BREXIT – welche Folgen hat dieser für Unternehmen in der Schweiz?

01.02.2021 | Export, Import | Elin Meier | 10 Kommentare

Das Vereinigte Königreich (UK) trat am 31.01.2020 aus der EU aus. Damit begann die sogenannte «Über­gangsperiode», welche bis Ende 2020 dauerte. Bis Ende Jahr 2020 gehörte das UK weiterhin zur europäischen Zollunion und das bilaterale Freihandelsabkommen Schweiz-EU war anwendbar. Am 01.01.2021 ist nun das Abkommen Schweiz-UK in Kraft getreten. Auch die EU und das Vereinigte Königreich konnten sich am 24.12.2020 auf ein Handelsabkommen einigen, welches ab 01.01.2021 provisorisch in Kraft getreten ist. Seit der Erstpublikation dieses Blogbeitrags im November 2020 sind zahlreiche Details geklärt worden und wir haben den Beitrag insgesamt sechsmal aktualisiert und erweitert.

Ab jetzt werden wir diesen Blogbeitrag nur noch aktualisieren, sofern es Neuigkeiten oder zusätzliche Erkenntnisse aus der Praxis gibt. Diese würden dann auch in unsere Handlungsempfehlungen inklusive des Merkblatts einfliessen.

Brexit Auswir­kungen auf die Schweiz

Die Schweiz (inklusive Liechtenstein) hat bereits am 11.02.2019 ein neues Handelsabkommen mit dem UK unterzeichnet, welches nun am 01.01.2021 in Kraft getreten ist. In diesem Blogbeitrag sprechen wir zusammenfassend die Themen an, die aus zollrechtlicher Sicht für Sie als Firmenvertreter einer importierenden oder exportierenden Schweizer Firma von Bedeutung sind. Es sind dies:

Vertiefte Informationen mit konkreten Handlungsempfehlungen erhalten Sie in unserer Checkliste / Merkblatt.

Konsequenzen des Brexits für Schweizer Unternehmen aus Zollsicht

Wie bereits erwähnt, besteht zwar ein Handelsabkommen zwischen der Schweiz und dem UK. Das bedeutet aber nicht, dass Sie als Unternehmen keine Handlungen treffen müssen. Aus zollrechtlicher Sicht gibt es doch einiges zu beachten. Auch nach dem Austritt vom UK aus der EU muss natürlich für jeden Export aus der Schweiz und Import in das UK eine entsprechende Ausfuhr- und Einfuhrzollanmeldung erstellt werden. Vielen Unternehmen ist dabei aber nicht bewusst, welche zollrechtlichen Auswirkungen der Brexit hat und was nun beachtet werden muss.

Insbesondere wenn Sie mit einer Softwarelösung Ihre Ausfuhrzollanmeldungen selbst erstellen, müssen Sie gewisse Einstellungen in Ihrer Softwarelösung vornehmen. Oder falls Sie eine Lösung haben, die diese automatisch vornimmt, sollten Sie die Änderungen zumindest kontrollieren. Beispielsweise muss neu ein anderer Währungscode im e-dec Export gewählt werden, wenn Sie Ihrem Kunden mit Sitz im UK in britischem Pfund (GBP) fakturieren. Zusätzlich wird die Übermittlung von Sicherheitsdaten für Exportsendungen nach dem UK notwendig, da es nicht mehr zur EU gehört.

Nordirland verbleibt ja bekanntlich in der EU. Wie Sie Lieferungen nach Nordirland im e-dec Export System korrekt abwickeln, lesen Sie ebenfalls in unserem Merkblatt.

Durch das Ausscheiden vom UK ändert sich auch die Anerkennung des AEO-Status zwischen den Ländern. Bekanntlich hat die Schweiz mit der EU ein AEO-Abkommen unterzeichnet, das die Anerkennung der beiden AEO-Status regelt.

Auch bei der Erstellung der Exportrechnung muss einiges beachtet werden. Ein wichtiger Punkt ist hier die EORI-Nummer Ihres Kunden im UK.

Ein besonders wichtiges Thema ist die Präferenzabwicklung im Rahmen des präferenziellen Warenursprungs. Diese kann für Unternehmen sehr anspruchsvoll werden. Neu müssen die Ursprungsregeln des Handelsabkommens Schweiz-UK beachtet werden. Zwischen der EU und dem UK besteht zwar ein Abkommen, jedoch dürfen EU-Vormaterialien nicht wie bis anhin kumuliert werden. Unternehmen müssen also für ihre Fertigungsware eine neue Präferenzkalkulation erstellen, die diesem Umstand Rechnung trägt.

Auch bei Handelswaren ist Achtsamkeit geboten: EU-Ursprungswaren können nicht mehr präferenzbegünstigt zwischen dem UK und der Schweiz gehandelt werden.

Weiter stellt sich die Frage, welche Präferenznachweise im bilateralen Handelsabkommen Schweiz-UK gültig sind und welche Konsequenzen es für Ermächtigte Ausführer gibt. In den Präferenznachweisen darf bei Ausfuhren von beispielsweise Handelswaren mit präferenziellem Ursprung UK nicht mehr EU-Ursprungsware bestätigt werden. Auch importseitig sollte geprüft werden, ob der UK-Lieferant die Präferenznachweise korrekt ausstellt.

Wenn Sie Lieferantenerklärungen ausstellen, müssen diese entsprechend angepasst werden.

Ein weiterer Stolperstein können Ausfuhren aus der Schweiz darstellen, die vor dem 01.01.2021 aus der Schweiz ausgeführt wurden, aber erst ab dem 01.01.2021 zur Einfuhr in das UK angemeldet werden. Solche Sendungen unterliegen dem Handelsabkommen Schweiz-UK. Zum Zeitpunkt der Ausfuhr können aber noch keine Ursprungsnachweise im Sinne des Abkommens Schweiz-UK ausgestellt werden, da das Abkommen dann noch nicht gilt. Diese Problematik besteht auch im umgekehrten Fall, das heisst Waren, die vor dem 01.01.2021 aus dem UK ausgeführt, aber erst ab 01.01.2021 zum Import in die Schweiz angemeldet werden. Zu dieser Problematik wurde glücklicherweise eine Übergangsbestimmung festgelegt.

UK-Ursprungswaren, die vor dem 01.01.2021 aus dem UK in die Schweiz eingeführt wurden und ab diesem Datum in die EU ausgeführt werden, verlieren den Präferenzstatus.

Der Schweizer Zolltarif «Tares» wurde per 01.01.2021 importseitig und auch exportseitig im Hinblick auf das UK angepasst. Die Importzollansätze im UK werden ebenfalls angepasst. Überprüfen Sie also, ob sich die Zollabgaben für Ihren Kunden im UK ändern. Wir zeigen Ihnen, wo Sie die neuen Zollansätze nachschauen können.

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Wie finesolutions Ihnen beim Thema BREXIT helfen kann?

Gerne unterstützen wir Sie bei Fragen rund um das Thema BREXIT. Kontaktieren Sie uns ungeniert, wenn Sie beispielsweise Unterstützung bei der Erstellung neuer Präferenzkalkulationen benötigen. Oder wenn Sie nicht sicher sind, wie Sie Lieferantenerklärungen zukünftig korrekt bestätigen sollen. Im Rahmen unserer Zollberatung helfen wir Ihnen gerne weiter!

Brexit Checkliste / Merkblatt

Gerne stellen wir Ihnen unsere BREXIT-Checkliste / unser Merkblatt mit vertieften Informationen zu den genannten Themen per E-Mail zu. Aktuell ist die Version vom Februar 2021.

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10 Kommentare zu «BREXIT – welche Folgen hat dieser für Unternehmen in der Schweiz?»

Roger Hongler3. Dezember 2020

Sehr geehrte Frau Meier / Liebes FineSolutions Team

Betreffend Warenlieferung nach UK (ab 2021) stell sich mir die Frage wie die Verzollung abläuft, da je keine EU-Verzollung mehr möglich sein wird.
Heiss das Export-Verzollung an der Grenze CH-DE, dann Transit durch Europa und Import-Verzollung in UK (z.B. Dover)? Benötige ich nach wie vor die EORI-Nummer und VAT Nummer des Empfängers in UK oder hat er noch weitere Unterlagen/Informationen bereit zu halten? Rechnen Sie mit grösseren Verzögerungen oder hat evtl. ein Schweizer Transporteur eine schnellere Zollabwicklungszeit als die Kollegen aus der EU? (Zur Info: Unsere Kunden sind nicht Industriebetriebe welche viel Know-How in Sachen Verzollung und VAT haben).

Besten Danke und freundliche Grüsse

Lea Derendinger

3. Dezember 2020

Sehr geehrter Herr Hongler
Herzlichen Dank für Ihre Anfrage via unsere Webseite.
Es ist korrekt, dass Sie keine EU-Verzollung mehr durchführen können ab Januar 2021 für Lieferungen in das Vereinigte Königreich (UK). Es gibt verschiedene Möglichkeiten für die Verzollung der Güter und eine Variante ist die Grenzverzollung, wie Sie diese erwähnt haben. Die andere Variante wäre, wenn Sie einen Schweizer Spediteur für die Lieferung beauftragen und dieser den ZV/ZE Status besitzt. In diesem Fall könnte die CH-Ausfuhrverzollung im schweizerischen Inland durchgeführt werden, anstatt an der Grenze. Zudem muss der Spediteur diesen Status auch im UK besitzen, damit dort eine Inland-Einfuhrverzollung durchgeführt werden kann und das Transitpapier gelöscht wird. Diverse CH-Spediteure besitzen diesen Status und haben auch eine Niederlassung im UK um keine Grenzverzollungen durchzuführen. Fragen Sie am besten bei den Spediteuren nach, ob dies eine Möglichkeit ist für Ihre zukünftigen Transporte.
Ihre Kunden müssen sich zwingend mit dem Thema Verzollung auseinandersetzen und Sie können diese Kunden erst beliefert, wenn der Importeur eine EORI-Nummer besitzt. Die Kunden im UK müssen sich also registrieren und Sie sollten die EORI-Nummer beginnend mit GB jeweils auf Ihrer Exportrechnung andrucken. Eine «Schritt für Schritt Anleitung» für den Import von Waren wurde von der UK-Regierung publiziert und könnte Ihre Kunden entsprechend unterstützen.
Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Herzliche Grüsse
Lea Derendinger

Thomas Sprenger4. Dezember 2020

Vielen Dank für das sehr übersichtliche Merkblatt zum Brexit.

Markus Eberhard

4. Dezember 2020

Sehr geehrter Herr Sprenger
Im Namen aller an diesem Merkblatt Mitarbeitenden danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihre positive Rückmeldung! Wir freuen uns sehr, dass Sie es als übersichtlich empfunden haben!
Viele Grüsse
Markus Eberhard

M.Schaller11. Dezember 2020

Sehr hilfreich und aufschlussreicher Beitrag / Merkblatt. Vielen Dank.

Elin Meier

11. Dezember 2020

Sehr geehrter Herr Schaller

Vielen Dank für Ihren Kommentar und positive Rückmeldung!
Es freut uns sehr, dass unser Beitrag und das Merkblatt für Sie hilfreich waren.

Beste Grüsse
Elin Meier

Walter Ulmann4. Januar 2021

Habe noch selten so schnell und so kompetent verständliche Information
( auch für einen Laien )über ein derart komplexes Thema erhalten.
Gratulation dazu an finesolutions und vielen Dank.

Markus Eberhard

4. Januar 2021

Sehr geehrter Herr Ulmann

Ihre Rückmeldung freut uns ausserordentlich und ich danke Ihnen im Namen aller Autoren ganz herzlich dafür! Es ist schön, dass wir das Jahr geschäftlich mit einer so positiven Rückmeldung zu unseren Publikationen beginnen dürfen.

Wir wünschen Ihnen ein erfolgreiches 2021 und grüssen Sie recht herzlich.

Markus Eberhard

Marco Siegenthaler12. Januar 2021

Liebes finesolutions Team

Hiermit möchte ich Ihnen ein riesiges Kompliment aussprechen.
Es ist ungewöhnlich, so schnelle, kompetente und verständliche Antworten zu erhalten.
Meistens wird das von anderen in Fachchinesisch ausgedrückt, was in einem KMU kaum mehr verständlich ist.

Zum Glück ist das bei Ihnen nicht so.

BRAVO !!!

Elin Meier

12. Januar 2021

Sehr geehrter Herr Siegenthaler

Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihr positives Feedback!

Es freut uns immer sehr, wenn wir möglichst unkompliziert und verständlich unterstützen können und zwar so, dass es Jedermann versteht.

Die ganze BREXIT-Thematik an sich ist ja schon kompliziert genug für die KMU's.

Beste Grüsse
Elin Meier