Warenwert für die Verzol­lung richtig deklarieren

Export 10.12.2018 von Olcay Erden Kommentare 8

Beim Export von Warenmustern setzen viele Unternehmen als Warenwert einen Franken ein. «Aus unserer Sicht ist das ja ein Muster ohne Wert», hören wir von Kunden immer wieder. Ebenso ist der Glaube weitverbreitet, Sendungen mit einem tiefen Warenwert liessen sich schneller verzollen. Dies ist nicht der Fall. Unrealistische oder zu tief deklarierte Warenwerte auf der Rechnung können zu Verzögerungen und Beanstandungen im Bestimmungsland führen. Auch will die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) genau wissen, welche Waren mit welchem Wert exportiert werden. Eine falsche oder unvollständige Angabe des Warenwertes kann deshalb unangenehme Folgen haben.

Gratis ist nicht wertlos

Wer Waren aus der Schweiz exportiert, muss diese beim Schweizer Zoll zur Ausfuhr anmelden. Meistens geschieht das über das e-dec Export Verfahren. Diese Deklarationspflicht gibt es nicht aufgrund von Zollabgaben, denn der Export ist bekanntlich zoll- und steuerfrei. Jedoch müssen Firmen für jede Sendung den statistischen Wert in der Ausfuhrzollanmeldung angeben. Dieser Wert besteht aus zwei Komponenten:

  • Der erste ist der effektive Warenwert.
  • Der zweite besteht aus den anteiligen Kosten für den Versand der Waren und anteilige Versicherungskosten sowie sonstige Kosten bis zur Schweizer Grenze. Sie dürfen vom statistischen Wert allfällige Rabatte und Skonti abziehen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird klar, dass der statistische Wert einer Sendung, und sei das Muster noch so klein, fast nie nur einen Franken betragen kann. Denn der statistische Wert dient, wie es sein Name verrät, einer Statistik. Konkret geht es um die schweizerische Aussenhandelsstatistik. Diese verwendet unter anderem das Bundesamt für Statistik (BFS) für die Ermittlung des schweizerischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). In letzterer Konsequenz heisst das: Falsche Warenwert-Angaben in den Ausfuhrzollanmeldungen verzerren die volkswirtschaftlichen Statistiken. Kein Wunder also legt die EZV grossen Wert auf korrekte Deklarationen.

Die richtige Zollwertermittlung für die Zollanmeldung in der EU (z. B. in Deutschland) erfolgt nach der Dienstvorschrift zum Zollwertrecht (DV-Zollwert).

Was wird genau verlangt?

Der statistische Wert umfasst die oben erwähnten Komponenten und ist immer in CHF anzugeben. Wenn Unternehmen die Rechnung in einer Fremdwährung ausstellen, müssen sie den Fremdwährungswert in Schweizer Franken umrechnen. Dazu sind jedoch nicht beliebige Devisenkurse zulässig. Die EZV erlaubt Exporteuren drei Möglichkeiten:

  • Als Standard gilt immer der Vortageskurs, welcher die EZV auf ihrer Devisenkurs-Webseite zur Verfügung stellt.
  • Alternativ kann ein Unternehmen auch den Monatsmittelkurs der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) verwenden
  • Grosse Firmen, die in mehreren Ländern tätig sind, dürfen auch interne, d. h. Konzernumrechnungskurse verwenden. Für diese Anwendung benötigt die Firma jedoch bei der Oberzolldirektion (OZD, Sektion Methoden und Qualitätssicherung) eine Registrierung.

Unter Umständen erreichen Sie die Website der EZV nicht oder die Kursanzeige fällt kurzfristig aus. Für diesen Fall fragen Sie die Kurse bei einer beliebigen schweizerischen oder liechtensteinischen Bank an.

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Viele Firmen, vielleicht auch Ihre, verwenden für die Erstellung der Ausfuhrzollanmeldung eine Softwarelösung. Diese bezieht die Devisenkurse automatisch und rechnet diese für die e-dec Export Zollanmeldung in Franken um. Prüfen Sie periodisch, ob Ihre Softwarelösung tatsächlich die korrekten Umrechnungskurse verwendet.

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Unange­nehme Folgen

Devisenkurse unterscheiden sich oft nur durch wenige Rappen. Für die exportierende Firma hat ein falscher Kurs auf den ersten Blick also keine verheerenden Folgen. Jedoch wird die Importverzollung im Bestimmungsland anhand der Rechnung vorgenommen, welche der Exporteur erstellt hat. Auf der Basis dieser Wertangaben entstehen Einfuhrabgaben (Einfuhrsteuer und ggf. Zollabgaben). Falsche oder unvollständige Angaben auf der Rechnung können einen zu tiefen Warenwert suggerieren, was entsprechend zu falschen Einfuhrabgaben seitens Empfänger führt.

Manchmal erkennt der Zollagent (Zolldienstleister) im Bestimmungsland den zu tiefen Warenwert bereits und beanstandet diesen bei der importierenden Firma. Dies führt zu aufwendigen Abklärungen und Rückfragen beim Exporteur, denn der Zollagent kann die korrekte Importdeklaration erst vornehmen, wenn er den tatsächlichen Warenwert kennt. Das entstehende Hin und Her verzögert meistens die Auslieferung der Sendung. Bei der Importabwicklung im Bestimmungsland können zudem Nachforderungen und Gebühren erhoben und/oder Bussen (Geldstrafen) ausgesprochen werden. Die negativen Folgen für den Endkunden sind also eine Lieferverzögerung, Umtriebe und nicht zuletzt auch unnötige Kosten.

Unterfak­tu­rie­rung – kein Kavaliersdelikt

Eine fehlerhafte Exportrechnung scheint zunächst «nur» den Endkunden zu benachteiligen. Bei gravierenden Differenzen und sehr unrealistischen Wertangaben in der Ausfuhrzollanmeldung kann es jedoch sein, dass sich die Sektion Aussenhandelsstatistik beim Exporteur meldet. Sie fordert den Exporteur schriftlich dazu auf, den Warenwert zu korrigieren respektive den korrekten Wert mitzuteilen. Auch bei Beschau der Güter beanstandet die Eidgenössiche Zollverwaltung eine Unterfakturierung. Diese Korrekturmassnahmen verursachen Umtriebe und einen Mehraufwand bei den Exporteuren. Nicht zu unterschätzen ist auch der bekannte Effekt: Wer bei der Zollverwaltung in Verdacht gerät, Warenwerte regelmässig zu tief zu deklarieren, muss sich auf vermehrte Nachfragen und Kontrollen einstellen.

Eingebaute Kontrolle

Bei der Ausfuhrzollanmeldung via e-dec wird der statistische Wert einer Plausibilitätsprüfung unterzogen. Die Frage hinter dieser Prüfung ist einfach: Steht der angegebene Warenwert im Verhältnis zu Masse oder Menge des angemeldeten Produktes? Dazu publiziert die Zollverwaltung monatlich Mittelwertgrenzen je Zolltarifnummer. Wenn der angegebene statistische Wert zu hoch oder zu tief erscheint, sendet das System einen Plausibilitätsfehler. Danach müssen die Angaben nochmals überprüft werden und es ist nötig, dass manuell ein Richtigcode gesetzt wird.

Neben dieser automatischen Prüfung des statistischen Wertes nimmt die Zollverwaltung auch Stichproben vor. Je nachdem wird Ihre Sendung formell oder materiell überprüft:

  • Bei der formellen Überprüfung wird die Ausfuhrdeklaration mit der Rechnung verglichen. Unter anderem geht es um die korrekte Deklaration des statistischen Wertes und die Verwendung des richtigen Devisenkurses. Unstimmigkeiten werden dem Spediteur/Zollagenten gemeldet, der wiederum die Koordination mit dem Exporteur sicherstellt und die Beanstandungen erledigt.
  • Mit der materiellen Überprüfung werden die gelieferten Waren zusätzlich beschaut. Zu diesem Zweck werden die Packstücke gezählt, geöffnet und (in seltenen Fällen) sogar Muster genommen, die dann genauer untersucht werden.

Fröhliche Weihnachten

Besonders aktuell ist die korrekte Wertdeklaration in der Vorweihnachtszeit. Denn Firmen müssen auch Kundengeschenke mit den korrekten Angaben exportieren. So etwa Kugelschreiber, die sie aus China importieren und nun an Kunden in Europa als Kundengeschenke senden: Auf der Einfuhrdeklaration dieser Kugelschreiber setzen Importeure einen statistischen Wert für die Chinasendung ein, welcher auf der elektronischen Veranlagungsverfügung (eVV) ersichtlich ist. Unternehmen müssen diesen effektiven Warenwert auch beim Export deklarieren. Das Argument «Ich verschenke ja die Kugelschreiber nur, ich verkaufe sie nicht» gilt in diesem Fall nicht.

Um den richtigen statistischen Wert zu ermitteln, übernehmen Sie also den Wert aus der eVV Import oder von der Einkaufsrechnung. Addieren Sie die anteiligen Transport- und Versicherungskosten sowie sonstige Kosten der Sendung bis zur Schweizer Grenze hinzu.

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Auch bei Geschenksendungen muss stets eine Versandrechnung (Proforma-Rechnung ist in diesem Fall auch möglich, da keine Verrechnung stattfindet) die Warenlieferung begleiten.

Nebst den benötigten Aussenhandelsdaten auf grenzüberschreitenden Rechnungen ergänzen Sie folgende Punkte:

  1. Nennen Sie die Rechnung «Versandrechnung / Shipping-Invoice» oder «Zollrechnung / Customs Invoice».
  2. Es ist zu erwähnen, dass die Rechnung respektive die Wertangabe nur für Zollzwecke verwendet wird – etwa mit dem Hinweis «Customs value only – free of charge Christmas Gift». Der Vermerk «nur für Zollzwecke» muss mit dem Zusatz begründet werden, hier mit «kostenloses Weihnachtsgeschenk».
  3. Geben Sie den effektiven Warenwert der Güter an – keine Unterfakturierung.

Selbst wenn Sie die Geschenksendung korrekt deklarieren, kann es sein, dass ein Bestimmungsland Zollabgaben und Einfuhrsteuern darauf erhebt. Eine Auswahl des richtigen Geschenkes ist wichtig und nur so freuen sich die Kunden über die abgabenfreie Sendung. Frohe Weihnachten!

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8 Kommentare zu «Warenwert für die Verzollung richtig deklarieren»

Leon Sarkisyan14. Januar 2021

Wie kann ich „Reparatur/Austausch Garantie“(Mainboards)aus der Schweiz in USA versenden, aber den Warenwert von 20000 CHF versichern aber keine Einfuhrzoll bezahlen?

„Grundsätzlich wollen wir die Ware versichern aber da es nicht verkauft wird wollen wir keine Einfuhrverzollung bezahlen.“

Lea Derendinger

14. Januar 2021

Guten Tag Herr Sarkisyan

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Eine Lieferung von Mainboards (im Austausch) über CHF 20'000 muss mit dem effektiven Warenwert verzollt werden. Es gibt die Möglichkeit, dass Ihr Kunde in den USA die defekten Mainboards retourniert und somit die Zollabgaben für die ursprüngliche Lieferung zurückfordern kann. Dies muss aber gemäss dem Zollrecht in Amerika überprüft werden, welches Verfahren dafür angewendet werden kann. Eine Lieferung von neuen Austausch-Mainboards wird jedoch normal verzollt und die Zölle und die Einfuhrsteuer müssen bezahlt werden. Sofern Ihr Kunde vorsteuerabzugsberechtigt ist, kann er die Einfuhrsteuern zurückfordern.

Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und wünschen Ihnen einen schönen Tag.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Thomi Horath26. Oktober 2020

Ich habe ein Paket aus Deutschland bekommen. Deklarierter Warenwert war 100.- Euro. Bezahlt habe ich aber etwa 28.- Euro für die Ware, was auch auf der im Paket inliegenden Rechnung wahrgenommen werden kann. Wegen der aus meiner Sicht falschen Deklaration von 100.- Euro Warenwert musste ich nun etwa 25.- CHF Zollgebühren zahlen. Geht hier alles mit rechten Dingen zu?

Olcay Erden

26. Oktober 2020

Guten Tag Herr Horath
Vielen Dank für Ihre Anfrage via unsere Kommentarfunktion.
Zuerst ist zu unterscheiden, ob Sie ein Paket erhalten haben im Privatwarenverkehr (z.B. Geschenksendung von einer Privatperson) oder im Handelswarenverkehr (Bestellung bei einer ausländischen Firma). Die Richtlinien sind je nach dem unterschiedlich.
Somit können wir nicht beurteilen, ob die Importverzollung in Ihrem Fall korrekt durchgeführt wurde. Um dies zu prüfen, müssten wir mehr Informationen haben. Wir können in Ihrem Fall auch nicht erkennen, ob es sich bei den CHF 25.00 Zollgebühren um die MWST, Zölle oder wirklich um die Dienstleistung für die Verzollung geht. Hier finden Sie die klare Unterscheidung von Zoll / Zölle / Zollabgaben, Zollgebühren, MWST Abgaben.
Eine abschliessende Beurteilung Ihres Falls wäre nur mit einer Sichtung der elektronischen Veranlagungsverfügung plus der zugehörigen Rechnung möglich.
Vielen Dank und freundliche Grüsse
Olcay Erden

Cristina23. Oktober 2020

Guten Tag,

Vielen Dank für all die Informationen, wirklich sehr hilfreich. Ich habe noch eine Frage, dürfen Muster die auch als solche beim Zoll deklariert wurden, wieder Verkauft oder in der Produktion verwendet werden?

Olcay Erden

26. Oktober 2020

Guten Tag

Vielen Dank für Ihre positive Nachricht zu unserem Blog-Beitrag und Ihre Anfrage via unsere Kommentarfunktion.
Die Zollbehandlung von Warenmuster und Warenproben beim Import in die Schweiz ist sehr komplex. Zuerst muss unterschieden werden, ob Ihre Muster Warenmuster zur Bestellungsaufnahme sind (mit selbständigem Wert) oder ob es sich um unverkäufliche Warenmuster handelt (ohne selbständigen Wert). Danach ist zu unterscheiden ob es sich um verbrauchbare oder nicht verbrauchbare Waren handelt oder ob es Warenproben oder Warenmuster sind.
Warenmuster und Warenproben müssen schon beim Import gewisse Bedingungen erfüllen:
- Maximaler Wert CHF 100.00 je Muster oder je Art und Qualität
- Abgabenfreie Veranlagung
- Anmeldung als Nichthandelswaren
Falls von Anfang an klar ist, dass die Muster für den Verkauf oder Konsum bestimmt sind, darf keine Abgabenfreie Veranlagung erfolgen. Wir sehen sehr oft Falschverzollungen von Warenmuster beim Import, welche die Voraussetzungen nicht erfüllen.
Da wir bei Ihrer Anfrage nicht wissen, um welche Produkte (Warenmuster, Warenproben, verbrauchbar, nicht verbrauchbar) es geht, können wir leider keine abschliessende Antwort mitteilen. Gewisse Produkte dürfen nach den Tests verkauft werden, gewisse jedoch nicht. Auch die Verwendung in der Produktion hängt von der Definition ab, welche Produkte es sind.
Wir hoffen, dass unsere Erklärungen trotzdem hilfreich sind und bei weiteren Fragen steht Ihnen unser Beratungs-Team gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüsse
Olcay Erden

Lukas Sonderegger13. Dezember 2018

Hey Ölc,

vielen Dank für diesen Artikel - klar und verständlich aufgezeigt, dass ich es auch intern an meine Mitarbeiter weitergeben kann.
Wünsche Dir und eurem ganzen Team eine schöne Weihnachtszeit.

Lukas

Olcay Erden

14. Dezember 2018

Lieber Luki
Herzlichen Dank für Deine positive Rückmeldung, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Toll, dass Dir der Blogbeitrag gefällt und du diesen mit Deinen Mitarbeitern teilen konntest.
Ich wünsche Dir und dem ganzen Team ebenfalls eine fröhliche, besinnliche Weihnachszeit.
Ganz liebe Grüsse
Olcay