Abbilden von Listen­re­geln / Ursprungs­re­geln im ERP-System am Beispiel von SAP

Compliance, Export 04.03.2021 von Corinne Müller Kommentare 0

In diesem Beitrag wollen wir Ihnen mit praktischen Beispielen zeigen, wie Sie Listenregeln / Ursprungsregeln eines Freihandelsabkommens in Ihrer Software abbilden können. Die meisten Anwender versuchen es zuerst in ihrem ERP-System, weshalb wir die zahlreichen Beispiele anhand des SAP ERP-Systems abbilden. Die Listenregeln werden in diesem System Präferenzregeln genannt.

Auch wenn Sie eine andere Softwarelösung in Ihrem Betrieb einsetzen, sollten Sie aufgrund unserer umfangreichen Erklärungen danach in der Lage sein, die Vorgehensweisen und Empfehlungen in Ihrem System abzubilden. Ähnliche Strukturen und Möglichkeiten bzw. Einschränkungen wie SAP haben die Lösungen von:

  • Microsoft (AX)
  • Infor (LN und COM)
  • proALPHA ERP

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die ERP-Anwendungen oftmals Deutsche Bezeichnungen für die Feldnamen und Menübezeichnungen verwenden, die anders lauten als bei uns in der Schweiz.

1. Aufgaben­stel­lung Präferenz­kal­ku­la­tion

Ihre Firma möchte in Zukunft die Präferenzkalkulation zur Ermittlung des präferenziellen Warenursprungs mithilfe einer Software vornehmen.

Zu diesem Entscheid gratulieren wir Ihnen! Sie haben ein Gespür dafür, wie Sie mittels Automatisierung von täglich wiederkehrenden Aufgaben einen Teilbereich des umfangreichen und komplexen Prozesses der Präferenzabwicklung effizient gestalten können.

Damit Sie Ergebnisse erzielen, die auch einer kritischen Prüfung durch die Eidgenössische Zollverwaltung standhalten, müssen Sie dem Abbilden der Listenregeln besondere Aufmerksamkeit schenken.

Gerne erklären wir Ihnen in diesem Beitrag, wie Sie eine kompakte und verständliche Arbeitsvorlage erstellen und die Ursprungsregeln in Ihrer Software – hier am Beispiel SAP-ERP – korrekt abbilden.

2. Erstellen einer Listen­re­geln-Arbeits­vor­lage

Mithilfe einer Arbeitsvorlage verschaffen wir uns zunächst einen Überblick und prüfen, welche Ursprungsregeln für die gewünschten Materialien in den jeweiligen Freihandelsabkommen angewendet werden müssen.

2.1 Schritt 1:
Vorbereiten einer Liste mit Zollta­rif­num­mern und Freihandelsabkommen

Erstellen Sie eine Liste mit den Zolltarifnummern Ihrer Produktionswaren.

Icon Leinwand mit Grafik
Im SAP-ERP

  • Transaktionscode SE16 ➔ Tabelle MARC
  • Erstellen Sie eine werksspezifische Liste der Materialnummern mit der statistischen Warennummer (STAWN) und folgenden Beschaffungskennzeichen (BESKZ):
    • E = Eigenfertigung
    • X = beide Beschaffungsarten, d.h. Eigenfertigung und Fremdbeschaffung

Übernehmen Sie die Zolltarifnummern (8- oder 11-stellig) in Ihre Arbeitsvorlage. Ergänzen Sie die Liste mit den Freihandelsabkommen, die Sie aktiv nutzen wollen.

2.2 Schritt 2:
Ermitteln der Listen­re­geln gemäss Freihandelsabkommen

Planen Sie für diesen Schritt unbedingt ausreichend Zeit ein. Sie benötigen jetzt die Listenregeln der Spalte 3 und Spalte 4 aller Freihandelsabkommen, die Sie aktiv bewirtschaften möchten.

  • Wie Sie dabei genau vorgehen und viele weitere Hintergrundinfos finden Sie im Fachbeitrag Listenregeln.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Tipp

Es gibt keine Ursprungsregel (Allgemeine Toleranz, Wertkriterium oder Positionssprung), die als Pauschalregel für alle Freihandelsabkommen angewendet werden kann.
Aussagen wie beispielsweise «Wir erreichen mit dem Positionssprung die Präferenz» sind kritisch zu hinterfragen.

Hingegen gibt es ein paar Freihandelsabkommen, welche die identischen Präferenzregeln anwenden.

Icon Leinwand mit Grafik
Beispiel:
Freihandelsabkommen Schweiz - EU

In der Kopfzeile erkennen Sie, dass es sich hier eigentlich um die Liste für das PEM-Übereinkommen handelt.

Weiter finden Sie auf Seite 2 die Liste der Freihandelsabkommen Schweiz / EFTA, die die gleichen Ursprungsregeln anwenden.

Hinweis:  Bitte beachten Sie, dass auch das Freihandelsabkommen Schweiz – UK die identischen Listenregeln gemäss PEM-Übereinkommen anwendet.

Sie sparen Zeit, wenn Sie die Regeln Schweiz – EU für alle hier gelisteten Freihandelsabkommen gleichermassen übernehmen können.

Ergänzen Sie Ihre Arbeitsvorlage mit folgenden Spalten je FHA: HS-Code, Beschreibung, Spalte 3, Spalte 4.

Übernehmen Sie die Listenregeln der Spalte 3 und 4 passend zum HS-Code des HS-Systems und der Beschreibung mittels Copy-and-paste in Ihre Arbeitsvorlage. Ist die Spalte 4 leer, lassen Sie diese ebenfalls leer oder vermerken Sie «keine Alternativregel anwendbar».

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FineSolutions-Tipp

Was sich so einfach anhört, kann in der Praxis viele Fragen aufwerfen. Wir empfehlen Ihnen folgendes Vorgehen:

  1. HS-Position:
    Suchen Sie zuerst nach der HS-Position (die ersten vier Stellen der Zolltarifnummer). Sollten Sie keinen Listeneintrag finden, gehen Sie zu Punkt 2.
  2. Kapitel:
    Suchen Sie nach dem Kapitel (die ersten zwei Stellen der Zolltarifnummer). Wenn Sie auch hier keinen Listeneintrag finden, dann prüfen Sie die einleitenden Bemerkungen zu den Listenregeln. In einigen Abkommen gibt es Regeln, die immer dann anzuwenden sind, wenn der HS-Code oder das Kapitel nicht explizit aufgeführt sind, z.B. im Abkommen Schweiz – Japan.

2.3 Schritt 3:
Ergänzung um Allgemeine Toleranz­regel

Ergänzen Sie Ihre Arbeitsvorlage mit der Allgemeinen Toleranzregel gemäss Freihandelsabkommen.

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3. Abbilden von Listen­re­geln / Ursprungs­re­geln in der Software – Beispiel SAP ERP

Auf Basis der zuvor erstellten Arbeitsvorlage können Sie jetzt die Listenregeln in der Software abbilden. Wir zeigen Ihnen wie das geht – hier am Beispiel des weitverbreiteten SAP-ERP-Systems.

Zuerst werden die Regeln gepflegt, danach der Statistischen Warennummer und Präferenzzone zugeordnet.

3.1 Präferenz­regel / Prozent­sätze zuordnen

  • Gehen Sie in das Customizing (Transaktionscode SPRO) und wählen Sie die Funktion:
    Vertrieb ➔ Aussenhandel / Zoll ➔ Präferenzabwicklung ➔ Präferenzregel / Prozentsätze zuordnen.

  • Klicken Sie auf «neue Einträge», um die Präferenzregel zu pflegen.

  • Pflegen Sie für jede Präferenzregel die relevanten Felder:

Feldname Werte
Präferenzregel Frei wählbare maximal dreistellige alphanumerische Bezeichnung der Präferenzregel.
Laufende Nummer Über die laufende Nummer werden die verschiedenen Stufen einer Präferenzregel abgebildet.
Verfahren

Das Verfahren definiert, wie die Präferenzkalkulation erfolgen soll.

00001 = Positionswechsel
Definiert den maximalen prozentualen Anteil an Vormaterialien ohne Präferenzursprung mit Positionswechsel.

00002 = Ohne Positionswechsel
Definiert den maximalen prozentualen Anteil an Vormaterialien ohne Präferenzursprung ohne Positionswechsel.

00003 = Drittland
Definiert den maximalen prozentualen Anteil an Vormaterialien ohne Präferenzursprung.

00004 = 50:50 – Verfahren
Definiert das maximale Verhältnis von 50:50 für Vormaterialien ohne Präferenzursprung gegenüber Vormaterialien mit Präferenzursprung.

00005 = HS-Verfahren
Definiert den maximalen Anteil an Vormaterialien ohne Präferenzursprung mit einer bestimmten Statistischen Warennummer (Kapitel-, Positions-, Unterpositionsnummer).

Statistische Warennummer Definiert im Verfahren 00005 = HS-Verfahren die Kapitel-, Positions- oder Unterpositionsnummer, für welche der maximale Anteil an Vormaterialien ohne Präferenzursprung kalkuliert werden soll.
Operationscode
Definiert, wie der Wert in der Präferenzkalkulation (z.B. Drittlandanteil) mit dem Prozentsatz gemäss Listenregel verglichen werden soll. 
 
CO = Enthält (in Verbindung mit HS-Positionen)
EQ = Gleich
LE = Kleiner, Gleich
Prozentsatz Definiert die Höhe des zulässigen Prozentsatzes gemäss Listenregel.
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FineSolutions-Hinweis

Definieren Sie für jede Rechnungsregel nur eine Regel. Sie können die gleiche Regel mehreren Freihandelsabkommen zuordnen.

Übertragen Sie die Regelnummer in Ihre Arbeitsvorlage. Das erleichtert Ihnen im nächsten Schritt die Zuordnung der Regel zur Statistischen Warennummer und der Präferenzzone.

3.1.1 Allgemeine Toleranz­regel + Wertkriterien

Pflegen Sie für die allgemeine Toleranzregel und die Wertkriterien je eine Regel mit folgender Ausprägung:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
10 1 00003 Drittlandanteil LE 10,00
15 1 00003 Drittlandanteil LE 15,00
40 1 00003 Drittlandanteil LE 40,00
50 1 00003 Drittlandanteil LE 50,00
60 1 00003 Drittlandanteil LE 60,00
usw...
Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Vergeben Sie die Regelnummer numerisch passend zum Prozentwert des Wertkriteriums. Das vereinfacht Ihnen später die Zuordnung der Regel zur Statistischen Warennummer. Ausserdem können Sie in der Präferenzkalkulation anhand der Regelnummer sofort erkennen, dass hier ein Wertkriterium angewendet wurde.

3.1.2 Kapitel­wechsel im HS-Verfahren

Für den Kapitelwechsel empfehlen wir, das 00005 HS-Verfahren anzuwenden. Mit diesem Verfahren können Sie einfach und transparent die Regel abbilden.

Pflegen Sie für jeden Kapitelwechsel eine Regel mit folgender Ausprägung:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
K46 1 00005 Drittlandanteil 46 LE 10,00
K47 1 00005 Drittlandanteil 47 LE 10,00

Der Prozentwert (LE = 10,00) entspricht dem Wert der allgemeinen Toleranzregel.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Vergeben Sie die Regelnummer alphanumerisch passend zum Kapitel. Das vereinfacht Ihnen später die Zuordnung der Regel zur Statistischen Warennummer. Ausserdem können Sie in der Präferenzkalkulation anhand der Regelnummer sofort erkennen, dass hier ein Kapitelwechsel angewendet wurde.

3.1.3 Kapitel­wechsel im Tarifsprung

Optional können Sie auch prüfen, ob das Verfahren 00002 für Ihre Branche / Produkte (SAP erwähnt hier die Chemiebranche) mehr Sinn ergibt. Damit Sie das Verfahren 00002 für den Kapitelwechsel verwenden können, müssen Sie im Customizing den Tarifsprung für das gewünschte Intervall der Statistischen Warennummern über eine Zugriffslänge von zwei anstatt vier Stellen definieren.

Die Regel im Verfahren 00002 wird wie folgt abgebildet:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
K10 1 00002

Ohne
Positionswechsel

LE 10,00

Der Prozentwert (LE = 10,00) entspricht dem Wert der allgemeinen Toleranzregel.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Vergeben Sie die Regelnummer alphanumerisch passend zum Kapitel und z.B. mit dem Wert der allgemeinen Toleranzregel. Das vereinfacht Ihnen später die Zuordnung der Regel zur Statistischen Warennummer. Ausserdem können Sie in der Präferenzkalkulation anhand der Regelnummer sofort erkennen, dass in diesem Beispiel ein Kapitelwechsel mit 10 % Toleranz angewendet wurde.

Tarifsprung festlegen

  • Gehen Sie in das Customizing (Transaktionscode SPRO) und wählen Sie die Funktion:
    Vertrieb ➔ Aussenhandel / Zoll ➔ Präferenzabwicklung ➔ Tarifsprung festlegen.

  • Klicken Sie auf «neue Einträge» um den Tarifsprung für das gewünschte Kapitel zu pflegen.

  • Pflegen Sie für den Tarifsprung die relevanten Felder:

Feldname Werte
Länderschlüssel CH bzw. das Land, für welches der Eintrag definiert werden soll.
Statist. Warennummer Tarifsprung zwischen den Statistischen Warennummern. Erfassen Sie hier die kleinste Statistische Warennummer des Kapitels, z.B. 4601.2100
Statist. Warennummer
Tarifsprung zwischen den Statistischen Warennummern.
Erfassen Sie hier die höchste Statistische Warennummer des Kapitels, z.B. 4602.9000
Zugriffslänge
2 = Kapitelwechsel
4 = Positionswechsel
6 = Unterpositionswechsel

3.1.4 Positi­ons­wechsel im HS-Verfahren

Das Verfahren 00005 «HS-Verfahren» wird immer dann angewendet, wenn der Positionswechsel auf eine vorgegebene Positionsnummer geprüft werden muss.

Pflegen Sie die Regel mit folgender Ausprägung:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
100 1 00002 HS-Verfahren 8516 CO 10,00

Der Prozentwert (CO = 10,00) entspricht dem Wert der allgemeinen Toleranzregel.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Für die Vergabe der Regelnummer empfehlen wir eine fortlaufende dreistellige Nummerierung.

3.1.5 Positi­ons­wechsel im Tarifsprung

Mit dem Verfahren «00002 Ohne Positionswechsel» wird der Positionswechsel der Komponenten gegenüber dem Führungsteil (Erzeugnis) geprüft.

Pflegen Sie die Regel mit folgender Ausprägung:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
P10 1 00002 Ohne Positionswechsel LE 10,00

Der Prozentwert (LE = 10,00) entspricht dem Wert der allgemeinen Toleranzregel.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Vergeben Sie die Regelnummer alphanumerisch passend zur Position und z.B. mit dem Wert der allgemeinen Toleranzregel. Das vereinfacht Ihnen später die Zuordnung der Regel zur Statistischen Warennummer. Ausserdem können Sie in der Präferenzkalkulation anhand der Regelnummer sofort erkennen, dass hier ein Positionswechsel mit 10 % Toleranz angewendet wurde.

3.1.6 Unterpo­si­ti­ons­wechsel

Für den Unterpositionswechsel empfehlen wir das 00005 HS-Verfahren.

Pflegen Sie die Regel mit folgender Ausprägung:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
500 1 00005 HS-Verfahren 390120 CO 10,00

Der Prozentwert (CO = 10,00) entspricht dem Wert der allgemeinen Toleranzregel.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Für die Vergabe der Regelnummer empfehlen wir eine fortlaufende dreistellige Nummerierung.

3.1.7 Listen­re­geln mehrstufig

Bei mehrstufigen Ursprungsregeln müssen zwei oder mehr Regeln erfüllt werden.

Pflegen Sie z.B. einen Positionswechsel und das 50 % Wertkriterium mit folgender Ausprägung:

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
101 1 00002 Ohne Positionswechsel LE 10,00
101 2 00003 Drittlandanteil LE 50,00

Der Prozentwert bei Stufe 1 (LE = 10,00) entspricht dem Wert der allgemeinen Toleranzregel.

Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Für die Vergabe der Regelnummer empfehlen wir eine fortlaufende dreistellige Nummerierung. Die Regelnummer bleibt für alle Stufen identisch. Die Stufennummer wird mit einer fortlaufenden Nummer gepflegt.

3.1.8 Weitere Beispiele

Listen­re­geln einstufig

Wertkriterium für eine bestimmte HS-Position

z.B. max. 50 % von HS-Position 3811.

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
200 1 00003 Drittlandanteil 3811 CO 50,00

Herstellen aus irgendeiner Position

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
600 1 00003 Drittlandanteil LE 100,00

Herstellen aus einer bestimmten HS-Position

z.B. 100 % aus HS-Position 7206

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
700 1 00005 HS-Verfahren 7206 CO 100,00

Positionswechsel mit Ausnahme

z.B. HS-Position 8445 und 8448

Diese Regel kann in SAP-ERP nicht abgebildet werden.
Problematik: Beide HS-Positionen dürfen zusammengerechnet nicht höher als die Allgemeine Toleranzregel sein. SAP kennt für diese Kalkulation keinen passenden Operationscode.

Unterpositionswechsel mit Ausnahme

z.B. von 3401.30 + 3402.90

Diese Regel kann in SAP-ERP nicht abgebildet werden.
Problematik: Beide Unterpositionen dürfen zusammengerechnet nicht höher als die Allgemeine Toleranzregel sein. SAP kennt für diese Kalkulation keinen passenden Operationscode.

Listen­re­geln mehrstufig

Herstellen aus bestimmten HS-Positionen

z.B. aus 7201, 7202, 7203, 7204 und 7205.

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
800 1 00005 HS-Verfahren 7201 CO 100,00
800 2 00005 HS-Verfahren 7202 CO 100,00
800 3 00005 HS-Verfahren 7203 CO 100,00
800 4 00005 HS-Verfahren 7204 CO 100,00
800 5 00005 HS-Verfahren 7205 CO 100,00

Positionswechsel + Wertkriterium + 50:50

50:50 bedeutet, dass der Wert des Vormaterials ohne Präferenzursprung maximal gleich hoch sein darf wie derjenige mit Präferenzursprung.

Regelnr. Stufe Verfahren Bezeichnung Stat.WNr. OPCode Prozent
900 1 00005 HS-Verfahren 9005 CO 10,00
900 2 00003 Drittlandanteil LE 40,00
900 3 00004 50:50 EQ 50,00

3.2 Statis­ti­sche Warennummer / Zollta­rif­nummer und Regel pro Präferenz­zone zuordnen

  • Gehen Sie in das Customizing (Transaktionscode SPRO) und wählen Sie die Funktion:
    Vertrieb ➔ Aussenhandel / Zoll ➔ Präferenzabwicklung ➔ Stat. Warennummer und Regel pro Präferenzzone zuordnen.

  • Klicken Sie auf «neue Einträge», um die Präferenzregel der Statistischen Warennummer und der Präferenzzone zuzuordnen.

  • Pflegen Sie gemäss Ihrer Arbeitsvorlage für jede Kombination von Zolltarifnummer, Präferenzzone und Regel einen Eintrag mit den relevanten Feldern:

Feldname Werte
Präferenz-Land CH bzw. das Land für welches die Präferenzregel gilt
Statist. Warennr 2-, 4-, 6- oder 8-stellige Statistische Warennummer für welche die Präferenzregel gilt
Präferenzzone Präferenzzone für welche die Präferenzregel gilt
Präferenzregel Listenregel gemäss Spalte 3
Alternativregel Listenregel gemäss Spalte 4
Icon Tipp Glühbirne
FineSolutions-Hinweis

Pflegen Sie im Feld «Statistische Warennummer» die Kapitel-, Positions- oder Unterpositionsnummer passend gemäss dem jeweiligen Freihandelsabkommen. Der eingetragene Wert ist immer für alle darunterliegenden Ebenen gültig, z.B. wird die Präferenzregel für Kapitelnummer 46 für alle statistischen Warennummern des Kapitels 46 angewendet oder die Präferenzregel für Positionsnummer 3906 für alle Zolltarifnummern mit der HS-Position 3906.

Die voll ausgeprägte achtstellige Statistische Warennummer ist meistens nur dann erforderlich, wenn eine Unterscheidung von verschiedenen Listenregeln aufgrund der Materialbeschaffenheit erforderlich ist und sich diese nur in den Stellen 7 + 8 eindeutig erkennen lässt. Oder Sie wollen innerhalb Ihrer Firma sicherstellen, dass jede neue Zolltarifnummer genau geprüft wird, bevor eine Präferenzkalkulation angewendet wird.

4. Listen­re­geln kaufen?

Angesichts dieser Komplexität und des damit verbundenen Aufwands werden wir oft angefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, Listenregeln zu kaufen, die man einfach über eine Upload-Funktion in das SAP-System importieren kann.

Es gibt verschiedene Anbieter auf dem Markt, die mit solchen Dienstleistungen ein Geschäft machen. Ob es sich für Sie lohnt, diesen Schritt zu gehen, sollten Sie sich aber vorher gut überlegen. Denken Sie aber daran, dass in erster Linie Sie bzw. Ihre Firma für die korrekte Anwendung der Listenregeln in der Präferenzkalkulation verantwortlich ist und Ihnen kein externer Partner oder Lieferant die Zuordnung von Spezialregeln passend für Ihre Produkte anbieten kann.

5. Fazit

Wer das Thema der Präferenzabwicklung gewissenhaft im Unternehmen verankern möchte, hat viel zu tun. Und das nicht nur initial, sondern auch danach in der täglichen Umsetzung. Das Abbilden von Listenregeln gehört zum Glück kaum dazu, ist aber vor allem zu Beginn ein grosser Brocken, den die Fach- und IT-Abteilung gemeinsam zu bewältigen haben. Dabei mangelt es oft nicht nur daran, dass die Listenregeln korrekt interpretiert werden, sondern auch bei der technischen Umsetzung mit der gewählten Softwarelösung.

Mit diesem Artikel möchten wir insbesondere deutlich machen, dass der Aufwand zur Pflege der Listenregeln für jedes Freihandelsabkommen betrieben werden muss. Machen Sie sich deshalb zuerst Gedanken darüber, welche Freihandelsabkommen Ihnen bzw. Ihrer Firma wirklich einen Mehrwert bringen, d.h. wo können Sie oder Ihre Kunden im Ausland Zollkosten einsparen. Um Ihnen den Entscheid zu erleichtern, haben wir unser Angebot, die Analyse Nutzen Freihandelsabkommen geschaffen. Aus Erfahrung zeigt sich, dass es sich bei den meisten Firmen nicht lohnt, alle Freihandelsabkommen abzubilden. Aussagen wie “…unsere Produkte können überall präferenzbegünstigt importiert werden!” sollten Sie kritisch prüfen.

Für die gewählten Abkommen, die Sie schlussendlich bewirtschaften wollen, empfehlen wir die Vorbereitung mithilfe der bereits erwähnten Listenregel-Arbeitsvorlage. Sobald Sie sich mit der Umsetzung beschäftigen, wird Ihnen klar werden, dass das A und O ist, korrekte und vollständige Zolltarifnummern im System gepflegt zu haben. Oft merken Verantwortliche erst dann, dass in diesem Bereich ein Bedarf besteht, weshalb wir Ihnen mit unserer Tarifierungsunterstützung helfen, diese Basis-Stammdaten zu bereinigen.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Einige unserer Beispiele mit etwas komplizierteren Regeln (z.B. mehrstufige oder solche mit Ausnahmen) können im SAP ERP-System nicht abgebildet werden. Dasselbe gilt auch für die meisten anderen ERP-Systeme! In solchen Fällen empfiehlt sich die Prüfung der Anschaffung einer speziellen WuP-Softwarelösung, die mehr Möglichkeiten und Operatoren bietet. Falls Sie auch knifflige Listenregeln abzubilden haben oder Sie die effiziente Präferenzabwicklung interessiert, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Mittels des Kontaktformulars können Sie sich einfach melden.

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