So kor­ri­gie­ren Sie Plau­si­bi­li­täts­feh­ler im e-​dec Zoll­sys­tem

24.02.2019 | Export | Olcay Erden |
Plausibilitätsfehler während der Übermittlung der Ausfuhrzollanmeldung in ExpoWin

Die elektronische Exportabwicklung läuft nicht immer glatt. Wenn es zu Plausibilitätsfehlern kommt, sollten Sie die zugrundeliegenden Daten korrigieren und die Fehlermeldung nicht einfach «wegbügeln», sondern den Ursachen auf den Grund gehen. Denn diese Fehlermeldungen liefern wertvolle Hinweise zur weiteren Verbesserung Ihrer Zollanmeldung.

Wer Waren aus der Schweiz exportiert, muss diese bei der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) elektronisch anmelden. Dafür kommt das Zollabfertigungssystem e-dec Export zur Anwendung. Die mittels e-dec erstellten Ausfuhrzollanmeldungen werden an das IT-System der EZV übermittelt. Dieses unterzieht jede Anmeldung einer Plausibilitätsprüfung. Dabei geht es vor allem um zwei Fragen:

  • Sind die übermittelten Daten vollständig oder fehlen wichtige Angaben?
    Unter diesem Aspekt wird also überprüft, ob Sie für die auszuführenden Waren alle erforderlichen Daten (Pflichtfelder) angegeben haben.
  • Sind die übermittelten Daten technisch und fachlich plausibel, also glaubhaft?
    Hier werden offensichtliche Unrichtigkeiten erkannt. Das gilt zum Beispiel für eine Zolltarifnummer, die von Ihnen eingetragen wurde, aber nicht existiert.

Eine bestandene Plausibilitätsprüfung signalisiert, dass Ihre Zollanmeldung die erste Hürde genommen hat und formal plausibel ist. Die Plausibilitätsprüfung ist jedoch noch kein Garant, dass Ihre Daten auch inhaltlich stimmen.

Automatische Reklamationen des IT-Systems der EZV

Wenn das IT-System der EZV im Zuge der Plausibilitätsprüfung eine Unstimmigkeit feststellt, erhalten Sie einen Plausibilitätsfehler. Dieser besteht immer aus einem Code sowie einer zusätzlichen Beschreibung der Fehlermeldung. Oft steht dies in Verbindung mit der angemeldeten Zolltarifnummer:

  • E015a Statistischer Wert ist ausserhalb der Mittelwertgrenze (Mittelwert auf Zusatzmenge)
  • E015b Statistischer Wert ist ausserhalb der Mittelwertgrenze (Mittelwert auf Eigenmasse)

Der von Ihnen deklarierte statistische Wert ist in diesen Fällen ein «Ausreisser», weicht also stark vom Mittelwert ab. Je nach Zolltarifnummer erfolgt diese Mittelwertprüfung bezogen auf die Eigenmasse oder die Zusatzmenge. Unser Beispiel erläutert das Prüfkonzept.

finesolutions-​Tipp

Die Plausibilitätsregeln und deren Beschreibungen mit Fehlernummer sind auf der Webseite der EZV zugänglich.

Ebenso können Sie die Tabellen der Mittelwerte einsehen.

Die Plausibilitätsfehler können Ihnen helfen, Ihre Stammdaten zu bereinigen. Wenn Sie immer wieder die gleichen Fehler erhalten, wie z.B. «E050 Ungültige Tarifnummer gem. Stammdaten», empfehlen wir Ihnen, die Zolltarifnummer in Ihren ERP-Stammdaten zu bereinigen.

e-dec Plausibilitätsfehler korrigieren mit Bedacht

Sie können gewisse Plausibilitätsfehler mit einem Richtigcode (RICO) übersteuern. Damit ist es möglich, vermeintlich falsche Angaben beim Warenwert zu korrigieren. Ein Beispiel: Wenn Sie hochwertige elektrische Rasierapparate exportieren, kann das Stück mit einem Gewicht von ca. 1100 Gramm bis zu 300 Franken kosten. Bei dieser Wertangabe werden Sie jedoch den Plausibilitätsfehler E015b «E015b Statistischer Wert ist ausserhalb der Mittelwertgrenze (Mittelwert auf Eigenmasse)» erhalten. Der Grund dafür sind die bei e-dec hinterlegten Mittelwerttabellen.

Zolltarifnummer Schlüssel Unterer Mittelwert Oberer Mittelwert Bemessungsgrundlage
8510.1000 000 81.92 146.74 je kg Eigenmasse

Werden diese festgelegten Mittelwertgrenzen über- oder unterschritten, erhalten Sie die erwähnte Fehlermeldung.

Mit dem Setzen eines Richtigcodes können Sie nun im Fall des elektrischen Rasierers bestätigen, dass ein Stück tatsächlich diesen Warenwert besitzt, obwohl die Warengruppe im Schnitt deutlich preisgünstiger ist. Jedoch ist es auch bei weniger hochwertigen Waren empfehlenswert, die Fehlermeldungen genau anzuschauen und den deklarierten Warenwert zu prüfen.

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass der Warenwert mit 100’000 Franken statt 1’000 Franken angegeben wird oder für eine Exportsendung im Wert von mehreren Hunderttausend Franken nur ein Bruchteil dieses Wertes angegeben wird. Tippfehler, Unachtsamkeiten und zuweilen auch Versehen können rasch zu Fehlern führen. Gerade deshalb sollten Sie die Plausibilitätsfehler korrigieren und nicht als Feind, sondern als Freund betrachten.

Anzeige des Richtigcodes beim Statitischen Wert einer Warenposition auf einer e-dec Ausfuhrliste

finesolutions-​Tipp

Bedenken Sie, dass auf der Ausfuhrliste ersichtlich ist, bei welchen Positionen Sie einen Richtigcode gesetzt haben. Neben die entsprechenden Positionen wird ein Sternchen * gesetzt. So kann bei einer Zollprüfung schnell nachvollzogen werden, welche Angaben Sie bewusst übersteuert haben. Wenn Sie beispielsweise den Warenwert mehrfach falsch angegeben und sogar mit Richtigcode bestätigt haben, kann dies in einem Strafverfahren gegen Sie verwendet werden und Ihre Position schwächen. Deshalb sollten Sie einen Richtigcode nur setzen, wenn Sie die entsprechenden Werte nochmals fachlich überprüft haben und mit gutem Gewissen vertreten können.

Richtiger Umgang mit e-dec Plausibilitätsfehlern

Beim Umgang mit IT-Systemen werden Fehlermeldungen oft als Schikane empfunden. «Dateiname zu lang» oder «falscher Pfad» können Benutzerinnen und Benutzer zur Weissglut treiben. Wichtig ist es, die e-dec Plausibilitätsfehler nicht nach diesem Muster zu behandeln. Denn hinter den Fehlermeldungen steckt ein komplexes und fein tariertes System, das sich auf die fachlichen Hintergründe bezieht. Ein Plausibilitätsfehler ist also nicht «nur» ein technischer Fehler, sondern vielmehr ein Hinweis auf eine vermutliche oder tatsächliche zollfachliche Unstimmigkeit.

Deshalb ist es wichtig, die Fehlermeldungen korrekt zu interpretieren und den Fehler mit einem fachlich korrekten Vorgehen zu beseitigen.

Dazu ein Beispiel:

In der e-dec Ausfuhrzollanmeldung haben Sie die Zolltarifnummer 8481.4090 (Sicherheitsventile mehr als 80 % Nickellegierungen) deklariert. Wenn Sie nun in der Rubrik Bewilligungspflichtcode den Code 0 übermitteln, erhalten Sie die folgende Fehlermeldung:

E071a: Bewilligungs-Pflichtcode 0 (nicht bewilligungspflichtig) darf nicht angemeldet werden.

Der Text weist Sie darauf hin, dass gemäss den e-dec Stammdaten zur angemeldeten Zolltarifnummer eine allfällige Bewilligungspflicht besteht. Im Zolltarif Tares sehen Sie, um welche Art von Bewilligung es sich handelt.

Als Anwender müssen Sie nun prüfen, ob Sie für den Export Ihrer Produkte eine Ausfuhrbewilligung benötigen. Falls dies zutrifft, setzen Sie den Code 1 und erfassen die Nummer der Ausfuhrbewilligung in der entsprechenden Rubrik.

Wenn Sie überprüft haben, dass Sie keine Ausfuhrbewilligung benötigen, setzen Sie den Code 2. Dieser ist wie folgt definiert:

Bewilligungsfrei gemäss Deklarant (Der Deklarant ist diejenige Person, welche die e-dec Ausfuhrzollanmeldung übermittelt).

Somit bestätigen Sie als Deklarant, dass für die Ausfuhr Ihrer Ware keine SECO Ausfuhrbewilligung für Dual-Use Güter notwendig ist.

In der Praxis ist folgende Vorgehensweise weitverbreitet: „Wenn Code 0 nicht akzeptiert wird, verwenden wir Code 2, dann wird die Anmeldung verarbeitet und wir erhalten die e-dec Ausfuhrliste“.

In unserem Beispiel wollen wir verdeutlichen, warum Sie nicht nach dieser Praxishandhabung verfahren sollten.

Ein kleiner Exkurs in die Exportkontrolle

Gemäss Güterkontrollgesetz brauchen Sie für die Ausfuhr von Sicherheitsventilen, welche sowohl zivil wie auch militärisch verwendet werden können, eine Ausfuhrbewilligung vom SECO.

In den Anhängen der Güterkontrollverordnung ist vermerkt, welche Art von Sicherheitsventilen sowohl zivil wie auch militärisch verwendet werden können und somit bewilligungspflichtig sind. Demnach sind Sicherheitsventile, die alle nachfolgend genannten Eigenschaften ausweisen, bewilligungspflichtig:

  • „Nennweite“ grösser/gleich 5 mm
  • mit Federbalgabdichtung
  • ganz aus Aluminium, Aluminiumlegierungen, Nickel oder Nickellegierungen mit mehr als 60 Gew.-% Nickel hergestellt oder damit ausgekleidet.

Falls Sie diese Überprüfung vorgenommen haben und feststellen, dass Ihre Sicherheitsventile alle Eigenschaften ausweisen, brauchen Sie eine Ausfuhrbewilligung, welche Sie elektronisch beim SECO beantragen können. Die elektronische Ausfuhrbewilligung müssen Sie schlussendlich im e-dec Export mit Bewilligungspflichtcode 1 „bewilligungspflichtig“ anmelden.

Rufen Sie dazu die Tares-Website auf und wählen Sie bei den Kopfdaten die Verkehrsrichtung «Ausfuhr nach».

Geben Sie nun Ihre Zolltarifnummer ein. Das Versendungsland müssen Sie nicht anpassen.

Nun rufen Sie die in der Ausfuhrzollanmeldung übermittelte Zolltarifnummer auf und klicken Sie auf «Anzeige Details».

Hier finden Sie die Detailinformationen welche bei der Bearbeitung der Plausifehler entscheidend sind.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Blogbeitrag weiterhelfen konnten bei Ihrer täglichen Arbeit mit dem e-dec Export Verzollungssystem der EZV. Sei es, weil Ihnen Ihr System gerade in diesem Moment eine Plausibilitätsfehlermeldung anzeigt oder Sie präventiv die relevanten Stammdaten überarbeiten möchten. Sind noch Fragen offengeblieben von Ihrer Seite, so können Sie diese gerne im Kommentarbereich stellen. Oder Sie nutzen unsere Dienstleistung «Zollfragen klären» für konkrete Abklärungen oder besuchen unser Seminar Exportabwicklung: In diesem gehen wir ebenfalls weiter auf dieses ganze Thema ein.

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