Prä­fe­renz­kal­ku­la­tion

02.07.2019 | Präferenzieller Warenursprung | Lea Derendinger |

Oft gehen Firmen automatisch davon aus, dass ihre Artikel den präferenziellen Warenursprung Schweiz erlangen, da diese im eigenen Betrieb in der Schweiz hergestellt wurden. Beim präferenziellen Warenursprung jedoch, welcher auf den Bestimmungen der einzelnen Freihandelsabkommen basiert, muss die Präferenzeigenschaft nach den Listenregeln des jeweiligen Freihandelsabkommens berechnet werden. Diese Berechnung nennt man Präferenzkalkulation. Erst nach der erfolgten Berechnung kann der Hersteller der Waren einen Präferenznachweis erstellen – sei dies für Warenlieferungen ins Ausland oder auch für Lieferungen innerhalb der Schweiz mittels Lieferantenerklärung im Inland.

Ablauf zur Bestimmung des präferenziellen Warenursprungs (Präferenzkalkulation) bei hergestellten Waren

1. Was bedeutet Minimalbehandlung und wann erfolgt eine wesentliche Bearbeitung?

Die Minimalbehandlung ist ein Begriff, der in den einzelnen Freihandelsabkommen auftaucht. Er steht für die Durchführung gewisser Bearbeitungsschritte, die nicht ausreichen, damit ein Produkt präferenziellen Warenursprung erlangt. Die Minimalbehandlungen sind jeweils im entsprechenden Freihandelsabkommen festgehalten.
Im Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) sind diese Bearbeitungsschritte unter Artikel 6 im Protokoll Nr. 3 des Paneuropa-Mittelmeer-Übereinkommens („PEM“) abschliessend aufgelistet.

Hier ein paar Beispiele für Minimalbehandlungen (nicht ausreichende Be- oder Verarbeitung):

  • Teilen oder Zusammenstellen von Packstücken;
  • einfaches Anstreichen oder Polieren;
  • Enthülsen, Entsteinen oder Schälen von Früchten, Nüssen und Gemüse;
  • Schärfen, einfaches Schleifen oder einfaches Zerteilen;
  • einfaches Abfüllen in Flaschen, Dosen, Fläschchen, Säcke, Kästen, Schachteln, Befestigen auf Karten oder Brettchen sowie alle anderen einfachen Verpackungsvorgänge;
  • Anbringen oder Aufdrucken von Marken, Etiketten, Logos oder anderen gleichartigen Unterscheidungszeichen auf den Erzeugnissen selbst oder auf ihren Verpackungen;
  • Anbringen oder Aufdrucken von Marken, Etiketten, Logos oder anderen gleichartigen Unterscheidungszeichen auf den Erzeugnissen selbst oder auf ihren Verpackungen;
  • einfaches Zusammenfügen von Teilen eines Erzeugnisses zu einem vollständigen Erzeugnis oder Zerlegen von Erzeugnissen in Einzelteile;

Fine­so­lu­ti­ons Pra­xis­bei­spiel

Ein herstellender Betrieb montiert zwei metalloplastische Dichtungen zu einem Dichtungssatz für einen Drehkolben. Die Montagearbeit erfolgt im eigenen Betrieb mit einem Schraubenzieher und unter Verwendung von vier Stahlschrauben.
Diese Bearbeitung fällt unter die Minimalbehandlung «einfaches Zusammenfügen von Teilen» und ist somit keine wesentliche oder genügende Bearbeitung im Sinne des Freihandelsabkommens, um die Präferenzeigenschaft Schweiz für den Dichtungssatz zu erfüllen.

Eine Präferenzkalkulation muss nicht erstellt werden, da nur eine Minimalbehandlung erfolgt.
Die herstellende Firma kann jetzt die «Gesamtbetrachtung» überprüfen und danach beurteilen, ob diese angewendet werden darf. Gehen Sie direkt zur Frage 2: Was wird unter der sogenannten «Gesamtbetrachtung» verstanden?

Falls die beiden metalloplastischen Dichtungen

  • in der EU hergestellt wurden und
  • schon eine ausreichende Bearbeitung in der EU erfolgte und
  • diese beiden Dichtungen mit Präferenzeigenschaft in die Schweiz importiert wurden,

kann unter gewissen Bedingungen die «Ursprungskumulierung» nach Artikel 3 des Protokolls Nr. 3 angewendet werden.

Bei der Bestimmung, ob eine Minimalbehandlung durchgeführt wurde oder eine genügende Bearbeitung erfolgte, geht es also zuerst darum zu prüfen, welche Arbeitsschritte am herzustellenden Produkt ausgeführt werden und wie umfangreich diese sind. Es ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob eine genügende Bearbeitung durchgeführt wurde.

2. Was wird unter der sogenannten «Gesamtbetrachtung» verstanden?

Die «Gesamtbetrachtung» ist ein Begriff, der hauptsächlich im EU-Raum angewendet wird. In der Schweiz gibt es keine spezifische Bezeichnung dafür. Sie kann in vielen Fällen angewendet werden, sofern in der Schweiz nur eine Minimalbehandlung am herzustellenden Produkt erfolgt, jedoch an einem Vormaterial schon eine genügende Bearbeitung (in der Schweiz) im Sinne des entsprechenden Freihandelsabkommens durchgeführt wurde. Auch hier muss jeder Einzelfall separat geprüft werden, denn es gibt keine generelle Handhabung, die für alle Produkte zutrifft.

Fine­so­lu­ti­ons Pra­xis­bei­spiel

Bei der Frage 1 zur Minimalbehandlung haben wir das Beispiel des Dichtungssatzes erläutert. Wir fahren hier mit genau dem gleichen Beispiel weiter:

Die herstellende Firma hat festgestellt, dass dieser Dichtungssatz für Drehkolben

  • unter die Minimalbehandlung «einfaches Zusammenfügen von Teilen» fällt
  • die Bearbeitung somit ungenügend ist und keine Präferenzeigenschaft deklariert werden kann.

Nun kann die Gesamtbetrachtung geprüft werden. Die Firma kauft die beiden metalloplastischen Dichtungen (Vormaterial) bei einem Schweizer Lieferanten ein. Der Schweizer Lieferant kennt sich mit den Freihandelsabkommen gut aus und kann mittels einer Lieferantenerklärung im Inland bestätigen, dass diese metalloplastischen Dichtungen in der Schweiz genügend bearbeitet wurden und die Listenregel für die Tarifnummer 8484 erfüllt wurde. Die Präferenzeigenschaft Schweiz für die Dichtungen (Vormaterial) ist also erfüllt.

In der Stückliste befinden sich drei Vormaterialien: zwei metalloplastische Dichtungen mit präferenziellem Schweizer Ursprung im Abkommen CH-EU und vier Schrauben aus Taiwan. Da die metalloplastischen Dichtungen die Regel der genügenden Bearbeitung (mehr als eine Minimalbehandlung) in der Schweiz schon erfüllt haben, muss bei der Montage dieses Dichtungssatzes für Drehkolben keine wesentliche Bearbeitung erfolgen.

Dank der Gesamtbetrachtung ist schon vorher eine genügende Bearbeitung in der Schweiz erfolgt und die Firma kann prüfen, ob das Listenkriterium für den montierten Dichtungssatz erfüllt wird.

Achtung: Sofern die Gesamtbetrachtung angewendet werden kann, darf nicht davon ausgegangen werden, dass die Güter präferenzbegünstigt sind! Die Listenregel muss entsprechend auch erfüllt werden und dafür erstellen Sie eine Präferenzkalkulation.

Vorsicht – Hinweis aufgrund unserer Praxiserfahrungen: Wir sehen in unseren Beratungstätigkeiten sehr viele Lieferantenerklärungen im Inland mit formellen Fehlern. Wir fragen uns dann, ob die Präferenzeigenschaft wirklich berechnet wurde? Oftmals werden die Lieferantenerklärungen erstellt, obwohl der Lieferant sich nicht wirklich bewusst ist, was er genau bestätigt.

Wenden Sie die Gesamtbetrachtung also nur in den Fällen an, bei welchen Sie ganz sicher sind, dass Ihr Schweizer Lieferant die Vormaterialien wirklich kalkuliert hat und die Präferenzeigenschaft des Vormaterials erfüllt ist. Sie stützen sich bei der Gesamtbetrachtung voll und ganz auf die Bearbeitung des Vormaterials. Diese Lieferantenerklärung kann bei einer Ursprungsüberprüfung von der EZV hinterfragt und überprüft werden. Sofern Ihr Lieferant bei einer Überprüfung die Präferenzeigenschaft nicht belegen kann, hat Ihr Produkt sofort auch keine Präferenz mehr, da bei Ihnen nur eine Minimalbehandlung erfolgte.

3. Welche Mindestangaben müssen in einer Präferenzkalkulation enthalten sein?

Um die Erfüllung der Listenregel im entsprechenden Freihandelsabkommen zu überprüfen, ist es sinnvoll, die Präferenzkalkulation immer im gleichen Format zu erstellen. Folgende Mindestangaben werden für die Kalkulation benötigt:

  • Eine vollständige Stückliste des hergestellten Produktes
  • Zolltarifnummer des hergestellten Produktes
  • Artikelbezeichnungen der einzelnen Vormaterialien
  • Die Zolltarifnummer jedes Vormaterials (vierstellig im Abkommen CH-EU / sechsstellig in Abkommen, bei welchen der sechsstellige Positionssprung geprüft wird)
  • Das nichtpräferenzielle/autonome Ursprungsland der Vormaterialien
  • Der Präferenzstatus der einzelnen Vormaterialien oder die entsprechenden Vorursprungsnachweise
  • Die effektiven Einkaufspreise der einzelnen Vormaterialien
  • Der prozentuale Anteil der Einkaufspreise im Verhältnis zum Ab-Werk-Preis
  • Die Herstellungskosten und der Gewinn
  • Der Ab-Werk-Preis des hergestellten Produktes
Musterpräferenzkalkulation einer Kaffeemaschine

Fine­so­lu­ti­ons Pra­xis­bei­spiel

Wenn Sie für Ihr Produkt ein Wertkriterium erfüllen müssen, kann in erster Linie auch ganz einfach eine Dreisatzrechnung durchgeführt werden. Hier die Dreisatzrechnung für die oben dargestellte Kaffeemaschine:

  • Total Materialaufwand 57 % (der gesamte Materialaufwand wird als Drittland-Anteil kalkuliert)
  • Ab-Werk-Preis 100 %
  • Somit ist der CH-Präferenzanteil (Herstellung und Gewinn) die Differenz zwischen Materialaufwand und Ab-Werk-Preis und liegt bei 43 %

Das Listenkriterium verlangt, dass der Positionssprung erfüllt wird und maximal 40 % Drittland-Anteil verwendet werden darf. Der Positionssprung wurde erfüllt und im zweiten Schritt müssen nun die Vorursprungsbelege geprüft werden. Es würde im Beispiel der Kaffeemaschine schon genügen, wenn von 17 % der Vormaterialien im Materialaufwand ein Präferenznachweis vorhanden ist. So können Sie sich gezielt zuerst auf die «grossen» Positionen in der Stückliste stützen und für diese Vormaterialien die Präferenzeigenschaft prüfen oder anfragen. Im Beispiel der Kaffeemaschine reicht es schon, wenn ein Präferenznachweis der Brühgruppe (13 %) und des Gehäuses (6 %) vorhanden ist.

Hinweis: Der Präferenznachweis der Brühgruppe ist in diesem Beispiel ein Muss, weil sonst der Positionssprung nicht erfüllt wird.

4. Wie sieht eine Beispiel-Präferenzkalkulation aus?

An dieser Stelle wird anhand einer Musterkalkulation verständlich erklärt, wie diese aussieht. Die dabei auftauchenden Begriffe werden an Ort und Stelle erläutert.

Für unser Beispiel wählen wir einen Getriebemotor bestehend aus einem Einphasen-Wechselstrommotor, Getriebe und Verschalung mit der Schweizer Zolltarifnummer 8501.4030.

Dieser Getriebemotor wird in der Schweiz zusammengebaut, mit Vormaterialien von verschiedenen Lieferanten in der Schweiz und aus dem Ausland. Ziel ist es, diesen fertig montierten Getriebemotor zollfrei in die EU einführen zu können. Das Zusammenbauen zu einem Getriebemotor stellt nicht nur eine Minimalbehandlung dar, sondern geht darüber hinaus, also darf die Präferenzeigenschaft kalkuliert werden.

Dabei konsultieren wir das Listenkriterium zur HS-Position 8501 des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU, da der Export in die EU zollfrei erfolgen soll. Wir wählen das Kriterium, das sich anhand des von der Firma berechneten Ab-Werk-Preises eines fertigen Getriebemotors (Wertkriterium) orientiert.

Das Wertkriterium bei HS-Position 8501 lautet: Der Wertanteil an verwendeten Vormaterialien aus Drittländern (also Vormaterialien mit Warenursprung ausserhalb des Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und EU) darf 30 % des Ab-Werk-Preises des Getriebemotors nicht überschreiten.

Bezeichnung des Vormaterials HS-Position Autonomer Ursprung Vorursprungs-nachweis Wert des Vor-materials in CHF Anteil an Ab-Werk-Preis

Stirnrad-getriebe

8483 Frankreich (EU) Veranlagungsverfügung Import und Lieferantenrechnung mit Präferenznachweis 400 20 %
Einphasen-Wechsel-strom-motor 8501 China Keine Präferenz im Sinn des FHA CH-EU 500 25 %
Strom-anschluss-kabel 8544 Italien (EU) Veranlagungsverfügung Import und Lieferantenrechnung mit Präferenznachweis 100 5 %
Verschalung Getriebe-motor 8501 Schweiz Lieferantenerklärung auf der Rechnung des Schweizer Lieferanten 200 10 %
Arbeit / Gewinn in der CH 800 40 %
Ab-Werk-Preis 2000 100 %

Erläuterungen zu dieser Präferenzkalkulation:

  • Wie definiert das Freihandelsabkommen den «Wert des Vormaterials»?
    In erster Linie handelt es sich um den Zollwert (Statistischer Wert) bis zur Schweizer Grenze. Hier sind Transportkosten bis zur Grenze miteinzubeziehen. Weiter erwähnen die Ursprungsbestimmungen den Betrag auf der Ankaufsrechnung des Lieferanten (abzüglich Rabatte, Schweizer (Zoll-)Abgaben, Schweizer Mehrwertsteuer);
    siehe Ursprungsbestimmungen Ziffer 3.1.6 Buchstabe a)
  • Wie definiert das Freihandelsabkommen den «Ab-Werk-Preis»?
    Preis der Ware einschliesslich der Wert aller verwendeten Vormaterialien, inklusive Arbeit und Gewinn des Unternehmens. Nicht im Ab-Werk-Preis inbegriffen sind alle anfallenden Kosten nach Verlassen der Fabrik wie Transport- und Versicherungskosten;
    siehe Ursprungsbestimmungen Ziffer 3.1.6 Buchstabe b)
  • Wie sind Rabatte im Ab-Werk-Preis der Präferenzkalkulation zu berücksichtigen?
    Sofortrabatte, welche beim Zeitpunkt der Ausfuhrzollanmeldung bekannt sind, müssen im Normalfall vom Ab-Werk-Preis abgezogen werden. Die speziellen Konstellationen wie Mengenrabatte, Staffelpreise, Händlerrabatte und Intercompany-Preise müssen je Einzelfall angeschaut werden. Wir empfehlen in diesen Fällen die Abklärung mit der zuständigen Zollkreisdirektion.
  • Was ist ein Präferenznachweis?
    Siehe unsere Fachbegriffserklärung «Präferenznachweis»
  • Was ist eine Lieferantenerklärung?
    Siehe unsere Fachbegriffserklärung «Lieferantenerklärung»
  • Was geschieht, wenn kein gültiger Präferenznachweis für die Berücksichtigung innerhalb der Kalkulation vorliegt?
    Das betroffene Vormaterial muss in diesem Fall als Drittlandware betrachtet werden und verschlechtert dadurch die Präferenzkalkulation zuungunsten der exportierenden Firma. Alle Abteilungen einer Firma, also auch die Einkäufer, müssen somit dafür sorgen, dass die gültigen Präferenznachweise im Haus vorliegen, da bei einer Ursprungsüberprüfung vom Zoll solche Nachweise eingefordert werden.
  • Die Schweiz hat auch ein Freihandelsabkommen mit China: Weshalb gilt der Motor aus China in dieser Präferenzkalkulation trotzdem als Drittlandware?
    Die verschiedenen, vor allem bilateral abgeschlossenen Präferenzabkommen sind nicht miteinander kompatibel. Sofern kein Übereinkommen mit allen teilnehmenden Ländern besteht, sind Freihandelsabkommen nie miteinander kompatibel.

Wie Sie sehen, liegt der Wertanteil an verwendeten Vormaterialien aus Drittländern innerhalb der zulässigen 30 % am Ab-Werk-Preis. Der Einphasen-Wechselstrommotor aus China hat einen Einkaufspreis von 500 CHF und kommt somit auf einen Drittland-Anteil von 25 %.

Fazit

Das Unternehmen darf für diesen Getriebemotor für den Export in die EU einen Präferenznachweis ausstellen, da sowohl die Bedingung der Minimalbehandlung als auch die Listenregel zu einem Getriebemotor erfüllt wird.

5. Was ist unter den Begriffen «Drittlandware» oder «Drittland-Anteil» zu verstehen?

Oftmals wird der Begriff «Drittlandwaren» im Zusammenhang mit der Präferenzermittlung erwähnt. Als Drittlandwaren sind Güter zu verstehen, welche im Sinne des entsprechenden Freihandelsabkommens keine Präferenzeigenschaft aufweisen. In einer Präferenzkalkulation kommt es sehr oft vor, dass der Drittland-Anteil ermittelt werden muss. Dies bedeutet, dass die Drittlandwaren in der Stückliste für das Endprodukt zusammengerechnet werden und so erhält man den Drittland-Anteil.

Bei­spiel 1: Dritt­land­wa­ren bei Han­dels­wa­ren Abkom­men Schweiz-​EU

Ein Produkt mit Ursprung Deutschland wird in der EU eingekauft und beim Import in die Schweiz ist kein Präferenznachweis vorhanden. Somit wird das Produkt ohne Präferenzeigenschaft eingeführt und kann bei einer Wiederausfuhr aus der Schweiz in die EU nicht als präferenzbegünstigte Waren deklariert werden. Das Produkt fällt also unter Drittlandwaren im Abkommen Schweiz-EU.

Bei­spiel 2: Dritt­land­wa­ren bei Han­dels­wa­ren Abkom­men Schweiz-​Japan

Ein Produkt mit Ursprung Deutschland wird in der EU eingekauft und mit Präferenznachweis in die Schweiz importiert. Bei der unveränderten Wiederausfuhr nach Japan muss dieses Produkt als Drittlandware betrachtet werden, weil im Abkommen Schweiz-Japan keine Präferenzwaren der EU verwendet werden dürfen.

Bei­spiel 3: Dritt­land­wa­ren von Vor­ma­te­ria­lien in der Prä­fe­renz­kal­ku­la­tion

Eine Präferenzkalkulation für den Export nach Südkorea wird erstellt. Alle Güter, welche nicht den präferenziellen Ursprung der EFTA-Staaten oder aus Südkorea besitzen, sind als Drittlandwaren zu kalkulieren. In einer Präferenzkalkulation nach Südkorea sind immer alle EU-Waren als Drittland-Anteil zu rechnen.

Fazit

Der Anteil von Drittlandwaren kann stark schwanken, je nachdem in welches Abkommen die hergestellten Güter geliefert werden. Welche Güter für welche Abkommen präferenzbegünstigt kalkuliert werden dürfen und welche Produkte immer als Drittlandwaren gelten, ist dem entsprechenden Freihandelsabkommen zu entnehmen.

6. Wie sieht eine Präferenzkalkulation nach Worst-Case-Methode aus?

Viele Hersteller arbeiten mit unterschiedlichen Preislisten für diverse Kunden. Somit ist der Ab-Werk-Preis in der Präferenzkalkulation immer unterschiedlich und es wäre zu zeitintensiv, jedes Produkt mit den effektiven Einkaufspreisen der Vormaterialien und effektiven Verkaufspreisen (Ab-Werk-Preis) zu kalkulieren. In gewissen Branchen können auch die Preise für Vormaterialien stark schwanken. Die Worst-Case-Methode bei der Präferenzkalkulation ermöglicht eine Berechnung der Präferenzeigenschaft «nach schlechtester Variante» und gewisse Preisschwankungen werden abgefedert.

Die Einkaufspreise (Wert der Vormaterialien) und Ab-Werk-Preise werden über einen bestimmten Betrachtungszeitraum berücksichtigt. In die Präferenzkalkulation werden folgende Werte eingesetzt:

  • Tiefster Einkaufspreis über den Betrachtungszeitraum für Vormaterialien mit Präferenzeigenschaft
  • Höchster Einkaufspreis über den Betrachtungszeitraum für Vormaterialien ohne Präferenzeigenschaft (Drittlandwaren)
  • Tiefster Ab-Werk-Preis des hergestellten Produktes

So kann sichergestellt werden, dass bei schwankenden Einkaufspreisen und bei wechselnden Ab-Werk-Preisen die Präferenzeigenschaft trotzdem belegt werden kann.

Eine Worst-Case-Kalkulation ist erlaubt. Jedoch ist es nicht erlaubt, mit gleitenden Durchschnittspreisen zu kalkulieren.

7. Wann muss eine Präferenzkalkulation der Zollverwaltung vorgelegt werden?

Jede mit Präferenzeigenschaft durchgeführte Lieferung kann durch die Zollverwaltung überprüft werden. Dies erfolgt jeweils bei einer «Ursprungsüberprüfung» durch die zuständige Zollkreisdirektion. Im Falle einer Ursprungsüberprüfung muss der Exporteur die Präferenzkalkulation des hergestellten Produktes vorlegen und zusätzlich für die Vormaterialien, die mit Präferenz kalkuliert wurden, die korrekten Vorursprungsbelege einreichen. Gerne unterstützen wir Sie bei einer Ursprungsüberprüfung.

Auch bei einer nachträglichen Beantragung eines Präferenznachweises EUR.1 kann die Zollkreisdirektion die Präferenzkalkulation sowie die Vorursprungsbelege verlangen.

Lieferantenerklärungen im Inland bei Lieferungen an Schweizer Kunden sind Präferenznachweise, welche jederzeit von der EZV überprüft werden dürfen.

Bei einer EA-Statusüberprüfung muss ein Ermächtigter Ausführer zuerst den EA-Auskunftsbogen ausfüllen und falls ein Vororttermin stattfindet, verlangt die Zollverwaltung oftmals auch die Einsicht in die Präferenzkalkulationen und Vorursprungsbelege. Zudem wird die korrekte Präferenzabwicklung vom Einkauf bis zum Verkauf beim Ermächtigen Ausführer überprüft. In unserem Blog-Beitrag «VIP’s haben es einfacher – wie Sie Ermächtigter Ausführer bleiben» können Sie mehr über die EA-Statusüberprüfungen lesen. Wir unterstützen Sie auch gerne beim Ausfüllen des EA-Auskunftsbogens.

Stellen Sie also sicher, dass Sie für alle Güter, für die Sie die Präferenzeigenschaft ausweisen, auch die entsprechenden Präferenzkalkulationen erstellt haben und im Besitz der benötigten Vorursprungsnachweise sind.

Wie fine­so­lu­ti­ons Ihnen beim Thema Prä­fe­renz­kal­ku­la­tion hel­fen kann?

Eine Präferenzkalkulation kann schnell unübersichtlich und komplex werden; «pfannenfertige» Kalkulationen gibt es nicht. Anhand einer Präferenzkalkulation eines Unternehmens können wir als Zollberater sehr rasch und genau herausfinden, welche Prozesse (auch seitens Einkauf) noch nicht greifen oder gar nicht vorhanden sind. Wir helfen Ihrer Firma dabei, diese Schwachstellen aufzudecken. Gerne begleiten wir Sie bei Ursprungsüberprüfungen oder unterstützen Sie beim Ausfüllen des EA-Auskunftsbogens.

Das dabei immer benötigte Grundwissen bauen wir mittels unseres Seminars Präferenzieller Warenursprung auf. Dieses gibt es auch in einer Kurzversion von 90 bis max. 120 Minuten: Warenursprung für Geschäftsleitungen. Gerne beraten wir Sie individuell zum Thema Präferenzabwicklung oder helfen Ihnen, diese Präferenzkalkulation im ERP-System abzubilden. Natürlich bieten wir auch eine softwaregestützte Lösung «PCALC4ERP» für eine automatisierte Präferenzkalkulation in SAP an.

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