EUR.1

Präferenzieller Warenursprung 25.03.2022 von Lea Derendinger
Lesezeit 28 min Kommentare 16

Die Warenverkehrsbescheinigung (WVB) EUR.1 ist ein Präferenznachweis und kommt nur für grenzüberschreitende Warenlieferungen unter bestimmten Bedingungen zur Anwendung.

Sie bemächtigt den Importeur zur zollfreien oder zollbegünstigten Einfuhr. Die EUR.1 ist nur anwendbar für den Warenverkehr mit Ländern, mit denen die Schweiz / EFTA ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. Zudem müssen die entsprechenden Kriterien des jeweiligen Freihandelsabkommens erfüllt werden.

Wir erklären Ihnen nachfolgend im Detail alles rund um die EUR.1 aus Schweizer Sicht mit Beispielen. Und was der Unterschied zu anderen Ursprungsnachweisen ist.

finesolutions Hinweis

Unsere Fachbeiträge sollen Verantwortliche in Firmen bei der täglichen Arbeit unterstützen. Viele Themen sind teils sehr komplex und wir möchten darauf hinweisen, dass unsere Beiträge keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Wir sind bestrebt, die Inhalte jeweils stets aktuell zu halten, bieten dafür aber keine Garantie.

Der Exporteur / Importeur ist selbst für die Einhaltung der relevanten Gesetzgebungen verantwortlich.

1. Was ist eine EUR.1?

Die Warenverkehrsbescheinigung (WVB) EUR.1:

  • ist ein Präferenznachweis in Form eines Formulars
  • dient dazu, im Bestimmungsland der Ware von Zollvorteilen zu profitieren
  • ist ein Wertpapier und bemächtigt den Importeur zur zollfreien oder zollbegünstigten Einfuhr


Für Sie als Vertreter eines exportierenden Unternehmens ist es wichtig zu wissen, dass die EUR.1 nur anwendbar ist für den Warenverkehr mit Ländern, mit denen die Schweiz/EFTA ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. Dazu müssen die entsprechenden Kriterien des jeweiligen Freihandelsabkommens erfüllt werden.

In welchen Freihandelsabkommen die EUR.1 zur Anwendung kommt und welche weiteren Ursprungsnachweise bestehen, finden Sie unter unserem Fachbegriff Präferenznachweis.

Wenn Sie als importierendes Unternehmen für Ihre Waren Zölle zahlen, lohnt es sich zu prüfen, ob Ihr Lieferant aus dem Ausland eine EUR.1 ausstellen könnte. Denn Ursprungswaren aus Staaten, mit denen ein Freihandelsabkommen besteht, können meist zollfrei oder zu reduzierten Zollansätzen eingeführt werden. So können Sie womöglich beim Import Ihrer Waren Zoll sparen. Die reduzierten Zollansätze sind im Zolltarif – Tares für jedes Land ersichtlich.

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finesolutions Praxisbeispiel

Sie bestellen Kugellager der Tarifnummer 8482.1020 von Ihrem Lieferanten aus Deutschland.

  • Das Bruttogewicht der Sendung beträgt 400 kg
  • Der Zollansatz für die Kugellager liegt gemäss Tares bei
    CHF 225.00 / je 100 kg brutto
  • Sie zahlen also für diese eine Sendung
    CHF 900.00 Zollabgaben
    (400 kg : 100 = 4 kg x CHF 225.00)


Im Tares ist für diese Ware aus der EU jedoch auch ein reduzierter Zollansatz vorgesehen, nämlich:

  • CHF 0.00 / je 100 kg brutto


Das heisst, wenn Ihr Lieferant aus Deutschland eine EUR.1 ausstellen würde, müssten Sie keine Zollabgaben bezahlen.

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Wenn Ihnen Ihr Lieferant aus der EU Waren liefert, die er in einem Land eingekauft hat, mit dem die EU kein Freihandelsabkommen hat, zahlen Sie beim Import in die Schweiz Zoll.
Wenn die Schweiz mit diesem Land jedoch ein Abkommen hat und die Güter würden direkt zu Ihnen geliefert werden, würden Sie vom Abkommen profitieren und die Ware könnte zollfrei importiert werden.


Die Präferenzbelege sind aber nicht nur dafür da, dass Sie bei der Einfuhr Zollabgaben sparen.

Wenn Sie die aus dem Ausland eingeführten Vormaterialien für Ihre Produktion weiterverwenden, sind Vorursprungsbelege im Einkauf wesentlich, da Sie diese Vormaterialien in Ihrer Präferenzkalkulation für den Export positiv rechnen können.

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Wie finesolutions Ihnen beim Thema Import helfen kann?

Wir prüfen Ihre Ursprungsbelege und Veranlagungsverfügungen auf Richtigkeit. Zudem zeigen wir Ihnen im Rahmen einer Zollkostenanalyse, wie Sie langfristig Zollabgaben einsparen und welche Lieferanten Ihnen falsche Zollpapiere und Daten liefern.

2. Was wird mit einer EUR.1 bestätigt?

Sie als Ausführer einer Ware bestätigen mit der EUR.1 den präferenziellen Ursprung der Güter, also dass die Produkte z. B. in der Schweiz vollständig hergestellt oder genügend bearbeitet wurden. Der Nachweis belegt auch, dass das Listenkriterium des Freihandelsabkommens erfüllt wurde und Sie im Besitz der Präferenzkalkulation und der entsprechenden Vorursprungsnachweise sind.

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Die Person, welche die EUR.1 unterzeichnet, haftet für die Richtigkeit der Angaben. Die Präferenzeigenschaft der Güter muss dabei belegbar sein.

3. Was ist der Unterschied zwischen einer EUR.1 und der Ursprungs­er­klä­rung in der Rechnung?

Anstelle einer EUR.1 können Sie als Exporteur der Waren auch eine Ursprungserklärung in der Rechnung ausstellen, sofern der Warenwert unterhalb der jeweiligen Wertgrenzen des Freihandelsabkommens liegt.

Diese Ursprungserklärung (umgangssprachlich auch Präferenztext, Rechnungserklärung (RE), Ursprungstext, Präferenzsatz oder auch Ursprungssatz genannt), welche auf einer Rechnung oder einem Handelspapier angedruckt wird, ist ein weiterer Präferenznachweis im Sinne der Freihandelsabkommen. Wie dieser Text genau lauten soll, ist wiederum in den einzelnen Freihandelsabkommen festgehalten.


Sofern Sie die Bewilligung für den Ermächtigten Ausführer erlangen möchten, um die Präferenznachweise in vereinfachter Form und ohne Wertgrenzen zu erstellen, unterstützen wir Sie gerne mit unserem Angebot Ermächtigter Ausführer werden / bleiben.

4. Wann wird eine EUR.1 ausgestellt?

Grundsätzlich gilt, dass das Ausstellen eines Präferenznachweises und somit die Nutzung von Freihandelsabkommen für Sie immer freiwillig ist. Sie müssen keine EUR.1 ausfüllen, sondern können die Ware auch ohne EUR.1 versenden. Die Güter werden dann zum normalen Zollansatz im Bestimmungsland verzollt.

Fallen im Bestimmungsland hohe Zollabgaben an, lohnt es sich einen Präferenznachweis auszustellen, sofern Sie geprüft haben, ob die Güter auch wirklich präferenzbegünstigt sind.

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Bevor Sie mit dem Ausstellen von Präferenznachweisen beginnen, müssen Sie Ihr Unternehmen darauf vorbereiten. Besorgen Sie sich das dazu benötigte Wissen am Seminar & Webinar Präferenzieller Warenursprung – an einer öffentlichen Veranstaltung oder als Inhouse Seminar / Webinar für Ihre Firma.

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5. Was sind die Voraus­set­zungen, um eine EUR.1 auszustellen?

Bevor Sie eine EUR.1 ausstellen, sollten Sie sich unbedingt folgende Fragen stellen:

  • Welche Zolltarifnummer hat mein Produkt?
  • Bezahlen wir oder unser Kunde im Bestimmungsland Zölle auf unseren Waren?
  • Hat die Schweiz/EFTA ein Freihandelsabkommen mit dem Bestimmungsland?
  • Muss zwingend eine EUR.1 ausgestellt werden oder reicht eine Ursprungserklärung auf der Rechnung?
  • Ist die EUR.1 im entsprechenden Freihandelsabkommen als Ursprungsnachweis vorgesehen?

Nach diesen ersten Schritten können Sie prüfen, ob Ihre Ware auch wirklich präferenzbegünstigt ist.
Dafür müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Als Bearbeitung wurde mehr als nur eine Minimalbehandlung durchgeführt
  • Für die gefertigte Ware wurde eine Präferenzkalkulation erstellt
  • Die Vorursprungsbelege (für Vormaterialien aus der Schweiz: Lieferantenerklärungen – bei solchen aus dem Ausland: eVV Import und Präferenznachweis der ausländischen Lieferanten) sind vorhanden
  • Die Listenregel wird erfüllt


Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, können Sie einen Ursprungsnachweis ausstellen.

6. Für welche Länder kann eine EUR.1 ausgestellt werden?

In den Bestimmungen der jeweiligen Freihandelsabkommen ist definiert, welcher Präferenznachweis in welchem Abkommen gültig ist. In dieser Übersicht sehen Sie:

  • für welche Länder eine EUR.1 ausgestellt werden kann
  • die Gültigkeitsdauer EUR.1
  • und welche weiteren Vorschriften zu beachten sind

Eine Übersicht der Freihandelsabkommen, in denen die EUR.1 zur Anwendung kommt, erhalten Sie im Fachbegriff Präferenznachweis.

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In fast allen Freihandelsabkommen sind Vereinfachungen für Ermächtigte Ausführer vorgesehen. So können Sie als Ermächtigter Ausführer anstelle einer EUR.1 eine Ursprungserklärung ausstellen. Für gewisse Länder ist bei einer gewünschten Präferenzbestätigung jedoch zwingend eine EUR.1 zu erstellen, da die Rechnungserklärung nicht anerkannt wird (Bsp.: GCC-Staaten wie Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate).

Haben Sie den Status als Ermächtigter Ausführer nicht, können Sie mit gewissen Einschränkungen trotzdem eine Ursprungserklärung erstellen. Sie müssen die klar definierten Wertgrenzen einhalten und die Erklärung muss im Original unterschrieben werden. Auch der Wortlaut ist je nach Land genau vorgeschrieben. Übersteigt der Sendungswert die Wertgrenze, dürfen Sie keine Rechnungserklärung ausstellen.

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Im Abkommen mit Japan und China dürfen nur Ermächtigte Ausführer eine Rechnungserklärung ausstellen. Alle anderen Firmen ohne diesen Status müssen die papiergestützten Präferenznachweise erstellen, um von Zollvorteilen zu profitieren:

  • CH-Japan:
    EUR.1 in englischer Sprache, für nicht Ermächtigte Ausführer
  • CH-China:
    EUR.1 CN (spezielles Formular) in englischer Sprache, für nicht Ermächtigte Ausführer

Denken Sie daran: falls im Bestimmungsland keine Zölle erhoben werden, oder wenn die Zollabgaben minimal sind, lohnt sich das Ausstellen eines Präferenznachweises nicht. Es kann aber sein, dass Ihr Kunde auf die Präferenzeigenschaft der Güter angewiesen ist, da er diese in sein Produkt verbaut oder reexportiert.

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Sie denken darüber nach, den Status als Ermächtigter Ausführer zu beantragen? Die Bewilligung für den Erhalt dieses Status wird nicht ohne Weiteres erteilt und es müssen gewisse Vorbereitungen innerhalb der Firma getroffen werden. Gerne beraten wir Sie, ob sich der Aufwand für Sie lohnt und falls ja, unterstützen wir Sie gerne bei der Beantragung.

7. Für welche Länder kann keine EUR.1 ausgestellt werden?

Es gibt Länder, in welchen die EUR.1 nicht anerkannt wird. Für diese Lieferungen sind nur Ursprungserklärungen auf der Rechnung als Präferenznachweis vorgesehen (Bsp.: Hongkong, Südkorea, Philippinen, Indonesien, Kanada, Singapur, Ecuador).

Zudem gibt es zahlreiche Länder, mit denen die Schweiz / EFTA kein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat (Bsp.: USA). Für diese können Sie natürlich keinen Präferenznachweis ausstellen. Eine EUR.1 für eine Lieferung in die USA würde von der Zollbehörde auch nicht beglaubigt / gestempelt werden.

8. Darf ein Ermäch­tigter Ausführer eine EUR.1 ausstellen?

Grundsätzlich sollten Sie als Ermächtigter Ausführer keine EUR.1 ausstellen, da dies zusätzlichen administrativen Aufwand für Ihr Unternehmen und auch für die Zollbehörden generiert.

Sie besitzen als Ermächtigter Ausführer eine Bewilligung und müssen sich an die vorgeschriebenen Pflichten im Zusammenhang mit dem EA-Status halten. Sie erhalten von der Zollbehörde eine Vereinfachung mit dieser Bewilligungsnummer und falls Sie diese Vereinfachung oftmals nicht nutzen, kann Ihnen die Bewilligung wieder entzogen werden. Die Vereinfachung ist nämlich, dass Sie keine EUR.1 erstellen müssen, sondern die Rechnungserklärung anwenden dürfen, egal bei welchem Warenwert.

  • Nur in einem Freihandelsabkommen ist die Rechnungserklärung nicht vorgesehen:
    Abkommen EFTA-GCC-Staaten
    (Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate)

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Einige Länder, wie z. B. die Türkei, verlangen immer wieder eine EUR.1 und akzeptieren die Rechnungserklärung nicht als Präferenznachweis. Im Abkommen EFTA-Türkei ist aber klar festgehalten, dass Ermächtigte Ausführer die Ursprungserklärung auf der Rechnung andrucken dürfen und keine EUR.1 erstellen müssen.

Empfehlung des BAZG vom 5. September 2022: Die Türkischen Zollbehörden beanstanden vermehrt Ursprungserklärungen und EUR.1 in welchen die Bezeichnung «Türkei» verwendet wird. Deshalb empfiehlt das BAZG entweder den ISO-Code TR zu verwenden oder «Türkiye» anstelle von «Türkei» zu deklarieren.

9. Wer darf eine EUR.1 ausstellen?

Grundsätzlich wird die EUR.1 durch den Exporteur der Ware ausgestellt. Sie können aber auch einen Vertreter (Bsp. Spediteur) beauftragen, in Ihrem Namen die EUR.1 auszustellen.

Dafür müssen Sie dem Vertreter eine entsprechende Vollmacht zusenden. Diese ist sendungsbezogen und wird dem Schweizer Zoll mit der EUR.1 zur Beglaubigung (abstempeln) vorgelegt. Die Verantwortung für die Richtigkeit der EUR.1 tragen jedoch immer Sie als Ausführer.

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Sie als Ausführer müssen auf Verlangen der Zollbehörde jederzeit alle zweckdienlichen Unterlagen zum Nachweis der Ursprungseigenschaft der Ware, sowie der Erfüllung der Voraussetzungen des entsprechenden Freihandelsabkommens, vorlegen können. Dazu gehören unter anderem Vor-Ursprungsnachweise von ausländischen Lieferanten oder Lieferantenerklärungen für aus der Schweiz bezogene Ware.

10. Muss die EUR.1 vom Schweizer Zoll beglau­bigt werden?

Ja. Beim Export müssen Sie oder Ihr Frachtführer/Spediteur die EUR.1 grundsätzlich beim Grenzübertritt der Ausfuhrzollstelle zusammen mit der Ausfuhrzollanmeldung zur Beglaubigung (stempeln) vorlegen. Ist Ihr Spediteur «Zugelassener Versender» kann er die EUR.1 für Sie auch bei einer Inlandzollstelle beglaubigen lassen.

Beim Import in die Schweiz wird die von Ihrem Lieferanten ausgestellte EUR.1 durch den Zolldeklaranten auf formelle Richtigkeit überprüft. Wenn Sie einen Spediteur oder Verzollungsdienstleister für die Importverzollung beauftragt haben, ist dies die Aufgabe des Zolldeklaranten.

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Es kommt oft vor, dass wir bei unserer Zollkosten-Analyse feststellen, dass ein Präferenznachweis eines Lieferanten immer wieder formelle Fehler aufweist und Sie als Importeur regelmässig Zölle für diese Produkte bezahlen.

Oftmals genügt ein Telefonat an den Lieferanten, dass er zukünftig die EUR.1 anders ausstellen muss, damit die Zollvergünstigungen auch gewährt werden. Werfen Sie also einen Blick auf die jeweiligen EUR.1 oder Rechnungserklärungen, damit Sie solche Unstimmigkeiten aufdecken können.

11. Gibt es eine digitale oder elektro­ni­sche EUR.1?

Für den Export aus der Schweiz ist die Erstellung einer elektronischen / digitalen EUR.1 noch nicht möglich. Die EUR.1 muss nach wie vor auf ein offizielles Formular des BAZG ausgedruckt werden, mit fortlaufender Nummerierung oben rechts. Die EUR.1 muss im Original den Sendungspapieren beigelegt werden, damit diese vom Zoll vor der Ausfuhr der Waren beglaubigt wird. Im Bestimmungsland muss auch das Originalformular vorliegend sein, damit Sie von einer zollfreien oder zollbegünstigten Einfuhr profitieren können.

Im Handelsabkommen CH-UK ist die elektronische / digitale EUR.1 geplant (siehe Artikel 20 bis), jedoch sind beide Seiten der Zollbehörden noch nicht bereit, dass diese elektronische EUR.1 schon ausgestellt werden kann.

12. Wo kann ich ein EUR.1 Formular bestellen?

Das Bundesamt für Bauten und Logistik ist die zentrale Vertriebsstelle für Bundespublikationen. Im Shop Bundespublikationen können Sie das EUR.1 Formular für die Ausfuhr bestellen. Die EUR.1 Formulare haben eine eindeutige Nummerierung und Sie können die EUR.1 mit einer Vorlage am PC und einem Laserdrucker erstellen.
Es gibt drei Blätter in einem Formular-Satz:

  1. Blatt: Original EUR.1 (begleitet die Ware bis ins Bestimmungsland)
  2. Blatt: Kopie für den Exporteur (muss der Zollstelle nicht vorgelegt werden)
  3. Blatt: Kopie für die Ausfuhrzollstelle (wird bei der Ausfuhrzollstelle bei der Beglaubigung entfernt und verbleibt beim Zoll)

12. Wie fülle ich eine EUR.1 aus?

Hier finden Sie die Erklärung zu den einzelnen Feldern:

Klicken um Tabelle zu öffnen

Vorderseite
Feld 1 Ausführer
Name, vollständige Anschrift und Staat des Ausführers
Feld 2 Bescheinigung für den Präferenzverkehr zwischen der Schweiz und siehe Feld 5 Hier muss nichts ausgefüllt werden.
Feld 3 Empfänger (optional)
Name, vollständige Anschrift und Staat des Empfängers
Feld 4 Ursprungsstaat

Ursprungsstaat der Ware (Staat, Staatengruppe oder das Gebiet, als dessen bzw. deren Ursprungswaren die Waren gelten)

Achtung: Der Ursprung verändert sich durch den Import in die Schweiz NICHT. Wenn die Ware beispielsweise in China produziert wurde, bleibt der Warenursprung China.

Für türkische Ursprungswaren soll das Wort «Türkiye» oder der ISO-Code TR verwendet werden.

Für EU-Ursprungswaren muss EU oder CE ausgefüllt werden, nicht einzelne EU-Länder.

Feld 5 Bestimmungsstaat
Bestimmungsstaat der Ware (Bestimmungsstaat, -staatengruppe oder -gebiete)

Hier ist der entsprechende Vertragspartner anzugeben.

Für Lieferungen in ein EU-Land ist die Abkürzungen EU oder CE zu verwenden.

Für Lieferungen in die Türkei soll das Wort «Türkiye» oder der ISO-Code TR verwendet werden.
Feld 6 Angaben über die Berförderung (optional)
Angaben zur Beförderung der Ware.
Feld 7 Bemerkungen Auszufüllen im Freihandelsabkommen EFTA-Mexiko.

Falls nach dem revidierten PEM-Übereinkommen CH-EU die Präferenzeigenschaft ermittelt wurde, wird hier der Vermerk «Transitional Rules» angebracht.
Feld 8 Laufende Nummer; Zeichen, Nummer, Anzahl der Packstücke; Warenbezeichnung

Die Waren sind so genau zu bezeichnen, dass ihre Nämlichkeit festgestellt werden kann.

Bei unverpackten Waren ist die Anzahl der Gegenstände oder 
«lose geschüttet» anzugeben.

Unter der letzten Eintragung ist ein waagrechter Strich zu ziehen.

Bei umfangreichen Sendungen kann hier auch auf eine Rechnung oder eine angehängte Liste verwiesen werden. Falls Sie unsere e-dec Software ExpoWin im Einsatz haben, werden für umfangreiche Sendungen automatisch zwei EUR.1 generiert.   

Feld 9 Rohgewicht
Bruttogewicht (Rohmasse, Rohgewicht) der Ware in kg, l, etc.
Feld 10 Rechnungen (optional)
Rechnungsnummer
Feld 11 Sichtvermerk der Zollbehörde Wird durch die Zollbehörde ausgefüllt.
Feld 12 Erklärung des Ausführers
Ort, Datum und Originalunterschrift (Der Unterzeichner erklärt, dass die vorgenannten Waren die Voraussetzungen erfüllen, um diese Bescheinigung zu erlangen)

Klicken um Tabelle zu öffnen

Rückseite (Blatt 2 + 3): Die Rückseite enthält die Erklärung des Ausführers, worin er die Richtigkeit der ausgestellten WVB erklärt)
Erstes Leerfeld (Beschreibung des Sachverhalts)
Aus dieser Angabe muss ersichtlich sein, dass die Waren die vorgesehenen Ursprungsregeln des Freihandelsabkommens erfüllen.

Statt einer detaillierten Umschreibung kann der Vermerk «Alle Kriterien erfüllt, um einen Ursprungsnachweis auszustellen» angegeben werden.
Zweites Leerfeld (Beweismittel)
Hier wird bestätigt, dass alle Unterlagen vorliegen, welche den Präferenzursprung belegen/nachweisen. «Belege liegen beim Exporteur»
Unten rechts
  • Ort, Datum und Originalunterschrift
  • Firmenstempel oder Angabe der kompletten Firmenangaben

Eine Übersicht über die besonderen Ausfüllvorschriften für die EUR.1 je Land und Freihandelsabkommen sehen Sie hier:

14. Wie kann ich die EUR.1 korrigieren?

Wenn Sie beim Ausfüllen einer EUR.1 merken, dass Sie etwas Falsches eingetragen haben oder sich verschrieben haben, dürfen Sie diese Angaben auf keinen Fall radieren, überschreiben oder mit Tipp-Ex arbeiten. Die falschen Eintragungen müssen Sie also durchstreichen und gegebenenfalls die richtigen Eintragungen neu hinzufügen.

Formelle Fehler dürfen grundsätzlich nur vom Ausführer (also von Ihnen), oder bei Vorliegen einer Vollmacht, vom Vertreter (z.B. Spediteur) behoben werden.

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Jede Änderung muss von der Schweizer Ausfuhrzollstelle bestätigt werden (Zollstempel bei den korrigierten Stellen). In der Praxis sehen wir aber oft, dass die Korrektur durch die Zollstelle nicht beglaubigt wird, weil es zum Beispiel vom Zöllner übersehen wird. Werden die Korrekturen in der EUR.1 vom Schweizer Zoll nicht bestätigt, wird das EUR.1 im Bestimmungsland nicht akzeptiert.

Achtung: Es gibt zudem Länder die per se korrigierte EUR.1 nicht akzeptieren. Daher empfehlen wir Ihnen, lieber eine neue EUR.1 zu erstellen, anstatt die falschen Eintragungen zu korrigieren.

15. Gibt es eine Vorlage für die EUR.1?

Ja. Gerne stellen wir Ihnen unsere PDF-Vorlage für die Erstellung einer Schweizer EUR.1 (Vorder- und Rückseite) mit einer Ausfüllhilfe (Stand November 2021) per E-Mail zu. Bitte beachten Sie, dass wir diese nur für die Browser von Google (Chrome) und Microsoft (Edge) unter Windows-Betriebssystemen (10, 11) getestet haben. Mit anderen Browsern und Betriebssystemen funktioniert sie allenfalls nicht (Texte fehlen, sind verzerrt etc.).

Die Vorlage kann auch für die Erstellung der EUR.1 CN verwendet werden, da die Formularfelder identisch sind.

Unsere EUR.1‑Vorlage

Mit unserer EUR.1-Vorlage erstellen Sie diese Dokumente ganz einfach. Interessiert?
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Vorschau EUR-1 Vorlage
  • Sparen Sie Zeit beim Ausfüllen
  • Inklusive hilfreicher Anleitung
  • Übernehmen Sie Texte einfach in die Vorlage

Hier finden Sie ein Muster (Vorderseite) einer EUR.1 im Verkehr zwischen der Schweiz und der EU:

In der folgenden Abbildung können Sie sehen, wie die Rückseite einer EUR.1 Schweiz-EU korrekt ausgefüllt wird:

16. Muss die EUR.1 in der Zollan­mel­dung erfasst werden?

Ja. In der Ausfuhrzollanmeldung ist die EUR.1 mit der Nummer zu vermerken, damit sie in der Ausfuhrliste e-dec Export in den Kopfdaten als «Vorpapier» erscheint.

Auch bei importierten Gütern muss der Präferenznachweis in der Einfuhrliste erfasst werden und ist danach in der eVV Import im Feld «Unterlagen» für den Importeur zu erkennen.

17. EUR.1 CN für den Export nach China – was ist speziell zu beachten?

Wenn Sie nicht Ermächtigter Ausführer sind, können Sie für Exporte nach China die spezielle Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 CN ausstellen. Die formellen Anforderungen dafür finden Sie hier:

  • EUR.1 CN Vorderseite muss in englischer Sprache ausgefüllt werden
  • In der Rubrik 8 benötigt es eine Angabe der sechsstelligen Zolltarifnummer je Position
  • Die Positionen müssen nummeriert sein und dürfen nicht mehr als 50 Positionen enthalten
  • Jede Position muss das Ursprungskriterium enthalten (WO, WP oder PSR):
    • WO = wholly obtained (gewonnen)
    • WP = wholly produced (hergestellt)
    • PSR = product specific rules (bearbeitet gemäss Liste)
  • Es ist eine Abschlusslinie unter die Auflistung der Positionen in Rubrik 8 zu ziehen
  • Rubrik 3 und Rubrik 10 sind zwingend auszufüllen

Die EUR.1 CN Formulare wurden per 1. September 2021 angepasst. Verwenden Sie keine alten Formulare mehr, welche vor der Änderung noch gültig waren, um Zollprobleme in China zu vermeiden. Im Shop Bundespublikationen können Sie EUR.1 CN Formulare gültig ab 01.09.2021 bestellen.

Sind Sie Ermächtigter Ausführer, dürfen Sie die Rechnungserklärung mit dem speziellen Wortlaut und der Serialnummer ausstellen. Im Warenverkehr nach China, müssen Sie sich als Ermächtigter Ausführer jedoch vorher für den «EACN-Datenaustausch» registrieren.

18. Was kann ich machen wenn die EUR.1 verloren gegangen ist?

Falls eine EUR.1 auf dem Transportweg verloren geht, gibt es die Möglichkeit ein «Duplikat» erstellen zu lassen. In der Rubrik 7 ist folgender Vermerk anzubringen: DUPLICATE. Das neu ausgefüllte EUR.1 ist mit einem Gesuch für ein Duplikat bei der zuständigen Regionalebene einzureichen. Folgende Unterlagen müssen mitgeschickt werden:

  • Das ausgefüllte EUR.1 mit Vermerk «Duplikat»
  • Der Ausfuhrnachweis (eVV Export und Frachtbriefdoppel)
  • Angabe der Nummer des ZAZ Kontos, auf welche die Gebühren verrechnet werden

20. Kann eine EUR.1 nachträg­lich ausgestellt werden?

Wenn Sie bei der Ausfuhr irrtümlicherweise keine EUR.1 ausgestellt haben, können Sie diese nachträglich erstellen. Dies kann auch erfolgen, wenn die EUR.1 aus formellen Gründen von den Zollbehörden des Bestimmungslandes nicht anerkannt worden ist.

In der Erklärung des Ausführers auf der Rückseite müssen Sie Ort und Zeitpunkt der Warenausfuhr sowie den Grund der nachträglichen Ausstellung angeben.
In Rubrik 7 ist der Vermerk «NACHTRÄGLICH AUSGESTELLT» in entsprechender Sprache anzugeben.

Gesuche um nachträgliche Ausstellung müssen Sie mit folgenden Belegen bei Ihrer zuständigen Regionalebene einreichen:

  • Der ausgefüllten EUR.1 mit Vermerk «ISSUED RETROSPECTIVELY»
  • Dem Ausfuhrnachweis (eVV Export und Frachtbriefdoppel)
  • Kopie der Exportrechnung
  • allen Beweismitteln zum Nachweis der Präferenzeigenschaft der ausgeführten Waren (Präferenzkalkulation bei gefertigten Erzeugnissen und dazugehörige Vorursprungsnachweise wie z. B. gültige Lieferantenerklärungen im Inland oder eVV Import und Präferenznachweis der ausländischen Lieferanten / Für Handelswaren müssen die gültigen Vorursprungsnachweise eingereicht werden)

Die oben genannten Unterlagen werden auch bei einer Ursprungsüberprüfung durch die Zollbehörde eingefordert. Dies bedeutet also, dass Sie für eine nachträgliche EUR.1-Beantragung alle Unterlagen einreichen müssen, wie bei einer Ursprungsüberprüfung.

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Prüfen Sie zuerst, ob sich der Aufwand für eine nachträgliche EUR.1 wirklich lohnt, oder ob Sie lieber die Zollabgaben im Bestimmungsland für Ihren Kunden rückvergüten. Wir sehen häufig Anträge an die Regionalebenen der Zollbehörde für eine nachträgliche EUR.1 Erstellung, bei welchen der Aufwand nicht im Verhältnis zu den Einsparungen der Zollabgaben steht. Oftmals wird auch vom Spediteur verlangt, dass eine solche erstellt wird. Denken Sie daran: Die Präferenzdeklaration ist freiwillig und Sie müssen dies nicht tun, damit die Sendung verzollt werden kann. Es fallen dann einfach Zollabgaben seitens Ihres Kunden an.

Falls zum Zeitpunkt der Einfuhr in die Schweiz keine EUR.1 vorliegt, können Sie die Sendung provisorisch abfertigen lassen. Mit der provisorischen Veranlagung werden die Abgaben sichergestellt und gleichzeitig wird eine Frist gesetzt. Innerhalb dieser Frist kann Ihr Lieferant den Präferenznachweis nachträglich liefern. Die Sendung wird bei Vorlage des Präferenznachweises, innerhalb der festgelegten Frist, zum Präferenzzollansatz verzollt.

Wenn eine an sich mögliche Präferenzveranlagung unterblieb (z. B. aus Versehen oder weil noch kein formell gültiger Ursprungsnachweis vorlag und auf eine provisorische Veranlagung verzichtet wurde), kann Ihnen Ihr Lieferant trotzdem nachträglich einen Präferenznachweis im Original ausstellen. Zwar zahlen Sie dann für den Import dieser Sendung die Zollabgaben zum Normalansatz, aber Sie haben für Ihre Ware, die unverändert wieder ausgeführt wird oder als Vormaterial für eine Ursprungsware dienen soll, den notwendigen Vorursprungsbeleg. Achtung: dieser muss durch Sie auf formelle Gültigkeit geprüft werden!

19. Was ist der Unterschied zwischen EUR.1 und EUR-MED?

Die EUR-MED Warenverkehrsbescheinigung (WVB EUR-MED) als Präferenznachweis wird nur im Zusammenhang mit Lieferungen innerhalb der PAN-EURO-MED Freihandelszone verwendet.

  • EURO-MED Länder (Mittelmeerländer und Westbalkanländer):
    Ägypten, Albanien, Algerien, Bosnien und Herzegowina, Färöer Inseln, Georgien, Israel, Jordanien, Kosovo, Libanon, Marokko, Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Syrien, Tunesien, Ukraine, Westjordanland und Gazastreifen
  • PAN-Zone (Paneuropäische Freihandelszone):
    EU, EFTA (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein), Türkei

Zusammen bilden die EURO-MED Länder und die PAN-Zone die PAN-EURO-MED Freihandelszone. Die Präferenzeigenschaft der Güter kann jedoch nicht in jedem Land uneingeschränkt weiterverwendet werden (Kumulierung oder Kumulation), und somit ist bei einer Ausstellung des EUR-MED Formulars immer die EURO-MED Matrix zu beachten:

Wenn alle beteiligten Länder und Gebiete untereinander das EURO-MED Ursprungsprotokoll bzw. das PEM-Übereinkommen anwenden, ist eine Kumulation möglich.

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finesolutions Hinweis

Die Kumulation innerhalb der PAN-EURO-MED Zone ist die komplexeste Ursprungsermittlung überhaupt. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie kumulieren können oder dürfen, fragen Sie bei uns nach. Wir unterstützen Sie gerne und effizient bei der Erstellung einer Präferenzkalkulation im Sinne der EURO-MED. Diese ist nicht gleich zu erstellen wie eine Präferenzkalkulation für ein bilaterales Freihandelsabkommen, da es diverse Eigenheiten zu beachten gilt. Bei Unsicherheit empfehlen wir, eher keine WVB EUR-MED zu erstellen, da jeder Präferenznachweis auch von den Zollbehörden überprüft werden kann. Sie müssen als Exporteur in der Lage sein, die EURO-MED Präferenz zu belegen und müssen die Kumulation verstanden haben.

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finesolutions Praxisbeispiel 1

Diagonale Kumulation/Eigenfertigung
Sie stellen eine Dampfturbine der Tarifnummer 8406 her und möchten diese nach Marokko exportieren. Ihr Kunde in Marokko verlangt von Ihnen einen EUR-MED Präferenznachweis.

Dampfturbine Stückliste:

Kondensator Import aus Deutschland mit EUR.1 CHF 350 35 %
Pumpe Einkauf von CH-Lieferanten mit Lieferantenerklärung (mit Kumulationsvermerk) CHF 150 15 %
Turbine Import aus China mit Präferenznachweis CHF 150 15 %
Weitere Teile Ohne Präferenznachweis CHF 100 10 %
Herstellkosten & Gewinn CH CHF 250 25 %
Ab-Werk-Preis  CHF 1'000 100 %

Dampfturbine Kalkulation

Das Listenkriterium gemäss Freihandelsabkommen EFTA-Marokko lautet:

  • Herstellen, bei dem der Wert aller verwendeten Vormaterialien 40 % des Ab-Werk-Preises des Erzeugnisses nicht überschreitet.
  • Es dürfen also maximal 40 % Drittland-Waren in der Stückliste enthalten sein.


In dieser Kalkulation ist der Kondensator aus der EU, die Turbine aus China und die «weiteren Teile» als Drittlandsanteil zu werten, was ein Gesamtanteil von Drittland-Waren von 60 % bedeutet. Sofern der Kondensator aus der EU mit einem Präferenznachweis EUR-MED importiert wird, kann dieser Anteil als Präferenzwaren im Sinne von einer EURO-MED Kalkulation verwendet werden. Die Kumulation innerhalb der PAN-EURO-MED Zone wird angewendet und bei einem EUR-MED Vorursprungsnachweis vom deutschen Lieferanten sind nur noch 25 % Drittlandsanteil vorhanden. Der Exporteur kalkuliert also nicht mehr nur im Abkommen EFTA-Marokko, sondern er nutzt die diagonale Kumulationsmöglichkeit in der PAN-EURO-MED Zone. Ob zwischen Marokko, der EU und der Schweiz kumuliert werden darf ist zuerst gemäss der EURO-MED Matrix zu prüfen. In diesem Beispiel ist dies möglich.

Resultat Praxisbeispiel 1

Sofern vom deutschen Lieferanten eine EUR-MED für den Import in die Schweiz erstellt wird, ist das Listenkriterium erfüllt, und das Produkt kann als Schweizer Ursprungsware nach Marokko exportiert werden. Für den Export darf eine EUR-MED (Vermerk «cumulation applied with EU») erstellt werden.

Ob überhaupt beim Export nach Marokko mit EU-Vormaterialien kumuliert werden kann, hängt somit von drei wichtigen Punkten ab:

  • Muss überhaupt kumuliert werden oder wird die Listenregel schon durch die Wertschöpfung in der Schweiz erfüllt?
  • Wurde das Vormaterial schon mit EUR-MED Nachweis eingekauft?
  • Ist eine Kumulation der beteiligten Staaten überhaupt erlaubt (in diesem Beispiel Marokko/EU/CH)? Dies ist in der EURO-MED Matrix zu prüfen.
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finesolutions Praxisbeispiel 2

Handelsware mit EUR-MED Nachweis

Ihr Lieferant in der EU liefert Ihnen Ware mit EU-Ursprung. Ihr Lieferant hat Ihnen eine EUR-MED mit der Angabe «no cumulation applied» ausgestellt. Danach verkaufen Sie die unveränderten Güter nach Marokko. Der Ursprung der Ware bleibt EU.

Resultat Praxisbeispiel 2

Für den Export nach Marokko erstellen Sie eine EUR.1 oder EUR-MED (Vermerk «no cumulation applied»), falls vom Käufer in Marokko gewünscht.

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finesolutions Praxishinweis

Wir sehen sehr oft, dass von EU-Lieferanten keine EUR-MED für Lieferungen in die Schweiz erstellt werden. Um exportseitig überhaupt EUR-MED Nachweise zu erstellen, benötigen Sie schon von Ihren Lieferanten EUR-MED Nachweise und dies umzustellen ist sehr zeitintensiv. Die Lieferanten verstehen oft nicht, wieso ein anderer Nachweis gefordert wird als eine EUR.1. Beginnen Sie also erst EUR-MED Nachweise zu erstellen, nachdem Sie überprüft haben, ob Sie wirklich alle nötigen EUR-MED Nachweise Ihrer Lieferanten besitzen.

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Wie finesolutions Ihnen beim Thema Freihandelsabkommen helfen kann?

Vielen Unternehmen fehlt beim Thema Ursprungsnachweise oder Präferenzkalkulation das nötige Wissen. Wir zeigen Ihnen wann eine EURO-MED Kumulation sinnvoll ist und ob sich der Aufwand für Sie lohnt. Mit der Wahl der richtigen Freihandelsabkommen und Freihandelszonen können Sie als Unternehmen hohe Kosten einsparen und unnötigen administrativen Aufwand reduzieren. Gerne unterstützen wir Sie im Rahmen einer Nutzenanalyse Freihandelsabkommen.

21. Was ist der Unterschied zwischen einer EUR.1 und einer Lieferantenerklärung?

Die EUR.1 kommt nur zur Anwendung, wenn die Präferenzeigenschaft des Produktes erfüllt ist und die Lieferung der Güter zwischen zwei Freihandelspartnern stattfindet, also grenzüberschreitend bei Import oder Export.

Die Lieferantenerklärung ist ein Präferenznachweis, welcher nur für Warenlieferungen innerhalb der Schweiz zur Anwendung kommt.

22. Was ist der Unterschied zwischen einer EUR.1 und einem Ursprungszeugnis?

Das Ursprungszeugnis bezieht sich auf den nichtpräferenziellen Ursprung und bestätigt den autonomen oder handelspolitischen Ursprung einer Ware. Es ist jedoch kein präferenzieller Ursprungsnachweis (Bsp. EUR.1) und bietet keine Grundlage für eine zollfreie oder ermässigte Einfuhr im Bestimmungsland. Oftmals wird in den Importvorschriften eines Bestimmungslandes vorgeschrieben, dass mit den Waren ein Ursprungszeugnis benötigt wird. Meistens ist es für Ihren Kunden nicht möglich, die Güter zu importieren, sofern er kein Ursprungszeugnis von Ihnen erhält. Dieses ist also wie ein «Eintrittsticket» in ein Bestimmungsland zu betrachten und bietet sonst keine Zollvorteile.

Die Ursprungszeugnisse (nichtpräferenziell) werden grundsätzlich von der Industrie- und Handelskammer ausgestellt. Die Ausstellung von Ursprungszeugnissen sollte nur dann beantragt werden, wenn die Kriterien des nichtpräferenziellen Ursprungs erfüllt wurden. Falls dies nicht der Fall ist, darf auch kein Ursprungszeugnis erstellt werden.

Die Ausstellung der Ursprungszeugnisse wird mit dem Beglaubigungsgesuch bei Ihrer Handelskammer durch Sie als Exporteur beantragt. Für den Export in gewisse Länder benötigen Sie zusätzlich eine beglaubigte Handelsrechnung in mehreren Exemplaren.

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Wie finesolutions Ihnen beim Thema Ursprungszeugnis helfen kann?

Überlassen Sie uns die Abklärung, welche Importformalitäten im Empfängerland Ihrer Ware erforderlich sind. Teilen Sie uns Ihre Zolltarifnummer sowie das Bestimmungsland mit und wir können Ihnen aufzeigen, welche Formalitäten Sie für den erfolgreichen Export sowie Import im Empfangsland brauchen und ob Sie für diese Lieferung ein Ursprungszeugnis erstellen müssen.

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16 Kommentare zu «EUR.1»

J. Okoniewski19. September 2022

Guten Tag Frau Derendinger,

vielen Dank für den ausführlichen und guten Artikel!

Wir versenden selbst hergestellte Produkte (Backwaren) von Deutschland in die Schweiz. Hier ist es häufig sehr aufwändig die EUR1 zu erstellen (Rezepturen, viele verschiedene Zolltarifnummern, etc.). Nun wurde mir gesagt, dass es eine Zertifizierung für Unternehmen gibt, um dieses Prozedere zu umgehen, bzw. sich das zu ersparen. Ist das korrekt? Und wenn ja, wie nennt sich diese Zertifizierung?

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen
J. Okoniewski

Lea Derendinger

19. September 2022

Sehr geehrter Herr Okoniewski

Herzlichen Dank für Ihre positive Rückmeldung zu unserem Artikel und Ihre Anfrage.

Diese Zertifizierung, um welche es geht, ist die Zertifizierung als Ermächtigter Ausführer. Sie können bei der deutschen Zollbehörde einen Antrag stellen für die Bewilligung als Ermächtigter Ausführer. Lesen Sie mehr dazu in unserem Beitrag Ermächtigter Ausführer. Ein Ermächtigter Ausführer muss im Verkehr EU-Schweiz keine EUR.1 mehr erstellen , sondern darf mit einer Ursprungserklärung in der Rechnung arbeiten, was eine Vereinfachung darstellt.

Ein Ermächtigter Ausführer muss gewisse Voraussetzungen/Pflichten erfüllen. Diese werden im Zuge des Bewilligungsantrags von den deutschen Zollbehörden geprüft und Sie erhalten nur eine Bewilligung, sofern Ihre Firma die Voraussetzungen erfüllt. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Voraussetzungen, zum Antragsformular etc. für deutsche Ermächtigte Ausführer.

Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und wünschen Ihnen weiterhin erfolgreiche Exportgeschäfte.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger

F. Lang29. August 2022

Sehr geehrte Frau Derendinger

Wie verhält es sich mit dem Ausfüllen von Feld 3, wenn Rechnungs- und Lieferadresse unterschiedlich sind. Wer ist nun der Empfänger?

Freundliche Grüsse
F. Lang

Lea Derendinger

29. August 2022

Sehr geehrte(r) Frau/Herr Lang

Vielen Dank für Ihre Anfrage via unsere Kommentarfunktion.

Im Normalfall tritt die Rechnungsadresse als Importeur der Waren auf und die Lieferadresse gilt nur für die Auslieferung der Güter. Im EUR.1 bei Feld 3 Empfänger wird immer der Importeur aufgeführt, sofern dieses Feld ausgefüllt wird. Im Normalfall entspricht dies dem Rechnungsempfänger.

Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und wünschen Ihnen einen schönen Tag.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Marco Mühlegger18. August 2022

Sehr geehrte Frau Derendinger

Da unser Spediteur es versäumt hat das EUR.1 Dokument am Zoll abstempeln zu lassen, möchten wir als Exporteur der Ware das EUR.1 nachträglich einreichen. Gemäss Aussage unseres Spediteurs ist das nicht möglich.

In Ihrem Beitrag unter Punkt 20 scheint eine nachträgliche Einreichung jedoch möglich. Bitte informieren Sie uns an welches Zollamt wir die geforderten Unterlagen einreichen müssen.

Wir sind eine Firma mit Sitz in Chur.

Vielen herzlichen Dank.
Freundliche Grüsse.

cora services gmbh
M. Mühlegger

Lea Derendinger

19. August 2022

Sehr geehrter Herr Mühlegger

Vielen Dank für Ihre Anfrage via unsere Kommentarfunktion.

Die Aussage des Spediteurs, dass dies nicht möglich sei, ist nicht korrekt. Eine nachträgliche EUR.1 kann via die zuständige Regionalebene beantragt werden.

Sie gehören zur Regionalebene Zoll Ost und dürfen das Gesuch um nachträgliche EUR.1 Erstellung an folgende E-Mail Adresse senden: zoll.ost_av@ezv.admin.ch

Beachten Sie, dass Sie die Präferenzkalkulationen und Vorursprungsbelege bei einer nachträglichen EUR.1 Erstellung vorlegen müssen. Diese Unterlagen reichen Sie zusammen mit dem Gesuch ein und die Regionalebene Zoll Ost prüft dann, ob die Präferenzeigenschaft für die Produkte gemäss EUR.1 erfüllt wurde. Nach erfolgreicher Prüfung wird das EUR.1 beglaubigt.

Ich hoffe, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der nachträglichen Beantragung des EUR.1.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Armin Wiedmaier8. Juni 2022

Sehr geehrte Frau Derendinger
Vielen Dank für den sehr guten und ausführliche Artikel.
Ich arbeite vorwiegend mit Belgien und Österreich.
Überrascht hat mich die Tabelle der Freihandelsabkommen in der die Wertgrenze bei 10‘300 aufgeführt ist. Ich bin bis jetzt davon ausgegengen, dass diese bei 6000 liegt. Habe ich das richtig verstanden ? Wäre für mich eien wesentliche Vereinfachung.

Betreffend EUR.1 betrifft mich dies als Importeur. Ich arbeite viel mit Web-Dec für Aus-, wie auch Einfuhr halt bis zum Betrag von 6000. Nun habe die Spedition für Belgien gewechselt von wo ich meistens komplette Lkw-Ladungen importiere. Ich möchte die Einfuhr auch hier selber machen um Kosten zu sparen. Ich habe ZAZ-Konto.
Die Frage für mich ist nun was muss ich machen da ein EUR.1 benötigt wird. Ausgestellt wird es ja, wie in ihrem Artikel beschrieben, vom Versender, also Exporteur.
Was muss ich machen ? Kann ich Import Web-Dec benutzen ? Brauche ich weitere Vorkehrungen zu treffen ?
Die nächste Sendung steht bereits nächste Woche an.
Vielen Dank für ihre Antwort.

Lea Derendinger

8. Juni 2022

Sehr geehrter Herr Wiedmaier

Vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung zu unserem Artikel. Das freut uns sehr.

Die Wertgrenze im Abkommen CH-EU liegt bei CHF 10'300 oder bei EUR 6'000. Wenn Ihre Lieferanten die Rechnung in EUR erstellen, müssen Sie die Wertgrenze von EUR 6'000 beachten und bei einer Rechnungswährung von CHF sind es die CHF 10'300. Dies nur, sofern die Lieferanten keine Ermächtigte Ausführer sind.

Die EUR.1 wird vom Ausführer erstellt und somit wäre es wichtig, dass Sie beim Lieferanten anfragen, ob ein Präferenznachweis erstellt werden kann. Sofern er eine Sendung unter der Wertgrenze liefert, darf er als nicht Ermächtigter Ausführer bis EUR 6'000 oder CHF 10'300 mit der Ursprungserklärung auf der Rechnung arbeiten. Bei höheren Sendungswerten ist eine EUR.1 zu erstellen. Sie benötigen für die Importzollanmeldung die Original EUR.1, welche vom ausländischen Zoll bei der Ausfuhrabfertigung abgestempelt wird. Im e-dec Web können Sie dann die EUR.1 oder die Rechnungserklärung im Feld der Vorgelegten Unterlagen deklarieren und die Präferenzabfertigung bei der Einfuhr anmelden.

Ich hoffe, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg im Aussenhandel.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Martin Eberle26. Oktober 2021

Liebe Frau Derendinger

Vielen Dank für Ihren ausführlichen Artikel, der mir sehr hilft bei der täglichen Arbeit! Er ist verständlich geschrieben und auch für mich als Neuling gut verständlich.

Darf ich noch kurz anfragen, ob Sie für das neue EUR.1 CN (aus der Schweiz) ebenfalls eine Vorlage anbieten?

Vielen Dank und freundliche Grüsse
M. Eberle

Lea Derendinger

26. Oktober 2021

Lieber Herr Eberle

Herzlichen Dank für Ihre positive Rückmeldung zu unserem Fachbeitrag. Es freut uns sehr, wenn wir Sie damit bei der täglichen Arbeit unterstützen dürfen.

Sie können für die Erstellung einer EUR.1 CN dieselbe Vorlage von uns benutzen, da die Feldgrösse der Formulare EUR.1 und EUR.1 CN identisch sind.

Was jedoch wichtig ist: Sie müssen neue EUR.1 CN Formulare im Webshop des Bundes bestellen, weil die Beschriftung der Felder seit 1. September 21 angepasst wurden. Von der Zollverwaltung werden nur noch EUR.1 CN gestempelt, wenn diese auf die neuen Formulare ausgedruckt wurden.

Was bei einer Erstellung einer EUR.1 CN sonst noch zu beachten ist, finden Sie unter der Frage: EUR.1 CN für den Export nach China – was ist speziell zu beachten?

Wir hoffen, dass wir Ihnen hiermit weiterhelfen konnten und wünschen Ihnen einen schönen Tag.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Anonymus6. August 2021

Sehr geehrte Frau Derendinger,
besten Dank für den informativen Artikel.
Ich hätte noch eine Frage zu der Kostenverteilung zwischen Verkäufer (Deutschland) und Käufer (Schweiz) der Ware.

In Ihrem Artikel steht:

"Grundsätzlich wird die EUR.1 durch den Exporteur der Ware ausgestellt. Sie können aber auch einen Vertreter (Bsp. Spediteur) beauftragen, in Ihrem Namen die EUR.1 auszustellen."

Wer trägt im Falle eines DAP Auftrags die Kosten für die EUR-1 Erstellung, bzw. wer trägt die Kosten falls eine EUR-1 seitens des Verkäufers nicht erstellt wurde und somit zusätzliche Zollgebühren anfallen?

Besten Dank im Voraus!

Lea Derendinger

6. August 2021

Guten Tag

Herzlichen Dank für Ihre Frage via unsere Kommentarfunktion und Ihre positive Rückmeldung zu unserem EUR.1 Fachbeitrag.

Die Kostenverteilung wird jeweils durch die vereinbarten Incoterms® 2020 geregelt. Bei der Lieferklausel DAP bezahlt der Käufer (Schweiz) alle Importabgaben im Bestimmungsland. Das heisst: Zollgebühren für die Verzollungsdienstleistung, Zollabgaben und MWST-Abgaben.

In der Klausel DAP ist jedoch auch folgende Regel beinhaltet: Unterstützung bei der Einfuhrabfertigung - Gegebenenfalls hat der Verkäufer den Käufer auf dessen Verlangen, Gefahr und Kosten bei der Beschaffung von Dokumenten für alle Einfuhrabefertigungsformalitäten zu unterstützen.

Dies bedeutet, dass der Käufer beim Verkäufer eine EUR.1 verlangen muss, falls der Käufer beim Import die Zollabgaben einsparen möchte. Der Verkäufer darf die Kosten für die EUR.1 Erstellung (z.B. durch den Spediteur) dem Käufer in Rechnung stellen. Dies muss natürlich vor dem Versand der Waren unter beiden Parteien geklärt werden. Zudem darf der Verkäufer auch mitteilen, dass die Waren keine Präferenzeigenschaft besitzen und deshalb keine EUR.1 erstellt werden darf.

Es ist also jeweils sinnvoll vor einer Lieferung oder sogar noch vor der Bestellung abzuklären, ob die Waren präferenzbegünstigt sind und mit einem Präferenznachweis geliefert werden können, da sonst beim Import eventuell hohe Zollabgaben anfallen können.

Ich hoffe, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Alla Machkur17. Juni 2021

Sehr geehrte Frau Derendinger,

herzlichen Dank für die rasche und kompetente Antwort.
Wir kalkulieren natürlich auch mit EU-Waren. Sollen wir in dem Fall "Kumulation mit EU-Länder angewendet" auf der Rechnung erwähnen und EUR-MED erstellen? Oder was ändert sich daran?

Vielen Dank im Voraus,
Alla Machkur

Lea Derendinger

17. Juni 2021

Sehr geehrte Frau Machkur

Wenn Sie nur das bilaterale Abkommen EFTA-Bosnien und Herzegowina anwenden, können in diesem Abkommen nur EFTA-Waren und Waren aus Bosnien und Herzegowina Präferenz besitzen.

Falls Sie in der Kalkulation auch EU-Waren positiv kalkulieren müssen, um die Listenregel zu erfüllen, haben Sie mit EU-Waren kumuliert. Dies ist aber nur möglich, sofern Sie für die EU-Waren auch Präferenznachweise in EUR-MED Form besitzen, seitens Einkauf. Falls diese nicht vorhanden sind, dürfen Sie die EU-Waren in einer MED-Kalkulation nicht positiv werten, da der entsprechende Vorursprungsbeleg fehlt.

In Ihrem Fall müssten Sie nochmals die Präferenzkalkulation sichten und auch die Vorursprungsbelege prüfen. Bitte beachten Sie auch die EUR-MED Matrix, welche Sie unter unserem Fachbeitrag Präferenznachweis unter Punkt 2.3 finden. Falls Sie kumulieren, muss geprüft werden, ob die EU mit BA, die Schweiz mit BA und die Schweiz mit der EU das EUR-MED Ursprungsprotokoll unterschrieben haben, weil sonst die diagonale Kumulation nicht möglich ist, wenn nicht alle Parteien untereinander das Protokoll anwenden.

Die Kumulation ist eines der komplexesten Themen in den Freihandelsabkommen und falls Sie noch Fragen haben, wäre eine Klärung per Telefon wahrscheinlich einfacher.

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Lea Derendinger

Frau Alla Machkur17. Juni 2021

Sehr geehrte Frau Derendinger,

können Sie bitte sagen, ob ein EUR-1 oder EUR-MED für eine Lieferung nach Bosnien ausgestellt werden soll, wenn es keine Kumulation mit EUR-MED Ursprung angewendet wurde und die Ware CH Ursprung ist (ausreichende Verarbeitung/Herstellung/Entwicklung in CH (FL)). Also, sollen wir uns nur an EFTA-Bosnien bilaterales Abkommen stützen und ein EUR-1 ausstellen?

Herzlichen Dank im Voraus.
Freundliche Grüsse,
Alla Machkur.

Lea Derendinger

17. Juni 2021

Sehr geehrte Frau Machkur

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage via unsere Kommentarfunktion.

Sofern Sie für die Erfüllung der Präferenz CH (LI) kein EU-Material positiv kalkulieren in Ihrer Präferenzkalkulation, haben Sie nicht kumuliert mit EU-Waren und können sich auf das bilaterale Abkommen EFTA-Bosnien und Herzegowina stützen und eine EUR.1 erstellen. Falls Ihr Kunde jedoch wie Waren in ein anderes EUR-MED Land präferenzbegünstigt weiterliefern möchte, ist er vielleicht auf einen EUR-MED Präferenznachweis angewiesen. Es sind also beide Varianten möglich, einfacher ist für Sie jeweils die EUR.1 / für den Kunden aber vielleicht eine EUR-MED, falls er auf diese angewiesen ist.

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte und stehe bei Fragen gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüsse

Lea Derendinger