkäufer enorm.

Die Incoterms® legen fest, welche Pflichten vom Verkäufer und welche vom Käufer zu übernehmen sind. Sie definieren die Kostenaufteilung der Transportkosten, Versicherungsgebühren und regeln, wer für die Ein- oder Ausfuhrverzollung und die Beschaffung der nötigen Formalitäten verantwortlich ist. Zudem wird auch der Gefahrenübergang bei der Transportabwicklung klar festgehalten.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die wichtigsten Änderungen der Incoterms® 2020 sowie die Kosten- und Risikoaufteilung der gebräuchlichsten Lieferklauseln aus unserer Praxissicht auf. Die offiziellen Texte mit weiteren Details entnehmen Sie dem Buch «Incoterms 2020» der ICC.

Übersicht Incoterms® 2020 - diese Darstellung ist immer mit den offiziellen Texten der Incoterms®-Klauseln anzuwenden

1.1  Konnossemente mit An-Bord-Vermerk bei der FCA-Klausel

  • Ein Konnossement ist ein Frachtdokument mit Wertpapiercharakter, welches bei Seefrachtsendungen erstellt wird. Es wird auch B/L (Bill of Lading) genannt und es gibt verschiedene Arten von Konnossementen. Ein An-Bord-Konnossement oder «On-Bord-B/L» bestätigt die Übernahme der Fracht an Bord des Schiffes.
  • In der Version 2010 verursacht die Beschaffung des An-Bord-Konnossements oft Probleme für den Verkäufer. Dies, weil der Kosten- und Gefahrenübergang bei FCA Lieferungen vor der Verladung auf das Schiff erfolgt.
  • Bei einem Bank-Akkreditiv wird oftmals ein Seefracht-Konnossement mit dem An-Bord-Vermerk verlangt und der Verkäufer muss dieses Dokument an die Bank liefern.
  • Neu 2020: Ein optionales Verfahren wurde aufgenommen, welches bei entsprechender Vereinbarung durch den Käufer und Verkäufer vorsieht, dass der Käufer den Frachtführer anweisen darf, das An-Bord-Konnossement an den Verkäufer zu liefern, sobald die Verladung auf das Schiff erfolgte.

Neu 2020 Kon­nos­se­mente

Ein optionales Verfahren wurde aufgenommen, welches bei entsprechender Vereinbarung durch den Käufer und Verkäufer vorsieht, dass der Käufer den Frachtführer anweisen darf, das An-Bord-Konnossement an den Verkäufer zu liefern, sobald die Verladung auf das Schiff erfolgte.

1.2 Kosten und deren Positionierung innerhalb des Regelwerks

In der Version 2010 sind die verschiedenen Kosten den unterschiedlichen A/B Regeln der jeweiligen Incoterms® zugeordnet und sind dort zu finden.

Beispiel: Die Kosten für die Erstellung eines Transportdokumentes werden unter der Regel A8 / B8 «Transportdokument» erwähnt.

Neu 2020 Kos­ten

Alle Kostenelemente werden bei den Incoterms® 2020 unter der Regel A9 / B9 aufgeführt.

Die Kostenelemente werden zusätzlich in den jeweiligen betroffenen Regeln aufgeführt – siehe Beispiel oben.

1.3 Verschiedene Deckungsstufen des Versicherungsschutzes bei CIF und CIP

In der Version 2010 wird in der Regel A3 bei den Incoterms® CIF und CIP die Verpflichtung des Verkäufers beschrieben, dass er auf eigene Kosten eine Transportversicherung abschliessen muss, mit Mindestdeckungsstufe C.

Praktisch alle Transportversicherungen richten sich nach den Institute Cargo Clauses (internationale Transportversicherungsbedingungen).

Deckungsstufe A:   bietet den höchsten Versicherungsschutz (All-Risk)

Deckungsstufe B:   bietet Deckung für ausdrücklich genannte Risiken

Deckungsstufe C:   bietet einen Mindestversicherungsschutz für ausdrücklich erwähnte Risiken wie z.B. Strandung, Feuer, Transportmittelunfall etc.

Neu 2020 Deckungs­stu­fen

Bei den Incoterms® 2020 müssen unterschiedliche Deckungsstufen bei der Anwendung der jeweiligen Klauseln versichert werden:

CIP = Deckungsstufe A (All-Risk)

CIF = Mindestdeckungsstufe C

1.4 Organisation des eigenen Transportmittels bei FCA, DAP, DPU und DDP

In der Version 2010 wird davon ausgegangen, dass die Güter jeweils durch einen beauftragten Frachtführer transportiert werden. Die Beauftragung des unabhängigen Frachtführers (Dritter) und der Abschluss eines Beförderungsvertrages wird als Pflicht des Käufers oder des Verkäufers definiert, je nach dem, welche Incoterms® gewählt werden.

Neu Orga­ni­sa­tion des Trans­port­mit­tels

Die Incoterms® 2020 berücksichtigen nun auch Selbsttransporte, durchgeführt mit eigenen Fahrzeugen des Verkäufers oder Käufers. Es besteht in diesem Fall also kein Abschluss eines Beförderungsvertrages mit einem unabhängigen Frachtführer.

1.5 Änderung der Klausel DAT zu DPU

In der Version 2010 bedeutet DAT (Delivered at Terminal), dass der Verkäufer die Waren geliefert hat, wenn er diese am Terminal, z.B. in einem Hafen, vom ankommenden Beförderungsmittel entladen hat.

DAP (Delivered at Place) bedeutet, dass der Verkäufer die Waren geliefert hat, wenn er diese am vereinbarten Ort, auf dem ankommenden Beförderungsmittel entladebereit zur Verfügung stellt.

In der Version 2010 wird der Begriff Terminal bei DAT sehr weit gefasst: «jeder Ort, unabhängig davon, ob überdacht oder nicht…»

Neu 2020 Ände­rung der Klau­sel DAT zu DPU

DAT wird zu DPU (Delivered at Place Unloaded) in den Incoterms® 2020 um zu unterstreichen, dass der Bestimmungsort nicht nur ein Terminal sein darf. Zudem wurde die Reihenfolge geändert: DAP steht vor der Klausel DPU.

1.6 Aufnahme sicherheitsbezogener Anforderungen mit Transportpflichten und -kosten

In der Version 2010 hatten sicherheitsbezogene Anforderungen beim Transport eine untergeordnete Rolle. Die Sicherheitsbedenken wurden aber immer grösser im Verlauf der Jahre und auch die Sicherheitsaspekte beim Transport und die Versandpraktiken haben sich geändert.

Neu 2020 Auf­nahme sicher­heits­be­zo­ge­ner Anfor­de­run­gen

Die Sicherheitsthematik ist mit den Transportanforderungen verbunden und wurde bei den Incoterms® 2020 in die A/B Regeln aufgenommen.

A4 = Transport
Hier sind die Sicherheitsthemen bezüglich des Transports zu finden

A7 = Ausfuhr- / Einfuhrabfertigung
Hier werden die Sicherheitsthemen bezüglich der Zollabfertigung festgehalten

A9 / B9 = Kostenverteilung
Hier wird die Kostenübernahme dieser Sicherheitsthemen durch Verkäufer oder Käufer definiert

1.7 Erläuternde Kommentare für Nutzer

In der Version 2010 sind die Kommentare mit Anwendungshinweisen bei jeder Klausel separat zu finden.

Neu 2020 Anwen­dungs­hin­weise unter «Erläu­ternde Kom­men­tare für Nut­zer»

Die Erläuternden Kommentare unterstützen Sie in der Entscheidung, welche Incoterms® 2020 für welche Geschäftsfälle angewendet werden. Es werden die wesentlichen Inhalte der einzelnen Klauseln erläutert, wann der Gefahrenübergang erfolgt und wie sich die Kosten zwischen Käufer und Verkäufer aufteilen. Sie bieten zudem eine Orientierungshilfe, wie Incoterms® 2020 in Verträgen oder Streitigkeiten verstanden werden müssen.

2.1 Was heisst EXW oder was bedeuten die Incoterms® 2020 EXW?

Incoterms® 2020 EXW - diese Darstellung ist immer mit den offiziellen Texten der Incoterms®-Klauseln anzuwenden

Incoterms® 2020 EXW
Ab Werk /​ Ex Works… benann­ter Lie­fer­ort:

Abholklausel: Der Verkäufer stellt die Güter am benannten Ort (z. B. Werk, Fabrik, Lager) zur Verfügung. Der Haupttransport wird vom Käufer bezahlt.

  • Beispiel: Incoterms® 2020 EXW Im eisernen Zeit 51, Zürich

2.2 Wer ist für die Verpackung zuständig bei EXW?

Der Verkäufer trägt die Kosten und Verantwortung für die nötigen Prüfschritte wie z. B. Messen, Wiegen, Zählen. Zudem hat der Verkäufer die Waren auf eigene Kosten transportgerecht zu verpacken (sofern es nicht üblich ist, die entsprechenden Güter unverpackt zu liefern). Die Markierung der Sendung ist auch Sache des Verkäufers.

2.3 Wie wird der Käufer über die Abholbereitschaft der Waren informiert bei Incoterms® 2020 EXW?

Der Verkäufer liefert dem Käufer alle nötigen Informationen, damit dieser die Waren am benannten Ort übernehmen kann. Der Käufer benötigt für eine Organisation des Transportes auch die Dimensionen, Gewichtsangaben, Volumen etc. Die Mitteilung erfolgt in den meisten Fällen in elektronischer Form (per E-Mail), kann aber auch in Briefform geschehen.

2.4 Wer muss bei EXW den Speditionsauftrag oder Transportauftrag erteilen?

Der Verkäufer ist nicht verpflichtet den Transportauftrag an den Frachtführer/Spediteur zu erteilen. In der Praxis wird dies jedoch häufig so gehandhabt und bevor die Beförderung der Waren abgewickelt wird, fragt der Frachtführer/Spediteur beim Käufer nach, ob er die Güter übernehmen darf. Die Kosten für den gesamten Transport werden vom Käufer bezahlt.

«Abrufgeschäfte» in der Praxis: Es kommt auch oft vor, dass der Käufer seinen Frachtführer/Spediteur instruiert die Güter abzuholen und dieser dann beim Verkäufer nachfragt, ob die Güter schon versandbereit sind.

2.5 Wer ist für die Beladung zuständig bei Incoterms® 2020 EXW?

Da der Verkäufer bei der Anwendung der Incoterms® EXW nicht für die Beladung zuständig ist, kommt es bei diesem Punkt oftmals zu Missverständnissen. Der Käufer trägt das Risiko und die Kosten für die Beladung am benannten Ort, welcher oftmals das Lager des Verkäufers darstellt. Falls ein Mitarbeiter des Verkäufers die Beladung vornimmt, tut er dies unter der Verantwortung des Käufers. Lesen Sie hierzu auch unseren Blog-Beitrag: Incoterms® FCA vs. EXW: Nutzen & Vorteile.

2.6 Wer führt bei EXW die Zollabwicklung (Ausfuhr) durch und besorgt die nötigen Zollpapiere?

Sofern die Lieferklausel EXW vereinbart wird, ist der Verkäufer verpflichtet, dem Käufer die Rechnung zur Verfügung zu stellen. Der Käufer ist verantwortlich für die Ausfuhrzollanmeldung und weitere Zollpapiere. Der Verkäufer hat den Käufer jedoch in der Beschaffung der nötigen Formalitäten zu unterstützen und darf diese Aufwände auch dem Käufer in Rechnung stellen.

Wird beispielsweise eine Ausfuhrbewilligung für die Güter benötigt, ist es in der Praxis meist nicht möglich, dass diese Bewilligung vom ausländischen Käufer beantragt wird.
Falls Dokumente, wie z. B. ein Ursprungszeugnis der Handelskammer erstellt werden müssen, wird dies in der Praxis durch den Verkäufer erledigt, jedoch trägt der Käufer diese Kosten.

In diesen Fällen ist die Anwendung von EXW als Incoterms® nicht empfehlenswert.

Fine­so­lu­ti­ons Emp­feh­lung

Bei internationalen Geschäftsabwicklungen sind die Incoterms® FCA praxistauglicher als die Incoterms® EXW

3.1 Was heisst FCA oder was bedeuten die Incoterms® 2020 FCA?

Incoterms® 2020 FCA - diese Darstellung ist immer mit den offiziellen Texten der Incoterms®-Klauseln anzuwenden

Incoterms® 2020 FCA
Frei Fracht­füh­rer /​ free car­rier… benann­ter Lie­fer­ort:

Absendeklausel: Der Verkäufer liefert die Waren an den Frachtführer am benannten Lieferort. Der Haupttransport wird vom Käufer bezahlt.

  • Beispiel 1: Incoterms® 2020 FCA Im eisernen Zeit 51, Zürich
  • Beispiel 2: Incoterms® 2020 FCA Zürich-Flughafen, Fracht Ost, Tor 105

3.2 Wer muss bei FCA den Speditionsauftrag oder Transportauftrag erteilen?

Der Verkäufer ist nicht verpflichtet den Transportauftrag an den Frachtführer/Spediteur zu erteilen. Der Verkäufer kann die Beauftragung an den Spediteur auch ablehnen. In der Praxis wird dies jedoch häufig so gehandhabt, dass der Verkäufer den Speditionsauftrag erteilt und bevor die Beförderung der Waren abgewickelt wird, fragt der Frachtführer/Spediteur beim Käufer nach, ob er die Güter übernehmen darf. Die Kosten für den Haupttransport werden vom Käufer bezahlt.

3.3 Wer ist bei FCA für die Beladung zuständig?

  • Beispiel 1: Incoterms® FCA (Fabrik des Verkäufers)
    Bei einer Vereinbarung von Incoterms® FCA (Werk oder Fabrik des Verkäufers) ist der Verkäufer auch für die Beladung auf das zur Verfügung gestellte Transportmittel verantwortlich. Das bedeutet, die Waren müssen durch den Verkäufer (auf eigenes Risiko und Kosten) in einen Seefrachtcontainer (nur bei FCL – Full Container Load – Vollcontainer) verladen werden, sofern der Käufer den Transportweg per Seefracht durchgeführt haben möchte. Oder auch bei einer LKW-Abholung ist der Verkäufer für die Beladung verantwortlich und trägt die Kosten und das Risiko dafür.

  • Beispiel 2: Incoterms® FCA (Zürich-Flughafen)
    In diesem Fall ist der Verkäufer für die Beladung auf das erste Transportmittel (z. B. LKW bis Zürich-Flughafen) und für die Strecke bis zum Flughafen verantwortlich und trägt dafür das Risiko und die Kosten. Er ist jedoch nicht verantwortlich für die Entladung am Flughafen und Beladung in ein Flugzeug, falls der Käufer die Waren per Luftfracht versenden möchte. Der Verkäufer muss die Waren auf das erste Transportmittel beladen und am vereinbarten Ort (in diesem Beispiel am Zürich-Flughafen), entladebereit zur Verfügung stellen.

3.4 Wer trägt welche Transportkosten und Gebühren bei Incoterms® 2020 FCA?

Die Kosten für die Beladung auf das erste Transportmittel trägt der Verkäufer. Zudem ist der Verkäufer für die Zollformalitäten (Ausfuhr) verantwortlich und trägt allfällige Exportverzollungsgebühren. Sofern die Incoterms® FCA (Fabrik Verkäufer) vereinbart wurden, trägt der Käufer alle nachfolgenden Transportkosten, welche nach der Beladung im Werk des Verkäufers anfallen.

Im Beispiel 2 mit Vereinbarung Incoterms® FCA (Zürich-Flughafen) kann die Kostenaufteilung wie folgt aussehen:

Verkäufer bezahlt:

  • Vorlauf (Transport vom Werk des Verkäufers bis zum Abgangs-Flughafen)
  • Ausfuhrzollabfertigung
  • Erstellung der Luftfrachtdokumente (Airwaybill/AWB)
  • Flughafen Handling Gebühren (je nach Beförderungsvertrag)
  • allfällige Screening Gebühren (X-Ray) bei unsicherer Luftfracht (je nach Beförderungsvertrag)


Alle weiteren Kosten werden dem Käufer in Rechnung gestellt.

2.5 Wo genau befindet sich der Gefahrenübergang bei Incoterms® 2020 FCA (Werk des Verkäufers)?

Das Risiko geht an den Käufer über, sobald die Waren auf dem ersten Transportmittel verladen sind. Für den Beladungsvorgang trägt der Verkäufer das Risiko und die Beladung im Werk des Verkäufers sollte nur durch geschultes Personal des Verkäufers erfolgen.

Pra­xis­bei­spiel: Wer ist ver­ant­wort­lich für einen Scha­den­fall, wenn eine Palette bei der Bela­dung von der Rampe fällt?

Egal ob der Fahrer oder ein Mitarbeiter des Verkäufers die Beladung vornimmt, die Verantwortung und das Risiko liegt beim Verkäufer. Erst wenn die Waren im ersten Transportmittel verladen sind, geht das Risiko an den Käufer über. Für die Ladungssicherung im LKW ist immer der Chauffeur zuständig. Somit ist der Verkäufer für diesen oben genannten Schadenfall verantwortlich.

2.6 Wer ist bei FCA für ein eventuell benötigtes Transitdokument verantwortlich?

Der Verkäufer trägt nur die Kosten für die Ausfuhrformalitäten und für die Ausfuhrverzollung. Sollte zum Beispiel nach der Ausfuhrabfertigung ein anschliessendes Transitdokument erstellt werden, für die Durchfuhr durch ein oder mehrere Länder, hat der Käufer die Kosten für die Erstellung der Transitdokumente zu tragen.

Pro­ble­ma­tik in der Pra­xis

Sofern der Käufer ein ausländisches Transportunternehmen mit der Abholung beauftragt und dieses Unternehmen keinen Sitz in der Schweiz hat, muss der Fahrer bei einem Partner oder bei einem Verzollungsbüro/Verzollungsagenten das Transitdokument erstellen lassen. Sofern der ausländische Fahrer die Sprache nicht spricht, kommt es immer wieder zu Problemen in der Praxis und der Verkäufer muss oftmals seine Unterstützung in dieser Sache anbieten.

Eine klare Definition des benannten Ortes ist auch bei diesem Incoterms® sehr wichtig und bei Unklarheiten kann es zu Streitfällen mit dem Kunden kommen.

4.1 Was heisst CPT oder was bedeuten die Incoterms® 2020 CPT?

Incoterms® 2020 CPT - diese Darstellung ist immer mit den offiziellen Texten der Incoterms®-Klauseln anzuwenden

Incoterms® 2020 CPT
Fracht­frei… /​ Car­riage Paid To… benann­ter Bestim­mungs­ort:

Absendeklausel: Der Verkäufer liefert die Waren an den benannten Bestimmungsort. Der Haupttransport wird vom Verkäufer bezahlt.

  • Beispiel: Incoterms® 2020 CPT Singapur Flughafen

Die Lieferklausel CPT ist eine Zweipunkt-Klausel. Dies bedeutet, dass der Gefahren- und Kostenübergang an zwei unterschiedlichen Orten stattfindet. Es ist wichtig, dass beide Orte klar in den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Verkäufer und Käufer festgehalten werden.

4.2 Wer muss bei CPT den Speditionsauftrag oder Transportauftrag erteilen?

Der Verkäufer ist verpflichtet den Transportauftrag an den Frachtführer/Spediteur zu erteilen. Die Kosten für den Haupttransport werden vom Verkäufer bezahlt. Somit kann der Verkäufer den Spediteur/Transporteur selber bestimmen (z. B. Hausspediteur) und schliesst den Beförderungsvertrag mit diesem auf eigene Kosten und eigenes Risiko ab.

4.3 Wo genau befindet sich der Gefahrenübergang bei Incoterms® 2020 CPT?

Sofern nicht anders zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart, geht das Risiko des Transportes an den Verkäufer über, sobald die Waren auf dem ersten Transportmittel verladen sind.

Beispiel: Ein Exporteur möchte eine Luftfrachtsendung an seinen Kunden in Singapur liefern. Er vereinbart mit dem Käufer die Incoterms® CPT Singapur Flughafen. Die Waren werden vom Hausspediteur beim Exporteur per LKW abgeholt und an den Flughafen Zürich transportiert.

  • Der Verkäufer trägt das Risiko bis zur Erstbeladung auf den LKW des Frachtführers. Danach geht das Risiko an den Käufer über.
  • Die Kosten jedoch werden vom Verkäufer bis zur Ankunft am Flughafen Singapur bezahlt.

Es ist möglich in der vertraglichen Vereinbarung den Gefahrenübergang zu einem späteren Zeitpunkt festzulegen. So kann zwischen Verkäufer und Käufer vereinbart werden, dass sich der Gefahrenübergang nicht bei der Übergabe an den ersten Frachtführer befindet, sondern im oben genannten Beispiel, erst bei der Übergabe an die Luftfahrtgesellschaft am Flughafen Zürich.

4.4 Welche Transportkosten und Gebühren werden vom Verkäufer bei CPT bezahlt?

Die Transportkosten bis zum benannten Bestimmungsort werden vom Verkäufer bezahlt, auch wenn der Risikoübergang schon bei der Beladung auf das erste Transportmittel auf den Käufer übergeht. Eine Verrechnung an den Verkäufer kann folgende Kostenpunkte beinhalten:

  • Vorlauf per LKW (Transport vom Werk des Verkäufers bis zum Abgangs-Flughafen)
  • Ausfuhrzollabfertigung
  • allfällige Transitdokumente
  • Erstellung der Luftfrachtdokumente (Airwaybill/AWB)
  • Flughafen Handling Gebühren
  • allfällige Screening Gebühren (X-Ray) bei unsicherer Luftfracht
  • Luftfrachtkosten Haupttransport Zürich-Singapur Flughafen
  • Security Gebühren und Treibstoffzuschlag der Luftfrachtgesellschaft
  • allfällige weitere Zuschläge oder Gebühren


Für die Entladung im Bestimmungsland ist in diesem Fall der Käufer zuständig (weil der Beförderungsvertrag dies so vorsieht) und auch die Kosten ab Ankunft Flughafen Singapur (siehe Beispiel oben) werden alle dem Käufer in Rechnung gestellt.

Bei einer LKW-Lieferung unter Incoterms® CPT trägt der Verkäufer die Kosten für die Entladung am benannten Bestimmungsort. Ausgenommen, es wurde im Beförderungsvertrag anders vereinbart.

Pra­xis­hin­weis

Vorsicht bei CPT im Einkauf:
Oft sehen wir CPT (Werk des Käufers) Vereinbarungen, welche von Einkäufern in der Schweiz mit EU-Lieferanten festgelegt werden für Transporte per LKW. Beachten Sie, dass Sie den Frachtführer nicht auswählen können, sondern der Lieferant diese Auswahl tätigt. Sie als Schweizer Firma tragen aber das Transportrisiko ab Verladung auf den LKW im EU-Abgangsland. Eine vorsichtige Auswahl des Frachtführers/Spediteurs durch den Lieferanten ist sicherzustellen, damit Sie sich nicht ständig mit Transportschäden beschäftigen müssen und dafür die Kosten tragen, welche aufgrund einer nicht optimalen Auswahl des Frachtführers durch den Lieferanten (Verkäufer) erfolgen.

Vorteilhafter für den Einkauf:
In diesem Fall wäre es von Vorteil, wenn die Incoterms® auf DAP (Werk des Käufers) umgestellt werden könnten. Somit trägt der Verkäufer die Kosten für den Haupttransport sowie auch das Risiko bezüglich Transportschäden während des Haupttransportes.
Oder es wird auf FCA (Werk des Verkäufers) umgestellt, dadurch hat der Käufer die freie Wahl des Frachtführers und bezahlt aber auch die Transportkosten ab Verladung beim Verkäufer. So ist es einfacher Verzollungsinstruktionen zu platzieren, damit die Einfuhrverzollung korrekt durchgeführt wird.

5.1 Was heisst DAP oder was bedeuten die Incoterms® 2020 DAP?

Incoterms® 2020 DAP - diese Darstellung ist immer mit den offiziellen Texten der Incoterms®-Klauseln anzuwenden

Incoterms® 2020 DAP
Gelie­fert benann­ter Ort /​ Deli­vered at Place… benann­ter Bestim­mungs­ort:

Ankunftsklausel: Der Verkäufer liefert die Waren am benannten Bestimmungsort, abladebereit auf dem ankommenden Beförderungsmittel. Der Haupttransport wird vom Verkäufer bezahlt.

  • Beispiel: Incoterms® 2020 DAP Singapur, 16 Kim Seng Road

5.2 Wer muss bei DAP den Speditionsauftrag oder Transportauftrag erteilen?

Der Verkäufer ist verpflichtet den Transportauftrag an den Frachtführer/Spediteur zu erteilen. Die Kosten für den Haupttransport werden vom Verkäufer bezahlt. Somit kann der Verkäufer den Spediteur/Transporteur selber bestimmen (z. B. Hausspediteur) und schliesst den Beförderungsvertrag mit diesem auf eigene Kosten und eigenes Risiko ab.

Zu beachten: Bei den Incoterms® DAP trägt der Verkäufer auch die Kosten für den «Nachlauf», also für die Auslieferung im Bestimmungsland. Es ist also ratsam einen Spediteur mit dem Transport zu beauftragen, welcher im Bestimmungsland einen Agenten/Partner oder sogar eine eigene Firmen-Niederlassung besitzt.

5.3 Wo befindet sich der Gefahren- und Kostenübergang bei Incoterms® 2020 DAP?

Im oben genannten Beispiel Incoterms® 2020 DAP Singapur, 16 Kim Seng Road geht das Risiko mit der Lieferung am benannten Bestimmungsort an den Käufer über. Die Kosten für den Vorlauf, den Haupttransport und für die Auslieferung in Singapur bis zur Kim Seng Road werden vom Verkäufer bezahlt. Sobald das Beförderungsmittel am benannten Bestimmungsort angekommen ist, erfolgt der Risikoübergang an den Käufer. Dieser muss die Kosten für die Beladung übernehmen, sofern dies im Beförderungsvertrag nicht anders vereinbart wurde. Der Käufer trägt auch das Risiko der Entladung an seinem Bestimmungsort.

5.4 Wer ist für die Einfuhrverzollung bei DAP verantwortlich und wer bezahlt Zölle und Steuern?

Bei der Lieferklausel DAP ist der Käufer für sämtliche Einfuhrformalitäten und für die Kosten für die Importverzollung verantwortlich. Falls Zollabgaben anfallen und Steuern bei der Einfuhr erhoben werden oder weitere Importabgaben entrichtet werden müssen, hat der Käufer diese Kosten zu tragen.

5.5 Wer bezahlt bei DAP allfällige Lagergebühren, wenn der Käufer die nötigen Importdokumente nicht rechtzeitig besorgt hat?

Die Transportkosten werden bei DAP bis zum vereinbarten Bestimmungsort vom Verkäufer bezahlt. Wenn es bei der Importverzollung im Bestimmungsland zu Verzögerungen kommt, weil der Käufer die benötigten Einfuhrformalitäten noch nicht besorgt hat, darf der Verkäufer die entstandenen Lagergebühren dem Käufer weiterbelasten. Dies, weil der Käufer verpflichtet ist, sich rechtzeitig um die Einfuhrformalitäten und allfällige Importlizenzen zu kümmern.

5.6 Darf ich die Incoterms® 2020 DAP mit Klammerbemerkungen und Ergänzungen anpassen?

Die Incoterms® regeln den Kosten- und Gefahrenübergang sehr genau und auch die Pflichten des Verkäufers und Käufers sind klar definiert. Immer wenn offizielle Incoterms® mit Klammerbemerkungen angepasst werden, besteht die Gefahr, dass gewisse Punkte nicht mehr geregelt sind. Folgende 10 Punkte werden mit den Incoterms® 2020 klar definiert:

Verkäufer Käufer
A1 Allgemeine Verpflichtungen B1 Allgemeine Verpflichtungen
A2 Lieferung B2 Übernahme
A3 Gefahrübergang B3 Gefahrübergang
A4 Transport B4 Transport
A5 Versicherung B5 Versicherung
A6 Liefer- / Transportdokumente B6 Liefernachweis
A7 Ausfuhr- / Einfuhrabfertigung B7 Ausfuhr- / Einfuhrabfertigung
A8 Prüfung / Verpackung / Kennzeichnung B8 Prüfung / Verpackung / Kennzeichnung
A9 Kostenverteilung B9 Kostenverteilung
A10 Benachrichtigungen B10 Benachrichtigungen

Wenn Sie also die Incoterms® anpassen auf z. B. Incoterms® DAP Berlin (inkl. Zölle, exkl. Steuern), kreieren Sie eine Durchmischung der Incoterms® DAP und DDP. Bei einem Streitfall ist danach nicht mehr klar definiert, wer für welche Kosten und für welches Risiko in allen 10 Punkten verantwortlich ist.

Fragen, welche aufkommen können:

  • Wer bezahlt die Gebühren für die Einfuhrverzollung, da nur Zölle und Steuern definiert wurden?
  • Wer bezahlt allfällige Strafzölle (bei einer Klammerbemerkung ist es unklar, ob diese Strafzölle vom Verkäufer oder vom Käufer übernommen werden)?
  • Wer besorgt allfällige Einfuhrbewilligungen?

Fine­so­lu­ti­ons Emp­feh­lung

Passen Sie die klar geregelten Incoterms® nicht mit Ergänzungen und Klammerbemerkungen individuell an. Falls mit einem Kunden spezielle Lieferbedingungen definiert werden, halten Sie alle 10 Punkte vertraglich fest, damit bei einem Schadenfall nicht beide Parteien im Unklaren sind, was genau vereinbart wurde.

6.1 Was heisst DDP oder was bedeuten die Incoterms® 2020 DDP?

Incoterms® 2020 DDP - diese Darstellung ist immer mit den offiziellen Texten der Incoterms®-Klauseln anzuwenden

Incoterms® 2020 DDP
Gelie­fert, ver­zollt benann­ter Ort /​ Deli­vered Duty Paid… benann­ter Bestim­mungs­ort:

Ankunftsklausel: Der Verkäufer liefert die Waren am benannten Bestimmungsort, verzollt, abladebereit auf dem ankommenden Beförderungsmittel. Der Haupttransport wird vom Verkäufer bezahlt.

  • Beispiel: Incoterms® 2020 DDP Hannover, Hansastrasse 51, Rampe 7

Die DDP Lieferklausel stellt für den Verkäufer die Maximalverpflichtung dar und ist deshalb mit Vorsicht anzuwenden. In der Praxishandhabung entstehen bei der Anwendung der Incoterms® DDP immer wieder Probleme und Mehrkosten. Mehr dazu können Sie auch in unserem Blogbeitrag «Incoterms® DDP – Wer es einfach will bezahlt mehr» lesen.

6.2 Wer organisiert bei DDP die Einfuhrverzollung und besorgt die nötigen Zollformalitäten?

Der Verkäufer ist für die Einfuhrverzollung im Bestimmungsland verantwortlich. Er trägt auch das Risiko für eine korrekte Importzolldeklaration und übernimmt sämtliche Kosten, welche mit der Einfuhrverzollung verbunden sind. Dies können je nach Bestimmungsland verschiedene Gebühren sein, welche dem Verkäufer in Rechnung gestellt werden. Falls Importlizenzen benötigt werden, ist der Verkäufer für die Beschaffung dieser benötigten Lizenzen verantwortlich. Der Käufer ist verpflichtet, den Käufer bei der Beschaffung von Lizenzen und behördlichen Genehmigungen zu unterstützen.

Falls der Verkäufer nicht in der Lage ist, die Importverzollung im Bestimmungsland direkt oder indirekt durchzuführen, kann die DDP-Klausel nicht angewendet werden.

Fine­so­lu­ti­ons Emp­feh­lung

Verwenden Sie die Klausel DDP mit grosser Vorsicht. Sie als CH-Firma treten im Bestimmungsland als Importeur der Waren auf und Ihnen werden die Zölle und die Steuern belastet. Sofern Sie keine steuerrechtliche Registrierung im Bestimmungsland vorgenommen haben, kann es sein, dass eine DDP Verzollung nicht möglich ist.

Bei DDP-Lieferungen sollten sich Schweizer Firmen mit den Zoll- und Steuerbestimmungen im entsprechenden Land auskennen, damit sich die Firma nicht unnötigen Risiken aussetzt. Auch wenn die Verzollung durch einen Spediteur beauftragt wird, liegt die Verantwortung nach wie vor beim Verkäufer.

Oftmals können auch Zoll- und Steuerprüfungen durch die ausländischen Behörden angeordnet werden, sofern die Schweizer Firma als Importeur im Bestimmungsland auftritt.

6.3 Wer trägt die Verantwortung für die Entladung bei DDP?

Der Verkäufer stellt dem Käufer die Waren verzollt, abladebereit auf dem ankommenden Beförderungsmittel, am benannten Bestimmungsort zur Verfügung. Für die Entladung beim Käufer ist der Käufer verantwortlich und die Entladung der Güter geschieht ebenfalls auf das Risiko des Käufers. Auch die Entladung, beispielsweise mit Kran, muss der Käufer entsprechend organisieren und dies läuft auf die Kosten des Käufers. Ausgenommen, es wird im Transportauftrag anders geregelt und schriftlich festgehalten.

6.4 Darf ich die Incoterms® 2020 DDP mit Klammerbemerkungen und Ergänzungen anpassen?

Dies ist nicht zu empfehlen. Lesen Sie hierzu die Erklärungen bei den Incoterms® DAP.

Falls Ihre Fragen zu den aufgeführten Incoterms® noch nicht beantwortet wurden oder Sie Fragen zu den nicht beschriebenen Incoterms® haben, dürfen Sie diese Fragen gerne unten in der Kommentarfunktion stellen oder mit einem unseren Mitarbeiter der Beratungsabteilung direkt Kontakt aufnehmen.

FineSolutions ist eine von ICC unabhängige Organisation.

Incoterms® ist eine eingetragene Marke der ICC (International Chamber of Commerce), Paris
Quelle der Incoterms® Textauszüge: Buch Incoterms® 2020 der  International Chamber of Commerce / ICC Germany.
Die vollständigen Texte der Incoterms® 2020 können Sie direkt im ICC Store erwerben.

Sind noch Fragen offen?

Diese beantworten wir gerne auch an der nächsten Veranstaltung

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