Zölle im Import spa­ren

24.04.2019 | Import | Lea Derendinger |
Ausschnitt aus der Analyse der Importdaten

Viele Verantwortliche in Unternehmen denken, dass die elektronische Veranlagungsverfügung (eVV) Import durch die Eidgenössische Zollverwaltung erstellt wird. Darum vertrauen sie darauf, dass die Angaben in dieser «Zollquittung» korrekt sein müssen.

Doch die Verzollung im Import wird meist von einem Zolldeklaranten durchgeführt, der Angestellter einer Speditionsfirma oder einer Verzollungsagentur ist. Die Daten, die der eVV Import zugrunde liegen, werden aufgrund der Angaben in der ausländischen Lieferantenrechnung erfasst. Oft fehlen in diesen Lieferantenrechnungen wichtige Angaben, was zu Falschverzollungen führen kann. Dadurch können Ihnen unnötige Kosten entstehen.

In diesem Artikel bringen wir Ihnen näher, wie Sie Falschverzollungen umgehen und Zollkosten in der Schweiz, in Deutschland und weiteren Ländern sparen können.

Die Lieferantenrechnung als Basis der Verzollung

Prüfen Sie Ihre Lieferantenrechnungen! Dann werden Sie feststellen, dass von vielen ausländischen Lieferanten

  • die wichtigsten Aussenhandelsdaten nicht korrekt sind oder
  • Angaben fehlen

Diese Lieferantenrechnung bildet jedoch die Grundlage für die Verzollung und damit für die eVV Import. Aufgrund dieser Daten werden die Mehrwertsteuer- und Zollabgaben beim Käufer der Waren (Importeur) erhoben. In vielen Firmen werden die Veranlagungsverfügungen direkt in der Buchhaltung verwaltet. Die Daten, welche als Erhebungsmerkmale der Kosten im Import dienen, werden von der Buchhaltung oft nicht oder nur ungenügend kontrolliert. So kann es vorkommen, dass Sie jahrelang zu viele Zollabgaben bezahlen. Und das betrifft die Einfuhrverzollung in jegliches Land, egal ob:

  • Sie als Importeur in Deutschland auftreten und dort die Einfuhrzölle bezahlen
  • Sie bei Sendungen aus der EU beim Import in die Schweiz Zölle entrichten
  • oder auch wenn Einfuhrzölle anfallen bei Lieferungen aus asiatischen Ländern wie China

Mit unseren Tipps entwickeln Sie ein einfaches System, das Sie dabei unterstützt, Zölle (auch Einfuhr- oder Importzölle) zu sparen.

Lieferanten in die Pflicht nehmen: Mindestangaben fordern!

Wir empfehlen Ihnen: Nehmen Sie die Lieferanten in die Pflicht und fordern Sie die Mindestangaben auf den grenzüberschreitenden Rechnungen! Verankern Sie diese Mindestangaben in Ihren Allgemeinen Einkaufsbedingungen (AEB) oder halten Sie die entsprechenden Punkte im Vertrag mit Ihrem Lieferanten fest.

finesolutions-​Tipp

Mindestangaben der grenzüberschreitenden Rechnung:

  • Eindeutige Artikelnummer
  • Aussagekräftige Warenbezeichnung
  • Einzelpreis und Gesamtpreis anhand der gelieferten Stückzahlen
  • Zolltarifnummer (HS-Code) je Artikel
  • Autonomes Ursprungsland jedes Artikels
  • Präferenzeigenschaft je Artikel
  • Angaben zu internationalen Exportkontrollen zu jedem Artikel
  • Incoterms® mit Angabe der Ortschaft und Version (z.B. FCA Shanghai Airport – Incoterms 2020)
  • Ihre Bestellnummer oder Referenz

Optional, jedoch hilfreich für den Zolldeklaranten/Verzollungsdienstleister:

  • Ihre UID-Nummer (Unternehmens-Identifikationsnummer)
  • Ihr ZAZ-Konto (zentrale Abrechnungskontonummer Zoll)
  • Ihre MWST-Nummer (Mehrwertsteuer-Nummer)

Sie können diese Aussenhandelsdaten auch mit jeder Bestellung beim Lieferanten einfordern. Wichtig: Verlangen Sie die notwendigen Daten von Ihren Lieferanten und überprüfen Sie, ob die Informationen auf der Rechnung vollständig sind.
Teilen Sie Ihren Lieferanten ausserdem mit, dass Sie Mehrkosten der Zollabgaben zurückbelasten werden, die durch falsche Angaben in deren Rechnungen entstehen.
So können Sie von vornherein zu hohe Zölle vermeiden oder diese im Nachgang absetzen.

Kontrollieren Sie die Rechnungen

Gerade EU-Lieferanten, die hauptsächlich in der EU Waren verkaufen, kennen sich mit Aussenhandelsdaten selten gut aus. Bei einer innergemeinschaftlichen Lieferung innerhalb der EU werden diese Informationen oft nicht benötigt. Dies führt dazu, dass viele Aussenhandelsdaten in der Lieferantenrechnung fehlerhaft deklariert werden. Auch Lieferanten aus dem asiatischen Raum stellen ungenügende Rechnungen aus, da sie die Angaben für eine korrekte Importverzollung in die Schweiz (Veranlagungsverfahren) schlichtweg nicht kennen.

finesolutions-​Praxisbeispiel

Sie kaufen bei einem Lieferanten aus Taiwan Pumpen ein, welche für die Herstellung von Kühlschränken der Zollposition 8418 verwendet werden.

Ihr Lieferant erwähnt in der Rechnung immer die sechsstellige Zolltarifnummer 8418.99 «Teile zu Kühlschränken». Er hat wahrscheinlich nachgeschaut, welche Güter Sie herstellen und kennt sich mit der Tarifierung von Waren nicht aus.

Da in der Rechnung zudem keine aussagekräftige Warenbezeichnung vorhanden ist, kann der Zolldeklarant nicht erkennen, dass diese Lieferung Pumpen der Tarifnummer 8413.8130 enthält. Folglich werden in der eVV Import die Angaben zu «Teilen zu Kühlschränken» mit der (falschen) Zolltarifnummer gemäss der Lieferantenrechnung erfasst.

Wenn Sie also Pumpen im Gewicht von jährlich 20’000 Kilogramm einkaufen (Die Schweiz kennt noch den Gewichtszoll), sieht die Zollabgaben-Berechnung wie folgt aus:

  • Teile zu Kühlschränken der Tarifnummer 8418: 20’000 kg x CHF 46.00 je 100 kg brutto (Zollansatz)
    = CHF 9’200.00
  • Pumpen der Tarifnummer 8413: 20’000 kg x CHF 16.00 je 100 kg brutto (Zollansatz)
    = CHF 3’200.00

Aufgrund der Falschangabe der Zolltarifnummer in der Lieferantenrechnung bezahlen Sie bei diesem Lieferanten also jährlich CHF 6’000 zu viel an Zollabgaben.

Kontrollieren Sie die Angaben in den Lieferantenrechnungen also auf ihre Richtigkeit. Es lohnt sich! Bei vielen Lieferanten werden Sie erkennen, dass Rechnungsinformationen fehlen oder falsch sind.

Wir haben im Praxisbeispiel nur einen Fall beschrieben, den wir bei unseren Überprüfungen von Importbelegen bei Firmen immer wieder feststellen. Es gibt noch viele weitere Fehlerquellen, die Sie bei regelmässiger Kontrolle entdecken werden! Berichtigen die Lieferanten diese Daten, werden Sie Ihre Zollabgaben optimieren und die Zollkosten senken.

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Checkliste erstellen für Ihre Lieferanten

Oben haben Sie über verschiedene Möglichkeiten gelesen, wie Sie die Aussenhandelsdaten von Ihren Lieferanten einfordern:

  • AEB oder
  • Bestellung

Mit einer Checkliste unterstützen Sie Ihre Lieferanten optimal. Die Liste sollte alle benötigten Rechnungsinformationen enthalten. Erklären Sie auch, warum es so wichtig ist, dass diese Angaben korrekt sind.

Natürlich unterstützen Sie nur Lieferanten ohne Angaben oder mit fehlerhaften Angaben in den Rechnungen. Lieferanten, die alle Daten vorbildlich in der grenzüberschreitenden Rechnung ausweisen, schreiben Sie nicht an.

Checkliste Zollkosten senken im Einkauf Ausland englisch

Zölle langfristig senken durch Kontrolle der eVV

Damit Sie nicht alle Lieferantenrechnungen «durchkämmen» müssen, können Sie die Optimierung der Zollabgaben auch auf der Basis der Veranlagungsverfügungen durchführen.

Seit der Umstellung auf elektronische Importbelege wegen des Obligatoriums im März 2018 sind bei vielen Firmen die Importdaten in einer eVV-Importsoftwarelösung vorhanden.

Wenn die Software Auswertungsmöglichkeiten anbietet, wie beispielsweise unsere Lösungen ImpoWin oder eDocs (für SAP-Systeme), können Sie sich zuerst auf diejenigen Lieferanten fokussieren, bei welchen Sie regelmässig hohe Zollabgaben bezahlen müssen.

  • Mit dem Fokus auf die wertmässig hohen Zollabgaben können Sie einfach bei wenigen Lieferanten Optimierungen vornehmen, die schnell zu erheblichen Einsparungen der Einfuhrzölle führen.

Wenn Ihre Softwarelösung Sie bei den Auswertungen nicht unterstützen kann, führen wir gern die Analyse der Zollkosten für Sie durch. Sie sehen dann Ihre Einsparpotenziale aufgrund Ihrer eVV-Importdaten.

 

Diese Fehlerquellen haben wir bei diversen Import-Analysen festgestellt:

  • Keine Angabe der Zolltarifnummer auf der Lieferantenrechnung ⇒ Die gleichen Waren werden oft mit unterschiedlichen Zolltarifnummern deklariert, und der Zolldeklarant wählt eher eine Nummer aus, die höhere Zollkosten zur Folge hat.
  • Angabe einer falschen Zolltarifnummer ⇒ Sie zahlen regelmässig zu hohe Zölle.
  • Falsch angewendete Incoterms ⇒ Lesen Sie hierzu unseren Blog-Beitrag «Incoterms® DDP: Wer es einfach will, bezahlt mehr».
  • Der Lieferant liefert präferenzbegünstigte Ursprungswaren, jedoch ist der Präferenznachweis wie zum Beispiel die Ursprungserklärung auf der Rechnung formell ungültig oder das EUR.1 wurde nicht korrekt erstellt ⇒ Sie bezahlen regelmässig Zölle auf Waren, die zollfrei eingeführt werden könnten.
  • Unwissen: Sie kaufen Güter aus Entwicklungsländern ein wie zum Beispiel aus Indien, Malaysia, Vietnam, Thailand und Ihr Lieferant kennt sich mit dem APS (Allgemeines Präferenzsystem für Entwicklungsländer) oder englisch GSP (Generalized System of Preferences) nicht aus ⇒ Sie bezahlen bei jeder Lieferung Zollabgaben, obwohl die Güter vielleicht mit dem entsprechenden Nachweis zollfrei importiert werden könnten.
  • Ihr Lieferant in der EU liefert Ihnen Waren, die er in einem Land einkauft, mit dem die Schweiz ein Freihandelsabkommen hat ⇒ beim Umstellen auf Direktlieferung können Sie vom Abkommen profitieren und die Güter zollfrei importieren.

Tabelle zur Auswertung der Importstatistik

Besteht bei Ihren Zollkosten Einsparpotenzial

Wir helfen Ihnen gerne Einsparpotenziale in Ihren Zollkosten ausfindig zu machen.

Falschverzollung erkennen

Nachdem Sie die Optimierungen auf Seiten Ihrer Lieferanten durchgeführt haben, werden Sie feststellen, dass die Qualität Ihrer Veranlagungsverfügungen um ein Vielfaches besser wird. Dennoch wird es noch vorkommen, dass der Zolldeklarant bei der Erfassung der eVV Importdaten einen Fehler in der Zollanmeldung macht.

Die Zusammenführung der eVV Import mit dem entsprechenden Geschäftsfall ist für Schweizer Importeure Pflicht (Prüfspur). Es ist also auch wichtig, dass Sie

  • den Abgleich der Lieferantenrechnung mit der eVV Import durchführen
  • und Verzollungsfehler erkennen

Die eVV Import kann in den meisten Fällen innert der Korrekturfrist von 30 Tagen korrigiert werden.

Teilen Sie dem Zolldeklaranten eine Falschverzollung rechtzeitig mit und bitten Sie um eine Korrektur der entsprechenden eVV. Ob eine eVV korrigiert werden darf, entscheidet die Zollstelle, über die die Waren importiert wurden.

Dafür muss der Zolldeklarant der Zollstelle ein Gesuch um Korrektur stellen, das folgende Mindestangaben beinhalten muss:

  • Begehren des Beschwerdeführers: Was soll geändert werden?
  • Begründung: Weshalb ist die Veranlagungsverfügung fehlerhaft?
  • Angabe der Beweismittel: alle Belege einreichen, inkl. angefochtener eVV als PDF-Datei
  • Unterschrift des Gesuchstellers oder seines Vertreters
Generelle Verzollungsinstruktionen

finesolutions-​Tipp

Wenn immer wieder Falschverzollungen passieren, erteilen Sie dem Zolldeklaranten Verzollungsinstruktionen. Darin teilen Sie ihm alle benötigten Angaben, wie Ihr ZAZ-Konto, UID-Nummer… mit und halten die bei Ihren Verzollungen zu beachtenden Punkte fest.

Die Prüfspur zum Geschäftsfall gewährleisten Sie, indem Sie dem Zolldeklaranten auch die Referenznummer (z.B. Ihre Bestellnummer) melden, die auf jeder eVV Import deklariert werden soll. Somit wird die Zuordnung der entsprechenden eVV zum Geschäftsfall vereinfacht und der administrative Aufwand reduziert.

Einmaliger Aufwand – jahrelang Zölle sparen

Auch wenn der Aufwand für diese Optimierungen der Importbelege seitens Lieferanten und Zolldeklaranten auf den ersten Blick aufwändig erscheint, hat sich bei unseren Kunden bisher jede Analyse der Importdaten finanziell ausgezahlt.

Die Zollkosteneinsparungen sind dabei nicht nur einmalig, sondern wiederkehrend mit jeder zukünftigen Lieferung. Gerne unterstützen wir auch Sie bei der Import-Datenanalyse. Entdecken Sie mit uns Ihre Einsparpotenziale! Rufen Sie uns an oder schreiben Sie eine E-Mail.

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