eVV Import Obligatorium – haben Sie an alles gedacht?

04.08.2017 | Markus Eberhard

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Blogartikels anfangs August 2017 stehen den Importeuren noch 7 Monate zur Verfügung für die Umstellung auf den elektronischen Bezug der Veranlagungsverfügung Import (eVV). Oder um nachzubessern. Denn aufgrund der Fragen, die uns am Ende eines Seminars fast regelmässig gestellt werden, haben wir oftmals kein gutes Gefühl. Dies obwohl immerhin bereits etwas mehr als ein Drittel der Seminarteilnehmer bei der einführenden Frage die Hände erhebt, wer die Belege schon elektronisch bezieht. Sollten Sie die nachfolgenden fünf Fragen mühelos beantworten und die eVV schon elektronisch beziehen, können Sie sich die zehn Minuten für diesen Artikel sparen. Typische Fragen aus dem Publikum sind:

  • Muss ich die Veranlagungsverfügung prüfen?
  • Was verstehen Sie unter der Prüfspur?
  • Bei uns macht alles der Spediteur – muss ich dann auch noch etwas tun?
  • Uns fehlen immer wieder Zollquittungen – wo kriege ich diese her?
  • Was interessiert mich als Einkäufer diese „Zollfragen“?

eVV Import: alles wird gut – nur das Ende am 28.2.2018 wird knapp

Als langjähriger Kenner der Schweizer Zollmaterie komme ich nicht umhin, die Entwicklung der letzten Jahre in diesem Bereich mit einem leichten Stirnrunzeln zu kommentieren. Denn: Seit dem Jahre 2012 können fortschrittliche Importeure den Beweis für einen rechtsgültigen Import von Waren in die Schweiz elektronisch beziehen. Aus der Veranlagungsverfügung (VV), die auf Spezialpapier von der OZD gedruckt wird, ist die elektronische Veranlagungsverfügung (eVV) geworden. Und bereits von Anfang an wusste man, dass irgendwann dem Papier das Ende droht. Aber nicht nur dem Papier, sondern auch dem Zustellservice durch die Post. Worum es schlussendlich so lange gedauert hat und von Seiten der Behörden so nebulös kommuniziert wurde, bleibt ein Geheimnis von «Bern». Tatsache ist, dass erst am 8. Mai 2017 offiziell das Obligatorium per 1. März 2018 für alle wahrnehmbar bekannt gegeben wurde. Damit blieb schon zu Beginn nicht einmal ein Jahr für die Umstellung zur Verfügung. Knapp, sehr knapp, vor allem für Importeure mit einem anspruchsvollen ERP-System wie SAP.

Unterschiede der Papier Veranlagungsverfügung zur elektronischen Variante

Ein Unterschied sticht allen ins Auge, die mit diesen Belegen zu tun haben: Die Farbe des Beleges und die Beschaffenheit des Papiers. Die bisherigen, papierbasierenden Veranlagungsverfügungen werden jede Nacht in einem Druckzentrum in der Nähe von Bern auf amtliches, gelbes Papier gedruckt. Und Ihnen als Importeur per Post am nächsten Tag zugestellt. Ein toller Service, den es bald nicht mehr geben wird.

Anders die elektronische Variante: Sie kommt in Form eines PDF-Dokumentes daher und kann von Ihnen auf einem gewöhnlichen Drucker ausgedruckt werden. Weshalb diese Variante für die Behörde auch kein rechtssicheres Dokument ist, welches Sie bei einer Prüfung vorweisen können; es wird nicht anerkannt.

Dossier einer Veranlagungsverfügung, welche Anfang 2018 auf eVV umgestellt wird

Mit diesem Sachverhalt alleine lässt sich natürlich noch kein Halbtagesseminar konzipieren und in der Tat sehe ich oft enttäuschte Augen, wenn es darum geht, die Vorteile der elektronischen Variante zu «verkaufen». In der heutigen Zeit, wo jeder von Digitalisierung so selbstverständlich spricht wie von seinem Smartphone, ist ein reiner Papierersatz beileibe kein Brüller. Im Gegenteil: Wenn ich obendrauf noch berichte, dass sich die für dieses Importgeschäft verantwortliche Partei, also der Importeur, darum kümmern muss («Holschuld»), wird es ruhig im Seminarraum.

Was bringt uns die Umstellung?

Kurz danach weicht die Ruhe einer leichten Anspannung und es kommen Fragen auf zum Nutzen dieser ganzen Übung. Ab diesem Zeitpunkt spaltet sich die Klasse in zwei Lager: Die einen, die einfach möglichst schnell und einfach diesen «Unfug» hinter sich bringen möchten und andere, die bereit sind, die Vorteile des elektronischen Bezugs zu prüfen. Um jetzt keine falschen Erwartungen zu schüren: Wir sprechen hier von marginalen Verbesserungen, von denen Sie allenfalls profitieren können. Und die meisten dieser Punkte hätten eigentlich schon mit den heutigen Prozessen abgedeckt werden können – und sollen. Wie gesagt: Die elektronische Variante enthält die gleichen Daten und Angaben wie die Papierversion.. Nur weil Sie die Daten jetzt in elektronischer Form erhalten, sind noch lange nicht alle Probleme gelöst. Wenn Sie bisher Mühe hatten, die Veranlagungsverfügung einer Bestellung zuzuordnen, so wird das auch weiterhin der Fall sein. Und wenn Sie bisher fälschlicherweise Zollabgaben bezahlen, so tun Sie das auch weiterhin.

Nutzen Sie den Umstieg auf die eVV Import für längst fällige Verbesserungen

Ehrlich gesagt lag ich oft richtig mit meinem jahrelang gepflegten Vorurteil, dass die Mitarbeiter im Verkaufsinnendienst und der Exportabteilung einer Exportfirma keine Ahnung vom Zoll haben. Mehr als 15 Jahre seit Gründung der Firma hatte ich nur mit diesen Abteilungen zu tun und habe dabei einiges erlebt.: In vielen Einkaufsabteilungen von Schweizer Firmen, die regelmässig im Ausland einkaufen, ist es sehr arg bestellt mit dem Zollfachwissen. Regelmässig kann ich nur leer schlucken, wenn mir die neuesten Einkaufsstrategien vorgestellt werden. Und wie man den Lieferanten «knebelt», indem man mittels grossartiger Einkaufsbedingungen und Rahmenverträgen geschickt noch einige Rappen abspart. Das Thema Zoll mit Begriffen wie Zolltarifnummern, Zollabgaben, Präferenzberechtigung, Vorlageprovision, etc., höre ich sehr selten. Obwohl dort in den meisten Fällen ein grösseres Einsparpotential liegt, womit wir wieder beim Thema wären: Die Umstellung auf den elektronischen Bezug ist ohne begleitende Massnahmen und Verbesserungen ein «non-event».

Erhöhen Sie die Rechtssicherheit und vermeiden Sie unnötige Kosten

Etwas kam bisher noch gar nicht zur Sprache. Vermutlich weil es nicht mehr üblich ist, auch darüber zu sprechen, dass Sie als Importeur gewisse nicht unerhebliche Pflichten haben. Denn etwas im Zusammenhang mit obigen Ausführungen hat mich schon immer verblüfft: Im Exportverkehr geht es ja «um nichts», wie der Volksmund zu sagen pflegt. Zollabgaben gibt es keine und ins Ausland verrechnet man sowieso keine Mehrwertsteuer. Auch dazu gäbe es einiges zu schreiben, doch das folgt in einem späteren Beitrag. Bleiben wir also bei meiner Begriffsstutzigkeit: Im Gegensatz zum Export kann es für Schweizer Firmen im Importverkehr ganz schön teuer werden. Und der Staat hat dabei das unumstössliche Privileg, sein Geld umgehend einzufordern. Deshalb war ich immer der Meinung, dass man in der Einkaufsabteilung eine Ahnung haben sollte, ob diese Abgaben und Gebühren auch zu Recht eingefordert werden und welche Pflichten der Importeur zu erfüllen hat. Spätestens bei einer Mehrwertsteuer- oder Zollprüfung werden diese ungeliebten Themen plötzlich salonfähig:

  • Vorhandensein der eVV / Abholungszeitpunkt
  • Korrektheit der eVV
  • Prüfspur
  • Aufbewahrung
  • Signaturprüfung

Letzter Gedanke –die Bestimmung des Warenursprungs beginnt im Einkauf

Ein letzter Gedanke möchte ich Ihnen zu diesem Thema noch mit auf den Weg geben. Und zwar ist es die in vielen Exportfirmen anzutreffende Situation, dass der Exportsachbearbeiter darüber zu entscheiden hat, ob er jetzt das Präferenz-Kennzeichen auf seinen Papieren anbringt. Ohne eine lückenlose und genaue Information von Seiten des Einkaufs betreffend des Präferenzstatus‘ der eingekauften Vormaterialien ist dieses Vorhaben sinnlos und riskant. Der Einkauf mit dem Wareneingang ist sozusagen der Quell allen Ursprungs, wie eine unserer Folien aus dem Importabwicklungsseminar zeigt:

Infografik über die Elemente der Präferenzabwicklung

Nutzen Sie also die verbleibende Zeit und nehmen Sie sich diese Themen vor. Zu Ihrem Vorteil.

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