Zölle /​ Zoll­ab­ga­ben

17.04.2019 | Zollwesen | Thomas Woodtli |

Wenn es um Kosten geht, die bei der Einfuhr von Waren von der Zollverwaltung erhoben werden, ist oft die Rede von:

  • Zöllen
  • Zollabgaben
  • Zollkosten
  • Einfuhrzölle
  • Importzölle

Ebenfalls gerne synonym verwendet wird Zollgebühren. Diese definieren sich jedoch anders und werden auch nicht von der Zollverwaltung erhoben.
Während wir Zollgebühren in einem separaten Beitrag beschreiben, gehen wir hier näher auf Fragen und die Definition von Zöllen ein.

1. Was sind Zölle bzw. Zollabgaben?

Der Begriff «Zollabgaben» steht offiziell für die durch die Eidgenössische Zollverwaltung in Rechnung gestellten Zölle, die sich in der Schweiz zumeist aufgrund des Bruttogewichts einer importierten Ware berechnen lassen.

Im Fachjargon wird von Zollabgaben oder auch Zöllen gesprochen, da es sich dabei um eine Abgabe handelt, die bei einer Beförderung einer Ware über eine Zollgrenze anfällt und somit eine Steuer im Sinne der Abgabenordnung ist.

Ebenfalls korrekt sind «Einfuhrzoll» und «Importzoll». Am häufigsten verwendet und somit die geläufigeren Begriffe sind jedoch «Zölle» und «Zollkosten».

2. Wann ist eine Ware zollfrei bei der Einfuhr in die Schweiz?

Sie möchten gerne wissen, ob die Waren, welche Sie im Ausland einkaufen, zollfrei oder zollpflichtig sind? Diese Information erhalten Sie im Schweizer Zolltarif «Tares». Um die Zollansätze anzuschauen, benötigen Sie zuerst die korrekte Zolltarifnummer der Produkte, welche Sie importieren möchten. Wir empfehlen Ihnen, dass Sie sich nicht «blind» auf die Angaben des Lieferanten verlassen, sondern überprüfen, ob die Zolltarifnummer des Lieferanten auch wirklich korrekt ist. Geben Sie im Tares bei der Verkehrsrichtung «Einfuhr aus» an. Danach geben Sie im Feld «Suche mit Tarifnummer» die Zolltarifnummer ein.

Achtung: Wenn Sie die Zolltarifnummer von Ihrem Lieferanten erhalten haben, geben Sie nur die ersten sechs Stellen der Zolltarifnummer im Tares ein (mit oder ohne Punkt). Da die letzten beiden Ziffern immer länderspezifische Nummern sind, kann es sonst vorkommen, dass Sie die Zolltarifnummer im Tares nicht abfragen können.

Wir zeigen Ihnen das Vorgehen anhand eines Beispiels mit Sicherheitsventilen, die Sie in Deutschland einkaufen:

Einstiegsmaske Schweizer Tares mit Wahl der Verkehrsrichtung Einfuhr

Nun klicken Sie auf «Suchen» und erhalten folgende Übersicht:

Detailansicht aus dem Schweizer Tares

Jetzt müssen Sie auswählen, ob die Sicherheitsventile, welche Sie einkaufen, aus

  • Eisen
  • nicht rostfreiem Stahl oder
  • Blei sind (Schweizerische Unternummer 10)
  • oder aus anderen Materialien (Schweizerische Unternummer 90)

Sofern die Güter unter die Tarifnummer 8481.4010 eingereiht werden, weil die Ventile aus rostfreiem Stahl sind, klicken Sie auf das Münzsymbol links neben der achtstelligen Zolltarifnummer, und der Tares zeigt Ihnen die Zollansätze wie folgt an:

Ausschnitt aus Tares Anzeige Zollansätze

Jetzt benötigen Sie die Information bezüglich des Bruttogewichtes und der Menge dieser Güter, die Sie importieren möchten.

Zoll­ab­ga­ben Bei­spiel: Ein­kauf Sicher­heits­ven­tile aus Deutsch­land (bzw. EU)

Ihre Firma kauft 200 Sicherheitsventile aus Deutschland ein und Sie wissen vom Lieferanten, dass das Bruttogewicht der Lieferung ca. 400 kg beträgt.
Nun können Sie die Zollabgaben berechnen:

  • 400 kg x Zollansatz von CHF 9.60 je 100 kg brutto (s. oben) = CHF 38.40 Zollabgaben

Fragen Sie Ihren Lieferanten, ob er Ihnen einen Präferenznachweis im Sinne des Freihandelsabkommens Schweiz-EU ausstellen kann. Sofern Ihr Lieferant einen Präferenznachweis erstellen kann, dürfen Sie im Tares den Zollansatz EU berücksichtigen. Welche Präferenznachweise im Import für welches Freihandelsabkommen gültig sind, erklären wir im Fachbegriff Präferenznachweis.

Dies bedeutet, dass Sie diese Ventile mit null Zollabgaben, also zollfrei, in die Schweiz importieren können, sofern der Lieferung ein Präferenznachweis mitgegeben wird.

Die Anzeige der reduzierten Ansätze oder «Nulleransätze» im Tares gelten nur für Lieferungen mit präferenziellem Ursprungsnachweis.

Waren die generell zollfrei sind

Für gewisse Waren benötigen Sie keinen präferenziellen Ursprungsnachweis um sie trotzdem zollfrei in die Schweiz einführen zu können. Sie möchten z.B. gedruckte Schaltungen der Tarifnummer 8534.0020 im Ausland einkaufen. Im Tares finden Sie unter den Zollansätzen folgende Information:

Ausschnitt aus Schweizer Tares mit Beispiel Nullansaetzen

Diese Güter sind generell zollfrei auch ohne Präferenznachweis, da beim Normalansatz CHF 0.00 je 100 kg brutto aufgeführt wird.

3. Wie können Ihre Kunden Waren zollfrei einführen?

Sie möchten gerne wissen, ob Ihr ausländischer Kunde Zölle zahlt auf den Produkten, die Sie ihm verkaufen?

Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Zollabgaben im Ausland zu ermitteln. Wenn Sie Güter in die EU exportieren, können Sie sich im EU-Zolltarif «Taric» informieren, wie hoch die Zollabgaben sind, welche Ihr Kunde bezahlt.

Nach dem Einstieg ins Taric erfassen Sie im Feld «Warencode» die Zolltarifnummer (sechsstellig) und das Ursprungsland. In unserem Beispiel möchten wir Büroartikel aus Kunststoff exportieren. Sie erhalten folgende Anzeige:

Ausschnitt aus dem Taric Abfrage

Klicken Sie auf «Suche nach Massnahmen» und im Taric werden Ihnen die Zollansätze beim Import in die EU angezeigt:

Detailanzeige aus Taric Import

Nun wissen Sie, dass Ihr Kunde 6,5 % Zollabgaben bezahlen muss beim Import Ihrer Waren. Die Zollabgaben werden in den meisten Ländern auf dem Warenwert erhoben (Wertzoll). Dies im Gegensatz zur Schweiz, wo meistens der Gewichtszoll nach Bruttogewicht gilt.

Sofern Sie Ihrem Kunden einen Präferenznachweis erstellen können, weil dieses Produkt die Listenregel im Freihandelsabkommen Schweiz-EU erfüllt, kann Ihr EU-Kunde die Waren zollfrei importieren. Sie sehen dies unter dem Hinweis im Taric bei «Schweiz (CH)»: Dort ist 0 % angegeben.

Diese Einsparung dank des Präferenznachweises ist natürlich nur möglich in Ländern, mit welchen die Schweiz oder die EFTA ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. Es gibt aber auch Güter, welche generell zollfrei importiert werden können.

Eine weitere Möglichkeit, um die Zölle seitens Ihres Kunden zu ermitteln, ist die Datenbank „Mendel-Online„. In dieser können Sie Abfragen nach Zolltarifnummern und Bestimmungsländer durchführen und erhalten jeweils die Angaben, wie viele Zollabgaben erhoben werden.

Für Schweizer Exporteure ist die Nutzung dieser Datenbank kostenlos, sofern Sie sich auf der Seite von S-GE (Switzerland Global Enterprise) registrieren. Zur Registrierung nutzen Sie diesen Direktlink zur Zolldatenbank via S-GE. Sie finden in diesem Tool nicht nur die Zollabgaben von mehr als 150 Ländern, sondern weitere hilfreiche Informationen wie Ursprungsregeln und Importvorschriften.

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