Stand des Teilpro­jekts «Passar» innerhalb des Transfor­ma­ti­ons­pro­jekts «DaziT»

der Eidgenössischen Zollverwaltung per Juni 2021

Export, Import
25.06.2021 von Markus Eberhard
Logo Passar Verfahren DaziT von FineSolutions

Mit diesem Beitrag starten wir die Berichterstattung zum Stand von «Passar», das eines von mehr als 20 Teilprojekten ist im Rahmen des umfassenden Transformationsprojekts «DaziT» der Eidgenössischen Zollverwaltung. Passar wird die bisherigen Systeme NCTS und e-dec ablösen und ist deshalb für unsere Kundschaft das wichtigste Vorhaben dieses Grossprojektes der Zollverwaltung, die nächstes Jahr zudem in «Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG)» umbenannt wird.
Wir werden ab jetzt quartalsweise oder bei Eintreffen von wichtigen Entscheidungen vom Fortschritt dieses Projekts berichten. Unsere Informationen beziehen wir aus erster Hand, da wir Mitglied in folgenden Gruppen sind:

  • Begleitgruppe Wirtschaft
  • Arbeitsgruppe Softwareentwicklung

Diese Berichterstattung haben wir schon anlässlich der letzten grossen Umstellung vor 13 Jahren (auf e-dec Export) praktiziert und dafür sehr gute Noten und Rückmeldungen von Interessierten erhalten. Damit wollen wir einen Beitrag leisten zur verständlichen und transparenten Information aus Sicht der Wirtschaft. Verantwortliche in Unternehmen und Interessierte sollen dadurch in die Lage versetzt werden, bessere Entscheidungen zu treffen aufgrund von fundierten Informationen.

Auch dieses Mal ist es wiederum so, dass bereits erste Akteure beginnen, ihre Angebote (Workshops / Software) damit zu schmücken, dass sie «Passar»-fit seien. In Anbetracht der aktuellen Ausgangslage erscheint uns das sehr suspekt, wenn nicht sogar unseriös, auch wenn der aktuelle Zeitplan der Zollverwaltung eine solche Verfügbarkeit fast voraussetzt:

Ablösung NCTS und e-dec Export (Ausfuhr) durch Passar 1.0 voraussichtlich per 1.12.2023

Warum beurteilen wir «Passar»-Angebote sowie den Zeitplan der EZV zum jetzigen Zeitpunkt als unseriös bzw. sportlich? Wir haben in dieser Woche (KW 25) gerade einmal die Entwurfs-Version 0.3 der «Technischen Dokumentation Passar für Softwareentwickler» erhalten. Aufgrund dieser Dokumentation haben wir nun folgende Fragen an die Verantwortlichen der EZV gestellt:

  • Löst Passar wirklich beide Systeme (NCTS und e-dec Export) gleichzeitig per 1.12.2023 ab?
  • Unsere Zollsoftware-Kunden arbeiten nur mit e-dec Export. Transitpapiere im NCTS werden durch die Spediteure erstellt. Ist geplant, dass unsere Exporteure zukünftig auch Transitpapiere erstellen?
  • Muss ein Exporteur zukünftig einen ZV Status haben, um Ausfuhrzollanmeldungen im Passar abwickeln zu können?
  • Gemäss den technischen Beschreibungen wird zukünftig in Passar ein Feld benötigt mit den Präferenzangaben der Artikel. Viele Exporteure haben diese aber in ihrem ERP-System gar nicht vorgesehen und können den Präferenzstatus nicht automatisiert an das Exportsystem übergeben.
    Gibt es hier eine längere Laufzeit für den Wechsel von e-dec Export auf Passar, da die meisten Kunden zuerst ihr ERP-System anpassen und diese Daten einpflegen müssen?
  • Was ist mit Firmen, welche für diese Transition viel länger Zeit benötigen?
    Können solche Firmen ab 30.11.23 keine Ausfuhrdeklaration mehr selber erstellen?
  • Warum werden Präferenzangaben im Export mit Passar zukünftig benötigt? Diese sind für die Zollfreiheit im Import massgebend, nicht aber für die Ausfuhrzollanmeldung.
    Hintergrund?
  • Auch das Ursprungsland des Artikels muss deklariert werden.
    Gibt es also zukünftig keine Konsolidierung nach Zolltarifnummer mehr?
  • Ist nach wie vor eine Deklaration in zwei Schritten geplant? Erstellung Ausfuhrliste durch Exporteur, Selektion der Ausfuhrliste danach durch Spediteur?
    Wie sind die Aufgaben zwischen Exporteur und Spediteur zukünftig aufgeteilt?
  • Es wird von Aktivierung der Ausfuhrdeklaration gesprochen.
    Ist damit die jetzige Selektion durch den Spediteur gemeint oder wer «aktiviert» die Ausfuhrdeklaration?
  • Sind separate Felder im Passar für die Beantragung von Rückerstattungen, z.B. für die Schokoladen-Branche, geplant? Dies würde den Rückerstattungsprozess vereinfachen.

Wie Sie erkennen, sind unseres Erachtens noch (zu) viele Fragen aktuell offen, als dass man seine Angebote schon Passar-/DaziT-konform nennen kann. Wir setzen uns auch bei dieser Umstellung für die Anliegen der Exporteure aktiv ein und versuchen, dass nicht nur die Verwaltung von diesen Megainvestitionen des Bundes im Umfang von über 400 Millionen Franken profitiert!

Die Antworten auf obigen Fragen sowie neue Informationen zu Passar erwarten wir spätestens an der nächsten Sitzung der Begleitgruppe Wirtschaft am 20.9.2021. Unsere e-dec Softwarelösungen (ExpoWin, pZoll) werden auf jeden Fall schon zu Beginn des Parallel-Betriebs von Passar 1.0 ab 1.6.2023 für interessierte Kunden zur Verfügung stehen!

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