Freihandelsabkommen 

CETA, NAFTA und TTIP: Freihandelsabkommen sind in aller Munde und bewegen die Gemüter. Kaum wird ein neues Freihandelsabkommen abgeschlossen, wenden es Unternehmen natürlich sofort an. So auch geschehen beim Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China. Doch damit die Zölle wirklich eingespart werden können, müssen Unternehmen sich entsprechend darauf vorbereiten; denn es gibt viele Punkte, die beachtet werden müssen, dass die so genannten «tarifären Handelshemmnisse» aufgehoben werden. Finesolutions zeigt Ihnen, wie ein Freihandelsabkommen im Detail aussieht.

 

Einführung

Das letzte Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und einem anderen Land trat am 1. Juni 2018 in Kraft. Es handelt sich dabei um das Freihandelsabkommen mit den Philippinen. Genau genommen handelt es sich nicht um ein bilaterales Freihandelsbkommen zwischen der Schweiz und einem anderen Land, sondern um ein multilaterales. Unter der Federführung der EFTA (steht für «Europäische Freihandelsassoziation») mit den Mitgliedsstaaten Island, Liechtenstein, Norwegen als auch der Schweiz wurde jenes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Sie sehen also: Die Vielfalt an solchen Handelsabkommen ist gross. Gehen wir nur ins Detail. 

Ein Freihandelsabkommen ist ein Vertrag zwischen zwei Partner – dies können nur einzelne Staaten oder ganze Wirtschaftsräume wie die EU sein – und soll den freien Handel von nicht nur Waren gewähren, sondern oft auch Dienstleistungen. Es sollen unter den Partnern Handelshemmnisse sofort oder schrittweise abgebaut werden.

Freihandelsabkommen Schweiz und EU

Handelshemmnisse

 Es gibt zwei Arten von Handelshemmnissen:  

  • Einerseits ist von «nicht-tarifären Handelshemmnissen» die Rede, wenn Vorschriften bestehen, die den grenzüberschreitenden Handel erschweren oder wenn Waren mengenmässig zum Import beschränkt werden. 
  • Andererseits wird von «tarifären Handelshemmnissen» gesprochen, wenn Zollabgaben und andere Importsteuern auf Waren erhoben oder beispielsweise auch Exportsubventionen geleistet werden. 

Mit dem Inkrafttreten von Freihandelsabkommen werden vor allem die tarifären Handelshemmnisse abgebaut, da diese leichter «zu greifen» sind. Schliesst die Schweiz alleine oder zusammen mit der EFTA neue Freihandelsabkommen mit anderen Ländern oder Ländergruppen ab, so werden die Zollsätze von vielen Waren auf null gesetzt. Davon profitiert die Wirtschaft mit tieferen Produktionskosten und Verkaufspreisen im Detailhandel. 

Um die Waren differenziert von Zöllen befreien zu können, greifen die Freihandelsabkommen auf die weltweit angewandte und einheitlich aufgebaute Zolltarifnomenklatur (so genanntes «Harmonisiertes System zur Bezeichnung und Codierung von Waren») zurück. Für Sie bedeutet das konkret, dass Sie die Zollbefreiungen direkt bei den einzelnen Zolltarifnummern im «Tares» wahrnehmen.  

Da die Schweiz und viele andere Länder die eigene landwirtschaftliche Produktion schützen wollen, umfassen die Freihandelsabkommen meist nur einen (sofortigen) Zollabbau bei den Zolltarifkapiteln 25 bis 97 oder vereinfacht gesagt «Industriegütern». Für die Landwirtschaft- und Lebensmittelprodukte der Zolltarifkapitel 1 bis 24 schliesst die Schweiz bilateral (nicht im Verbund mit der EFTA) eigene Freihandelsabkommen mit den einzelnen Ländern ab. In diesem Freihandelsabkommen werden die Zollsätze meist nur reduziert und nicht ganz abgeschafft. 

 

Förderung der Produktion mit Waren aus Vertragsländern (so genannte «Kumulation») 

Ein weiteres Ziel von Freihandelsabkommen ist die Förderung der Produktion in den Vertragsländern mit Waren von diesen. 

Wenn wir nun das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Mexiko betrachten, so ist es nun möglich, dass beispielsweise eine Flüssigkeitspumpe in der Schweiz zusammengebaut wird – mit der Verschalung von einem Schweizer Lieferanten, eines Ventils aus Liechtenstein und eines Kolbens aus Norwegen. Aus all diesen Ländern beziehungsweise vom Schweizer Lieferanten kann das Schweizer Unternehmen die Pumpenbestandteile aufgrund des Abkommens mittels gültigen Präferenznachweisen zollfrei importieren oder im Falle des Schweizer Lieferanten mittels gültiger Lieferantenerklärung beziehen, hier zusammenbauen und die fertige Pumpe mit einem Präferenznachweis nach Mexiko exportieren; auch dort kann die Pumpe zollfrei importiert werden.  

Wann wird eine Ware zu einer zollfreien (präferenzbegünstigten) Ware im Sinne eines Freihandelsabkommens? 

Oft gehen Firmen davon aus, dass bei Inkrafttreten eines Freihandelsabkommens automatisch alle Waren zollfrei gehandelt werden können. Wie Sie in dieser Fachbegriffserklärung ebenso erfahren, ist die Absicht eines Freihandelsabkommens jedoch immer auch die Förderung der Produktion in den jeweiligen Vertragsländern. 

Aus diesem Grund muss eine Ware in einem Vertragsstaat so weit bearbeitet werden, dass Sie so genannte «präferenzielle Ursprungseigenschaft» innerhalb der Vertragsstaaten erlangt. Wichtige Bestandteile eines Freihandelsabkommens sind die so genannten «Listenregeln» als auch das Prinzip der «Minimalbehandlung», die vorgeben, wie weit eine Ware bearbeitet werden muss, damit diese zollfrei innerhalb der Vertragsländer gehandelt werden dürfen. Mehr zu den «Listenregeln» erfahren Sie in unserer Fachbegriffserklärung dazu. Ausserdem erklären wir Ihnen den Begriff «Minimalbehandlung» in der Fachbegriffserklärung zum Thema «Präferenzkalkulation». 

Wie finesolutions Ihnen beim Thema Freihandelsabkommen helfen kann?

Nicht immer lohnt es sich für Industriebetriebe von Freihandelsabkommen zu profitieren, da der Aufwand aufgrund der Berücksichtigung der Listenregeln sowie die daraus folgenden Präferenzkalkulationen gross sein kann. In einer Analyse über den Nutzen von Freihandelsabkommen basierend auf Ihrem Exportvolumen klären wir für Sie ab, ob sich der Aufwand für Sie wirklich lohnt. 

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